Posts by gisela

    Hallo Hühnerjerg,


    schön, dass Du Dich noch und wieder mit einer schlichten Lebensweise beschäftigen kannst. Hast Du bei Gohn Brothers schon angerufen?


    1994 gab es noch eine einzige Familie in Lancaster Co., die in Heimarbeit traditionell-schwere Strohhüte (Modell Kreissäge) aus Strohbändern nähte. Flying Cloud Hats produzierte damals Filzhüte, doch vielleicht haben die inzwischen die Strohhut-Produktion übernommen, und auch da kannst Du anrufen. Im mittleren Westen importierte man damals schon leichte, preiswerte Modelle, wie sie bei Gohn zu haben sind. Solche gibt es hierzulande z.B. bei den Raiffeisen-Märkten.

    Liebe/r Neoamisch,


    die Gruppe scheint schon seit etwa 10 Jahren zu bestehen und wurde 2012 in der Mennonite World Review beschrieben. Der Gründer Dan­iel Placzek stammt aus Deutschland. Deshalb stelle ich es mir einfach vor, mit ihm in Kontakt zu treten.


    Wenn Du in Schweden bist, würde ich einfach vorbei fahren. Sommergrüße von Gisela

    Hallo Neoamisch,


    Interessant könnte das Buch von Marlene Miller für Dich sein. Sie heiratete einen amischen Mann und wurde zehnfache Mutter. Allerdings ist das fast 60 Jahre her.


    Die Menschen, die ich persönlich kennen lernen konnte, nachdem sie zu den Amischen konvertierten, erlebe ich bestens integriert: a. D. hat vor fast 50 Jahren eine amische Frau geheiratet, alle sieben Kinder sind längst verheiratet und haben eigene Familien. b. M. heiratete vor mehr als 20 Jahren eine amische Frau, und die gemeinsamen Kinder sind inzwischen auf Partnersuche. c. Das Ehepaar S. ist gemeinsam mit zwei damals kleinen Kindern beigetreten und sie haben neben der Ziegenfarm ein beliebtes Geschäft mit unbehandelten Getreideerzeugnissen gegründet.

    Hallo Neoamisch,


    hier im Forum waren schon einige, die ebenfalls ernsthaft zu den Old Order Amish übertreten wollten. Dabei denke ich besonders an Elinor. Wenn Du Deine Partnerin mitbringst, ist das ein großer Pluspunkt, weil die Amischen sehr familienorientiert sind und die Ehe als unauflöslich betrachten.

    Alles Gute für Deinen großen Schritt! Magst Du uns in der ersten Zeit, bevor Ihr das Smartphone aufgeben müsst, etwas über Deine/Eure Erfahrungen mitteilen? Wann fliegst Du denn? Und in welchen Bundesstaat?

    Liebe Ryka, Du bist ja ganz schön in der Welt herum gekommen!


    So wie Fasel würde ich auch antworten: Zieht an, was Euch angenehm ist und gefällt. Denn was die Old Order Leute gar nicht gerne sehen ist, wenn man ihre Kleidung imitiert, ohne zu einer Gemeinde zu gehören. Falls Euch Eure Gastgeber in den Gottesdienst einladen, rate ich den Damen zu einem mindestens wadenlangen Kleid/Rock ohne Schlitz, einem Oberteil mit wenigstens 3/4 langen Ärmeln und bis zu Hals zugeknöpft, alles möglichst schlicht, in gedeckten Mustern und Farben. Dazu dunkle Halbschuhe mit niedrigen Absätzen. Für die Herren dunkle, lange Hosen, weißes Oberhemd, bei großer Hitze eine passende dunkle Weste statt des Jacketts, keine Krawatte. Für fünf Erwachsene käme da schon ein eigener Koffer mit Sonntagssachen zusammen, deshalb kann ich Euch die mennonitischen Thrift-Shops in Lancaster Co. empfehlen.


    Keine Angst vor Fettnäpfchen, die Täufer haben häufig Sinn für Humor, und Deine Lebenserfahrung auf mindestens drei Kontinenten wird Dir das nötige Fingerspitzengefühl verleihen. Gute Reise und melde Dich, wenn Ihr zurück seid; G.

    Willkommen im Forum, lieber Torsten!


    Es ist nicht ausgeschlossen, dass einzelne Old Order Leute so ähnlich denken, doch sie werden es uns wohl nicht mitteilen. Du fragst nach theologischen Aussagen zur Verwendung von modernen Technologien. Subjekt solcher Aussagen wäre der Konsens jeder einzelnen Gemeinde. Zweimal pro Jahr wird die Gemeindeordnung bestätigt, oder abgewandelt. Beides muss einstimmig geschehen. Was vor einem halben Jahr galt, kann bei Deinem nächsten Besuch etwas anders aussehen. Jedes Mal reibe ich mir die Augen: neues Bad, neue Küche, neue Poloshirts. Dinge, die davor undenkbar waren.


    Entgegen Deiner Vermutung waren Dampfmaschinen und sind Dieselmotoren schon lange auf Farmen und in Werkstätten im Einsatz: "By the late 1880s large steam engines operated threshing machines on many Lancaster County farms. Small gasoline engines were widely used by the turn of the twentieth century to saw wood, grind feed, pump water, and power washing machines. Like their neighbors, the Amish owned and operated steam and gasoline engines and used horses to pull machinery in their fields." (Donald Kraybill, The Riddle of Amish Culture, S. 222)


    Gegen Verbrennungsmotoren haben sie gar nichts, und bevorzugte Motorenmarke ist eine Japanische. Spätestens wenn eine Maschine repariert werden muss, ist es mit dem "Zauber" vorbei und dann sind technisches Verständnis und Erfahrung gefragt. Bei Shows werden manchmal noch Dampf-Lokomobile vorgeführt. Doch der derzeitige Trend geht zu Solar-Energie.

    Hallo Tobias,


    in den letzten Jahren haben sich die Vorstellungen und das Wissen über die Amischen sehr verbreitet, sicher dank des Internets, vielleicht durch einige Doku-Soaps. Doch das Gebiet täuferischer und calvinistischer Arbeitsethos bleibt ein weites Feld. Hier findest den Tagesablauf der amischen Köchin Lovina Eicher vom 23. September 2013.


    Es freut mich, dass Du hier im Forum ein paar für Dich nützliche Insider-Informationen erhalten hast. Und die konntest Du mit Deinen eigenen Eindrücken in Pennsylvania abgleichen. Was hast Du denn dort beobachtet?


    Als Christenmensch bist du ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Mit allen guten Wünschen in der Karwoche; Gisela

    Hallo Monik und willkommen im Forum!


    Euer Lehrer scheint bestens informiert. Grüße ihn doch bitte herzlich. Falls Ihr oder er in dieser Frage tiefer einsteigen möchtet, gibt es dazu zwei Beiträge von Isaac Zürcher: a. Briefsammlung zur Ammann-Reist Kontroverse, in: Informations-Blätter des Schweizerischen Vereins für Täufergeschichte Bd. 10, Grosshöchstetten 1987, S. 3-17 und b. die Spaltungsbriefe a.a.O. S. 26-79.


    Fasel möchte ich uneingeschränkt zustimmen. Katholischen Dogmen kann man sehr viel leichter entkommen als einer amischen Ordnung.


    Seit 1979 waren mir Einblicke in verschiedene amische Gemeinden möglich. Keiner unserer Bekannten lebt noch in der Gemeinde, in der wir sie kennen lernten. Entweder sind sie Auseinandersetzungen durch Umzug zuvor gekommen, oder die Gemeinde hat sich gespalten, bzw. ist mehrheitlich zu einer anderen ("höheren") Gruppierung gewechselt.


    Die überzeugende Gewaltlosigkeit nach außen hat ihren Preis oftmals in unglaublicher Selbstverleugnung Einzelner.

    Hallo Tobias,


    zu den Hauptunterschieden gehören: a. Hutterer leben in geschlossenen Kolonien, Amische in Streusiedlungen; b. Hutterer haben keinen Privatbesitz, Amische sind Eigentümer ihrer Grundstücke, Häuser und Werkstätten; c. Hutterer verwenden modernste Technologien für ihre landwirtschaftlichen Großbetriebe, Amische setzen auf Pferdekraft in bäuerlichen Familienbetrieben. Dazu gibt es erhebliche Unterschiede bei Sprache, Herkunft, Kleidung.


    Gemeinsam ist ihnen, dass beide Gruppen Kindertaufe, Eid und Wehrdienst ablehnen.

    Willkommen hier im Forum und ein gutes Jahr 2019, lieber LostInBabylon!


    Auf Deine drei Fragen kannst Du viele unterschiedliche Antworten bekommen. Alle täuferisch-traditionalistischen Gemeinden sind Freikirchen und autonom. Die Auslegungen und Entscheidungen der Ältesten gelten nur für die eigene Gemeinde von maximal 26 Familien. Pro Gemeinde werden drei bis vier per Los bestimmte Prediger ordiniert. Hinzu kommt jemand, der für die Finanzverwaltung verantwortlich ist. Diese vielen tausend Ältesten sind alle autorisierte Auskunftgeber.


    Die Amischen glauben und hoffen - so wie alle Christen -, dass sie Jesus Christus begegnen werden. Ob zu Lebzeiten oder über den Tod hinaus, das wird von Familie zu Familie, von Einzelmensch zu Einzelmensch unterschiedlich gewichtet. Von jemandem, der sich als Erwachsener mit klarem Bewusstsein hat taufen lassen, erwarten sie, dass er sich an die in der Gemeinde geltenden Regeln hält. Menschen, die nicht zu dieser Gemeinde gehören, haben eventuell einen anderen Weg zu gehen. Darüber wird wenig spekuliert. Die Zahl 144.000 spielt keine große Rolle.


    "Weniger Stress" mag für einige Bereiche zutreffen, dafür verursacht das Leben mit eingeschränkter Technologie auf anderen Gebieten erheblichen Stress.

    Hallo ghtech,


    a. Du musst nicht über den Atlantik reisen. In Irland gibt es eine Amish-Mennonite-Gruppe. Und in jeder mennonitschen Gemeinde hierzulande werden die gemeinsamen Glaubensüberzeugungen (Glaubenstaufe, Eidesverweigerung, Kriegsverweigerung) praktiziert.


    b. Wenn Du hier im Forum das Suchwort Lebensgemeinschaft eingibst, bekommst Du einige Beiträge. Falls es Dir auf Deinem Hof vor allem um eine naturnahe Lebensweise mit Selbstversorgung und Gemeinschaftseigentum gehen sollte, dann könntest Du z.B. mit ein paar Gleichgesinnten eine Genossenschaft gründen. In welchem Bundesland bist Du denn ansässig?

    Liebe Marieca, frag doch einfach bei der nächstgelegenen Werkstätte nach, ob sie auch einen ausgeschulten Vierzehnjährigen beschäftigen wollen und können. Das ginge wegen des Jugenschutzes nur für 6 Std./Tag und wäre damit genau so lang wie ein Schultag.


    Falls das nicht möglich sein sollte, dann kann bei Pflegestufe 3 jeden Tag ein Alltagsbegleiter (so wie ich damals als Einzelfallhelferin) sich ein paar Stunden um Lennart kümmern. Du bist nicht allein.

    Liebe Marieca,


    und ab wann kann er in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten? Wenn er ausgeschult ist, müsste das doch gehen. Da könnte der Betreuungsschlüssel besser als an Schulen sein. Welche Pflegestufe hat Lennart denn?


    Eine Eins-zu-eins Betreuung gibt es für schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen. Ich kenne eine Familie, die haben eine 24-Std.-Betreuerin selbst angestellt, doch die können sich das leisten, weil sie ein mittelständisches Unternehmen mit mehreren Angestellten haben.

    Hallo Marieca,


    viele Eltern würde sich so ein Angebot wünschen. Doch ich verstehe, weshalb das für Dich wenig Erleichterung bringt. Vor vielen Jahren habe ich als Einzelfallhelferin gearbeitet: zwei Stunden pro Tag und Kind. Da Lennart derzeit eine 24-Std.-Betreuung zu benötigen scheint, fände ich Einzelfallhilfe für ihn sinnvoll, damit Du in der Zeit wenigstens einkaufen und zu den Behörden gehen kannst.


    Habt Ihr schon über Privatschulen nachgedacht? Die können jedes Kind aufnehmen. Und manche verlangen nur wenig Schulgeld, wenn man kein eigenes Einkommen hat. Falls auch das nicht klappen sollte, dann lernt Lennart eben in der "Schule der Lebens" bei Dir und kann später auf dem 2. Bildungsweg einen Abschluss machen, wenn er möchte.


    Darf man nicht ab 14 Jahren schon sechs Stunden pro Tag arbeiten? Könnte er z.B. Regale im Supermarkt auffüllen? Ganz ohne Schulabschluss würde er dann Mindestlohn bekommen, sich an das Arbeitsleben gewöhnen und könnte überlegen, was er sonst noch gerne machen möchte.