Beiträge von gisela

    Willkommen hier im Forum und ein gutes Jahr 2019, lieber LostInBabylon!


    Auf Deine drei Fragen kannst Du viele unterschiedliche Antworten bekommen. Alle täuferisch-traditionalistischen Gemeinden sind Freikirchen und autonom. Die Auslegungen und Entscheidungen der Ältesten gelten nur für die eigene Gemeinde von maximal 26 Familien. Pro Gemeinde werden drei bis vier per Los bestimmte Prediger ordiniert. Hinzu kommt jemand, der für die Finanzverwaltung verantwortlich ist. Diese vielen tausend Ältesten sind alle autorisierte Auskunftgeber.


    Die Amischen glauben und hoffen - so wie alle Christen -, dass sie Jesus Christus begegnen werden. Ob zu Lebzeiten oder über den Tod hinaus, das wird von Familie zu Familie, von Einzelmensch zu Einzelmensch unterschiedlich gewichtet. Von jemandem, der sich als Erwachsener mit klarem Bewusstsein hat taufen lassen, erwarten sie, dass er sich an die in der Gemeinde geltenden Regeln hält. Menschen, die nicht zu dieser Gemeinde gehören, haben eventuell einen anderen Weg zu gehen. Darüber wird wenig spekuliert. Die Zahl 144.000 spielt keine große Rolle.


    "Weniger Stress" mag für einige Bereiche zutreffen, dafür verursacht das Leben mit eingeschränkter Technologie auf anderen Gebieten erheblichen Stress.

    Hallo ghtech,


    a. Du musst nicht über den Atlantik reisen. In Irland gibt es eine Amish-Mennonite-Gruppe. Und in jeder mennonitschen Gemeinde hierzulande werden die gemeinsamen Glaubensüberzeugungen (Glaubenstaufe, Eidesverweigerung, Kriegsverweigerung) praktiziert.


    b. Wenn Du hier im Forum das Suchwort Lebensgemeinschaft eingibst, bekommst Du einige Beiträge. Falls es Dir auf Deinem Hof vor allem um eine naturnahe Lebensweise mit Selbstversorgung und Gemeinschaftseigentum gehen sollte, dann könntest Du z.B. mit ein paar Gleichgesinnten eine Genossenschaft gründen. In welchem Bundesland bist Du denn ansässig?

    Liebe Marieca, frag doch einfach bei der nächstgelegenen Werkstätte nach, ob sie auch einen ausgeschulten Vierzehnjährigen beschäftigen wollen und können. Das ginge wegen des Jugenschutzes nur für 6 Std./Tag und wäre damit genau so lang wie ein Schultag.


    Falls das nicht möglich sein sollte, dann kann bei Pflegestufe 3 jeden Tag ein Alltagsbegleiter (so wie ich damals als Einzelfallhelferin) sich ein paar Stunden um Lennart kümmern. Du bist nicht allein.

    Liebe Marieca,


    und ab wann kann er in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten? Wenn er ausgeschult ist, müsste das doch gehen. Da könnte der Betreuungsschlüssel besser als an Schulen sein. Welche Pflegestufe hat Lennart denn?


    Eine Eins-zu-eins Betreuung gibt es für schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen. Ich kenne eine Familie, die haben eine 24-Std.-Betreuerin selbst angestellt, doch die können sich das leisten, weil sie ein mittelständisches Unternehmen mit mehreren Angestellten haben.

    Hallo Marieca,


    viele Eltern würde sich so ein Angebot wünschen. Doch ich verstehe, weshalb das für Dich wenig Erleichterung bringt. Vor vielen Jahren habe ich als Einzelfallhelferin gearbeitet: zwei Stunden pro Tag und Kind. Da Lennart derzeit eine 24-Std.-Betreuung zu benötigen scheint, fände ich Einzelfallhilfe für ihn sinnvoll, damit Du in der Zeit wenigstens einkaufen und zu den Behörden gehen kannst.


    Habt Ihr schon über Privatschulen nachgedacht? Die können jedes Kind aufnehmen. Und manche verlangen nur wenig Schulgeld, wenn man kein eigenes Einkommen hat. Falls auch das nicht klappen sollte, dann lernt Lennart eben in der "Schule der Lebens" bei Dir und kann später auf dem 2. Bildungsweg einen Abschluss machen, wenn er möchte.


    Darf man nicht ab 14 Jahren schon sechs Stunden pro Tag arbeiten? Könnte er z.B. Regale im Supermarkt auffüllen? Ganz ohne Schulabschluss würde er dann Mindestlohn bekommen, sich an das Arbeitsleben gewöhnen und könnte überlegen, was er sonst noch gerne machen möchte.

    Liebe Susanne und liebe Wenke,


    zweimal pro Tag versammeln sich die Familien zur Andacht und dreimal täglich zu einer warmen Mahlzeit um den Küchentisch. Dort entsteht und vertieft sich die Verbundenheit untereinander. Darüber hinaus werden in der Familie und in der Öffentlichkeit Nähe und Wärme nicht durch Händchenhalten, Umarmungen oder Knuddeln demonstriert.


    Kleine Kinder (bis ca. drei Jahre, bzw. das nächstjüngere sitzen kann) sitzen beim Gottesdienst auf dem Schoß des Vaters oder der Mutter. Vor den Gottesdiensten wird der Bruderkuss (Brüder untereinander und Schwestern untereinander) gepflegt. Dabei küssen getaufte Gemeindeglieder alle anderen Gemeindeglieder des eigenen Geschlechts herzhaft auf den Mund.

    Liebe/r Vinmore.


    mit Kraybill, Nolt und Meyers hast Du schon einmal die Standardwerke, und die veralten nicht so schnell, wie Du vielleicht schon selbst bemerkt hast.


    Lebst Du in einer Universtätsstadt oder habt Ihr eine größere Stadtbibliothek? Die neueren Erkenntnisse, nach denen Du fragst, werden in wissenschaftlichen Aufsätzen veröffentlicht. Die Bibliothekarinnen helfen Dir gerne bei dem Ritt durch die Datenbanken. Eine für Dich spannende und fokussierende Leitfrage musst Du schon selbst formulieren.


    Was Du über den Leistungsdruck schreibst, kann ich gut nachfühlen. Es gibt bestimmt Untersuchungen zu Stressbewältigung bei den Amischen. Wäre das ein Thema für Dich?



    Liebe Susanne,


    Fasel hat Recht. Wenn Du nicht Mitglied einer amischen Gemeinde bist, wird sich kaum ein amischer Mann in Dich verlieben. Leider ist Scheidung einer der wenigen Hinderungsgründe, in eine amische Gemeinde aufgenommen zu werden. Solange Dein geschiedener Mann lebt, könntest Du dort weder Mitglied werden noch nicht neu heiraten.


    Fallbeispiele findest Du eher in wissenschaftlichen Aufsätzen als online. Doch es gibt ein paar traurige Geschichten. 2009 erschoss Eli W. seine Frau Barbara, die Mutter der vier Kindern, um frei für seine Freundin sein. Und 2006 vergiftete Samuel B. seine Frau Anna, Mutter von fünf Kindern. Danach zog er in einen anderen Bundesstaat, heiratete erneut und hatte fünf weitere Kinder. Beide Mörder wurden zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

    Hallo Suchender, Ihr seid Vorbilder bei Eurem freundlichen Umgang mit unseren atmenden Mitgeschöpfen!


    Wenn ich Dich richtig verstehe, warst Du mehr als acht Monat als seeker bei den Amischen in Ohio. Wie aufregend! Wann war das denn? War Deine Frau dabei? Wie habt Ihr das mit den Visa gemacht? (Denn ein Touristenvisum läuft ja früher aus.) Hattest Du eine Arbeitserlaubnis? Gab es einen Austausch mit anderen seekern?


    Auch ich habe den Eindruck, dass die jungen Leute bei Umweltschutz, Welpenfabriken oder Müllentsorgung inzwischen mehr Skrupel zeigen als viele Ältere, denen vor 30 oder 40 Jahren nur wenige berufliche Optionen offen standen.

    Liebe Melli,


    so wie Du es gewünscht hast, habe ich es gemacht: eine Kerze entzündet und Deinen Onkel, Deine Patentante und Dich in meine Gebete eingeschlossen.


    Und liebe Nadine, für Deinen Sohn und den anderen Jungen werde ich auch beten.

    Liebe Marieca,


    lernt Lennart immer noch gern und mühelos auswendig? Dann finde ich Hanna H.s Hinweis sehr hilfreich. Gibt es einen Star-Wars-Fanclub bei Euch? Kann er sich online mit anderen Science-Fiction-Freunden austauschen?


    Wenn Du demnächst wie geplant in eine Tagesklinik gehst, wer wird sich dann um Deinen Sohn kümmern? Wieder sein Vater? Ohne Schule müsste der dann unbezahlten Urlaub nehmen, denn sonst wäre Euer Sohn tagsüber ohne Aufsicht. Hast Du eine gute Haftpflichtversicherung für Lennart abgeschlossen? Bis er ganz ausgewachsen ist, werden seine unkontrollierten Wutausbrüche noch riskanter.


    Deine eigene Rente ist doppelt wichtig, denn wenn Du mit 67 in den Ruhestand gehst, wirst Du Deinen Sohn voraussichtlich noch viele Jahre und Jahrzehnte betreuen, als einzige, die ihn versteht.

    Lieber Tobi,


    welche Sachbücher über die Amischen kennst Du denn schon? Oder woher stammt Deine Annahme, dass die Amischen das Internet nicht nutzen würden?


    Alle Bücher von Donald Kraybill finde ich empfehlenswert. The Riddle of Amish Technologyist zwar schon fast zwei bzw. drei Jahrzehnte alt, doch den grundsätzlich wählerischen Umgang der Old Order Leute mit technischen Neuerungen erklärt es nach wie vor.

    Wie kommst Du denn darauf, Tobi?
    [Blockierte Grafik: https://i.pinimg.com/236x/7e/18/12/7e1812e6b4dee9598c92de6040cbcd44--amish-country-telephone.jpg]Benutzen dürfen sie sehr vieles. Strom, Telefon und Internet haben zwar im Wohnbereich der Familien nichts zu suchen. Doch die meisten Gemeinden erlauben diese Dinge für den Beruf, und die sind dann in der Werkstatt oder im Stall untergebracht.


    Außerdem gibt es regelrechte Hightech-Hütten an den Grundstücksgrenzen, die von mehreren Familien geteilt werden.


    Donald Kraybill hat diese scheinbaren Widersprüche in seinem Buch "The Riddle of Amish Technology" ziemlich gut erklärt. Wer Bücher lesen kann, ist oft im Vorteil.