Posts by Franke

    Hallo Zusammen!


    Habe nun zufällig diesen Strang gefunden und wollte etwas dazu schreiben.
    Ich war zu Besuch in Green Acres (Strengsten Eltern der Welt) wie auch in Wilson Siding (Das vergessene Volk).
    Es wäre falsch die Unterschiede dieser beiden Gemeinden auf die unterschiedliche Zeit der Entstehung beider Dokumentationen zu begrüden. Es wurden nämlich so ziemlich einer der liberalsten und eine der strengsten Gemeinden hier besucht. Eine davon ist eine von einer der beiden Schmiedeleut Gruppen in Manitoba, die andere ist eine sehr konservative Dariusgemeinde.


    Nicht alles bei den "Die Strengsten Eltern der Welt" würde ohne Drehbuch so passieren wie im Film gezeigt, das Buch von Michel Holzack muss ich sagen, trifft immer noch sehr genau auf das Vorgefundene zu, es würde also niemals ein Kamerateam auf diesen Hof dürfen, selbst ich durfte nich mal vom Hof Bilder machen, wurde extra vom Prediger darauf angesprochen.


    Ich hoffe ich konnte ein wenig Klarheit hineinbringen, es gibt eine sehr große Streuung bei der Auslegung der Reiligion und der Ordnung, die Gemeinden konnten nicht unterschiedlicher sein und seit Michael Holzack hat sich nach meinen Erfahrungen nicht all zu viel getan, natürlich die landwirtschaftliche Technik außen vor...


    Kelly Hofer hat die Gemeinde mitlerweile verlassen, betreibt aber das Fotografieren in seiner neuen "Heimat" Calgary weiter, die Modelle und Objekte sind aber natürlich nun andere.


    Green Acres ist sehr wohl eine sehr schöne Gemeinde, die Häuser sind um Kirche und Küche (ein Gebäude) im Kreis angeordnet, in der Mitte eine große Spielwiese für die Kinder. Also sehr einladend für einen Besuch, die Leute sind auch alles sehr nett :)



    Mehr Details möchte ich hier über das Forum nicht weitergeben, wer weitere Frage hat, darf sie hier gerne stellen, werde abwägen ob ich sie hier oder über privater Nachricht beantworten kann/werde.


    liebe Grüße

    Der hutterische Kartoffelanbau, lieber Markus, ist ein gutes Beispiel für die Vermarktung.


    Du strebst doch Autarkie an. Die Autarkie bei Kartoffeln dürfte in unseren Breiten bei ca. 250kg/Jahr pro Person liegen, wenn ich von meiner Familie ausgehen, in Nordamerika wohl noch weniger. Soviel würde in einer hutterische Kolonie in einer Stunde geerntet sein. Was haben sie mit ihrem gigantischen Kartoffel-Überschuss gemacht? Vertragsanbau für Lebensmittelkonzerne? Oder selbst zu Pommes Frittes veredelt? Und wie sieht die Fruchtfolge aus? Was bauen sie im kommenden Jahr an, wenn sie Nematoden vermeiden möchten?



    Ok, dann habe ich es doch richtig verstanden, ich dachte du meinst das eventuell bezogen auf das gemeinschaftliche oder geistliche Leben.


    Wie schon erwähnt, ist diese Gemeinde eine sehr liberale Dariusgemeinde, selbst konservative Dariusgemeinden würden zu diesen Gemeinden nicht fahren. Die Gemeinde ist nicht mehr sehr breit aufgestellt. Vieles wird in der Stadt oder bei anderen Gemeinden gekauft. Es ist auch eine der wenigen Gemeinden, in der Internet erlaubt ist. Die Gemeinde ist einer der größten Kartoffelproduzenten der Region und liefert diese direkt an ein weiterverarbeitendes Unternehmen.
    Man muss dazu sagen, das Hutterer in einer "Gemeindegeneration" von 25-30 Jahren einen Gewinn von mehreren zehn Millionen Euro erwirtschaften müssen damit sie einen neuen Hof errichten können. Deshalb produziert jede Gemeinde im Überschuss. Je nachdem, verkaufen sie Schlachttiere, Getreide oder aber auch handwerkliche Dinge weiter um einen neue Gemeinde bauen zu können. Das ist von vielen nicht gewollt aber ohne dieser Art des wirschaftens wären aus drei Höfen 1874 nicht 500 geworden.


    Fruchtfolge wird natürlich beachtet und je nach Region wird oft über Jahre gar nichts angesäßt.



    @ Keturah : es gibt ein schönes Buch von Micheal Holzach, Das vergessene Volk. Sehr interesant zu lesen über die Hutterer.



    Das beste mir bekannte Buch ist von Rod Janzen und Max Stanton von 2008, "The Hutterites in North America", da es wissenschaftlich aber trotzdem gut zu lesen ist. Es ist über Amazon zu erwerben, auch wenn es nur auf Englisch ist. Ich konnte es gut verstehen, auch wenn mein Englisch nicht das beste ist. Ich hatte das Glück Max Stanton (Anthropologe) zu treffen und mit ihm ein paar Gemeinden zu besuchen, ich konnte viel von ihm lernen ich konnte ihm aber auch einiges über die Sprache berichten, da ich außschließlich Deutsch oder Hutterisch gesprochen habe, er jedoch, obwohl er Deutsch kann, Englisch.
    Dann gibt es noch "Die Hutterer" von Rolf Wilhelm Brednich was ich von Schreibweiße und Menge dem des von Michel Hulzack (so nennen die Hutterer ihn) gleicht. Jedoch ist es ein wenig wissenschaftlicher geschrieben da der Autor Volkskundler ist und im Jahre 1980 ebenfalls ein Jahr in SK, Kanada bei den Dariusleut gelebt hat.
    Übrigens, ich war auch längere Zeit in der Gemeinde von Michel Hulzack, einer der strengsten überhaupt und es hat sich beinah gar nichts verändert :) Jedoch hat er "Abbitten" müssen da er ohne Erlaubnis das Buch veröffentlicht hat...




    http://www.mennonitischer-geschichtsverein.de/index.html
    Das meinte ich, auch wenn es hauptsächlich um Mennoniten geht. Der "Betreiber" ist Gary Waltner. Am Namen kann man erkennen das seine Vorfahren Hutterer gewesen sein könnten, was auch der Fall ist.

    gisela : dankeschön! Vielleicht kann ich es bei meinem Master mit einbringen, bei dem ich auf jeden Fall mehr in Richtung Kulturwissenschaften gehen möchte. Diesbezüglich habe ich auch gleich eine Frage. Welche Institutionen beschäftigen sich denn mit der Erforschung der Wiedertäufer? Ich kenne einen Verein mit Museum in der Pfalz glaube ich war das.


    Was meinst du denn genau mit "Vermarktungslinie"? :)


    Ich lass jetzt mal ein paar Gedanken raus so wie sie gerade kommen, deshalb Entschuldigung für die holprige und schlechte Schreibweiße und -Fehler.


    Keturah : Ja sie verbringen beinah ihre gesamte Zeit dort, was sollen sie auch anderes tun? Es ist ein Dorf oft duzende von Kilometern von der nächsten Stadt entfernt. Die Stadt wird auch nur bei Arztbesuchen und geschäftlichen Tätigkeiten angefahren. Meistens wollen die Hutterer nicht mal sonntags in eine andere Gemeinde fahren um zu "spazieren" (sich zu unterhalten). Die meisten sind froh, wenn sie nicht vom Hof müssen...
    Das der Stellenwert der Familie unter der der Gemeinde ist, stimmt. Für uns wäre das sicherlich oft schwer als "Zugezogener", für sie aber ist es das normalste der Welt, da sie es eben nicht anders kennen. So kennen sie beinah keinen Höflichkeitsformen wie Bitte, Gesundheit, etc untereinander weil sie sich als große Familie sehen und keinen Unterschied zwischen leiblichen oder geistlichen Bruder sehen (so haben sie mir das erklärt).


    Die Wohnungen werden nicht abgeschlossen und Klingen gibt es auch nicht. Nach dem Abendessen bleiben die Familien nur selten unter sich, was auch sehr von Gemeinde zu Gemeinde bzw. wie konservativ/liberal diese ist, ist. Ich konnte nicht feststellen das es störend für sie war, Besuche zu haben, ganz im Gegenteil. In konservativen Gemeinden gibt es nichts anderes als ihre Freizeit mit "spazieren" zu verbringen. Jedoch gibt es Gemeinden in denen ich eine Woche lang war, und kein anderes Haus betreten habe außer das des Predigers. Dort hängt aber auch oft der "Gemeinschaftssegen" schief... Die Hutterer sind eben sehr heterogen, sogar innerhalb der verschiedenen Leut gibt es rießen Unterschiede, manche Gemeinden würde ich behaupten, sind strenger als die meisten Old Order Amisch.
    Allgemein kann man sagen, dass das Familienleben sich auf das morgendlichen und abendlichen Gebet und Liedersingen beschränkt, jedoch wird in manchen Gemeinden wird das Abendessen Sonntags in den Häusern gehalten.


    Ein Beispiel, wie selbstverständlich für sie das ist: In einer der reichsten und größten Gemeinden war ich bei der Kartoffelernte dabei. Diese dauert 6 Wochen und es kamen aus anderen Gemeinden junge Menschen um zu helfen. Beginn ist mit dem gemeinschaftlichen Frühstück um 5, dann wird aufs Feld gefahren bis man um 8-10 wieder auf dem Hof ankommt. Das geht von montags bis einschließlich samstag. Nach dem Abendessen war ich natürlich reif fürs Bett. Die jungen Leute aber warteten noch bis der letzte wieder auf dem Hof war und gegessen hat und sind dann gemeinschaftlich um 23 Uhr in die Sporthalle (eigentlich nicht erlaubt, aber es war eine sehr liberale Gemeinde) gegangen um bis um 1 Uhr Volleyball zu spielen. Danach noch duschen und bis man dann abgeschalten hat, ist 2 Uhr. Um 5 geht das ganze dann von vorne los... Für mich sehr anstrengend, für die junge Leute ein Vergnügen, Gäste auf dem Hof zu haben :D Sonntag können die "Buem" meist auch nicht still sitzen und gehen in die Werkstatt um das Equipment instand zu halten...


    Ich hab deine Frage hoffentlich zufriedenstellend beantwortet, ansonsten frag einfach nochmal nach.


    Für weitere Fragen steh ich gern zur Verfügung :)

    Ich denke auch das es kein Neubau sein muss, vor allem weil alte Weiler/Güter schon ihren gewissen Charme mitbringen und diese zur Umsetzung eines solchen Projektes besser geeignet ist, da meist Land und Infrasturktur schon vorhanden ist. Ich denk auch nicht das man dafür 1000 ha benötigt ;) Ein bisschen Wald, Land für Getreide, den Gemüsegarten und vielleicht sogar Obstanbau sollten reichen.


    Und man muss sich ja nicht komplett abhängig von den anderen Bewohnern machen. Ich habe mir das so gedacht das jede Familie ganz normal für sich wirtschaftet, ob jetzt landwirtschaftlich oder durch selbstständiges Handwerk oder sogar Dienstleistungen.
    Jedoch bei gewissen Arbeiten, wie Schlachten, Lebennsmittelerzeugung, Ernten etc sich gegenseitig unter die Arme zu greifen um unabhängiger zu sein. Außerdem leistet jede Familie nacheinander ihren Dienst, wie backen, vielleicht sogar die Kleinkinder der Gemeinde versorgen und unterrichten, ein Schwein zum Schlachten "opfern" usw. Zusätzlich kann man mit den Nachbarn Gütertausch betreiben, je nachdem was man benötigt und was zu viel vorhanden ist, den Rest kann auf Märkten oder im eigenen Laden verkaufen.

    Servus Zusammen!


    Ich möchte Euch Amisch-Verrückten (im positiven Sinne ;) ) über eine etwas andere Idee berichten. Ich bin selber an das Amische Leben interessiert, aber auch, fast noch mehr, in das der Hutterer. Ich habe in zwei Aufenthalten 2011 und 2012 insgesamt 6 Monate in ca. zwei Dutzend Gemeinden mitgearbeitet, gegessen, gebetet und geschlafen -so deffinieren sie selbst ihr Leben ;) Über 30 Gemeinden aller Gruppen habe ich besucht., von sehr liberal bis sehr konservativ.


    Der Unterschied zum Leben der Amischen sollte bekannt sein, hier ein paar wichtige Punkte...
    - Gottesdienst gibt es jeden Tag
    - Auf der Arbeit ist man der modernen Technik nicht abgeneigt, bis zu 20.000 ha Land
    - gütergemeinschaftliches Leben von bis zu 150 Menschen in dem sogar zusammen gegessen wird
    - es gibt keine Bezahlung der Arbeiter


    Nachdem das Leben dort sehr befreient für mich war und ich ein hohes Allgemeinwohl auch bei schwerer Arbeit hatte, habe ich überlegt wie eine abgeschwächte Version hier in Mitteleuropa aussehen könnte. Es ist natürlich nur mit sehr viel Glück in die Realität umzusetzen, aber ich will´s euch mal nicht vorenhalten ;)


    In einer ländlichen Gegend von ein paar wenigen Hektarn kleien Höfe aufkaufen/bauen. Dort gemeinschaftliche Gebäude wie Backstube, Schlachthaus/Käserei aber auch (falls gewollt) Waschhaus, Gebetshaus, Brenn/Brauhaus, Kindergarten/Schule aufbauen- die Hutterer haben Mulitfunktionsgebäude wo mehrere dieser gemeinschaftlichen Arbeiten erledigt werden können. Diese könnten aber auch in nicht genutzte Gebäuden auf einem Hof oder in zentraler Lage zu allen Höfen aufgebaut werden.



    Geschlachtet und verwurstet wird je nach Bedarf in zeitlichen Intervallen von jeder Familie ein Schwein, Rind, ein paar Hühner, etc wo alle entbehrbaren Arbeitskräfte helfen. Entlohnt für Fleisch und Wurst muss nicht da jede Familie irgendwann ein Tier "opfert".
    Gebacken wird für alle täglich/ alle zwei, drei Tage von Einwohner die sich abwechseln.
    Für den Kindergarten/Kinderobhut ist dann zum Beispiel jede Woche eine andere Mutter zuständig.
    usw.


    Somit könnte sich eine Familie zwei Kühe halten die dann ihre Milch/Käse mit anderen Familien tauscht, die sich zum Beispiel auf Honig/Gemüse/Eier "spezialisiert" hat...


    Überschüssige Produkte können auf dem Markt oder in einem "Dorf/Gemeinschaftsladen" verkauft werden.


    Gewirtschaftet wird natürlich ganz normal in die eigene Tasche/der der Familie, aber zur Herstellung gewisser Güter die Zusammenarbeit sicherlich sinnvoll und macht ernährungstechnisch weitestgehend unabhängig.


    Das Problem wird in einem hutterischen Zitat deutlich: "Gemeinschaft wär nicht schwer, wenn der eig´ne Will´n nicht wär! ;)


    Die Idee müsste ja nicht so ausgereift sein, es könnten sich auch einfach drei, vier Familien zusammentun (auch im Dorf) und halten sich zusammen ein/zwei Schwein/e, eine Milchkuh, zehn Hühner, Bienenstöcke etc. Dazu noch ein Back- und Schlachthaus und Käserei (ein Raum im Keller z.B.) in der alle paar Tage/Wochen eben Produkte zusammen hergestellt werden.


    Wie es dann mit dem Einsatz von Maschinen/Tier für die Feldarbeit aussieht, ist eine andere Frage :P


    Wie findet Ihr die Idee?


    Wenn jemand so etwas aufbaut oder es möchte, bitte mir bescheid geben ;)



    mfG


    PS: Wenn mir jemand mehr Infos zur amische Lebensmittelprodukten geben kann, bitte hier antworten:
    Amische Produkte

    Grüß Gott und ein gutes neues Jahr noch zusammen!


    Ich habe glücklicherweise die Möglichkeit bekommen 6 Monate in mehreren Gemeinden der Hutterer leben zu dürfen. Da ich Lebensmittelmanagement studiere hat mich der autarke Lebensstil sehr interessiert, was aber eigentlich für mich nur nebensächlich war. Vielmehr hat mich das gemeinschaftliche Leben, das durch Medien noch nicht so sehr verblendete Weltbild aber vor allem die Sprache interessiert.
    Wenn jemand zu den Hutterern etwas wissen will, dann darf er mich gerne fragen!



    Kontakt hatte ich mit Amischen bzw. Alt-Mennoniten in Kitchener/Waterloo, nördlich von Portage La Prairie in Manitoba und Montana.


    Zum Thema:
    Welche Produkte stellen die Amsichen alles so her. Ich meine jetzt nicht unbedingt für den Eigengebrauch (auch nicht unbedingt Lebensmittel) sondern in größeren Mengen zum Verkauf. Ich weiß persönlich von Ahornsirup und Tabak, auch Decken habe ich gesehen. Die Hutterer machen auch diese Decken. Es wäre schön wenn mir jemand Preise geben könnten, was so eine Decke ungefähr kostet damit ich das mit den Hutterern vergleichen kann...


    Über eine ausführliche Antwort wäre ich sehr dankbar


    mit freundlichen Grüßen