Beiträge von Fasel

    Solche Geschichten habe ich schon so oft gehört, dass ich die Wortwahl in- und auswendig kenne. Das Problem liegt darin, dass sich die Leute in fundamentalistischen Gemeinden, in ihrem Handeln und Denken soweit von Jesu entfernten, dass da kein Platz mehr für die Nachfolge ist. Diese Abgrenzung, je fundamentalischer eine Gemeinde je schlimmer, ist Zeugnis, dass man sich von Gott abgewandt hat. Sie verharren in Gesetzlichkeiten, haben nicht vor Augen, dass Jesus die Juden von eben solchen Gesetzlichkeiten befreit hat. Wer das Neue Testament liest, erfährt, es geht um Öffnung und nicht um Rückzug. Es geht um Inklusion, nicht um Ab- und Ausgrenzung. Es geht um Heilung, nicht um Kränkung.

    Wenn Du schreibst „Dieses Buch ist nur in einigen Passagen für Laien geschrieben und nicht gerade leichtverdauliche Lektüre“, ist das für mich zugegeben ein Rätzel, zumal das Buch in normaler, leichtverständlicher, nicht-theologischer Sprache geschrieben ist.

    Ich bin zuversichtlich, auch Du wirst irgendwann hinter das Geheimnis Christi kommen und es fassen können. Bevor das geschieht, musst Du Dein gegenwärtiges Schriftverständnis ändern, so dass es der Nachfolge Jesus Christi nicht mehr im Wege steht.


    Nimmt mich wunder ob das erneute Lesen des Buches, mehr Verständnis bringt. Erzähle uns bitte davon, wenn es gelesen ist.

    Die Ausweisung der Täufer im Jahr 1711 war ein vorläufiger Höhepunkt, im Streben Bern „täuferfrei“ zu machen. Noch zwei Jahre zuvor beschloß der Bernische Große Rat, dieses Unkraut vollkommen auszurotten. Der Wandel der Berner Regierung ist auf diplomatisches Geschick der niederländischen Regierung zurückzuführen, die wiederum der Bitte niederländischen Mennoniten nachkam.


    Am 13. Juli 1711 schifften die zur Auswanderung gedrängten in Neuenburg und Bern ein. Am 2. August legten vier Bote mit 346 Geflüchteten, die den Rhein hinunter fuhren, in Muiden/Niederlanden an.


    Im Jahr 2011 zum 300. Jahrestag des großen Täufer-Exodus aus dem Kanton Bern, gab es einige Veranstaltungen mit großen Reden. In einem Flugblatt das damals zu einer Veranstaltung auf dem Bienenberg, der Bienenberg ist ein Ausbildungs- und Tagungszentrum mennonitischer und täuferischer Gemeinden in Europa, einlud, ist zu lesen:


    Anlaß und Ziel.
    In der Migrationsforschung des frühneuzeitlichen Europa stellt die Geschichte täuferisch-mennonitischer Auswanderungen, Ausschaffungen und Fluchtbewegungen einen wichtigen Akzent dar. Allein aus der schweizerischen Eidgenossenschaft sind vom 16. bis ins 19. Jahrhundert viele dieser religiösen Nonkonformisten weggezogen oder deportiert worden. Zwei Einzelereignisse sind es, die im Rahmen der Geschichte des Täufertums in der Schweiz aus dem jahrzehntelang anhaltenden Strom größerer oder kleinerer wegziehender Personengruppen herausragen und die sich in diesen Wochen und Monaten zum 300. Mal jähren:


    Im März 1710 erfolgte die mißglückte Deportation von über 50 bernischen Täufern und Täuferinnen, welche nach Übersee verfrachtet werden sollten, aber spätestens nach dem Überqueren der niederländischen Grenze auf freien Fuß gestellt worden sind.
    Im Juli 1711 verließen auf einen Schlag über 300 wiederum vorwiegend bernische Täufer und Täuferinnen auf einem Konvoi von Schiffen ihre Heimat richtung Niederlande, nachdem immer deutlicher wurde, daß die Obrigkeit definitiv nicht gewillt war, sie auf eigenem Territorium zu dulden.

    Diese beiden Ereignisse bieten Anlaß zu vielfältigen Untersuchungen. Zum einen sind wir nach wie vor weit entfernt davon, die bloße Ereignisgeschichte detailliert aufgearbeitet zu haben. Zum andern spielten sich diese dramatischen Vorgänge in einer sowohl politischgesellschaftlich als auch kirchlich-religiös turbulenten Phase der europäischen Geschichte ab, wo Gestalt und Ausmaß der Wechselbeziehungen noch wenig erforscht sind: Zunehmend expansive Interessen Frankreichs sorgten um 1700 europaweit für Unruhe.
    Parallel dazu nahmen die Spannungen sowohl zwischen als auch innerhalb der Konfessionen markant zu. Erwähnt seien etwa die Auseinandersetzungen mit dem neu entstandenen Pietismus oder die auf einer innertäuferischen Spaltung basierenden Anfänge der Amischen.

    Manche der durch die Täufergeschichte des frühen 18. Jahrhunderts aufgeworfenen Fragen sind von bleibender Aktualität und rufen nach einer Stellungnahme: Wenn eine Gruppe von Personen sich zunehmend an den Rand der Gesellschaft gedrängt sieht, so stellt sich regelmäßig die Frage nach dem Gehen oder Bleiben, nach Anpassung oder Widerstand, nach Integration oder Separation. Was ist dazu aus heutiger Optik zu sagen? Oder umgekehrt: Welches sind seitens von Mehrheiten möglichst hilfreiche Wege, um mit bestehenden oder sich bildenden Minderheiten respektvoll umzugehen, so daß das Wohl aller im Auge behalten wird? Ferner stellt sich die grundsätzliche Frage nach Gegenwartsbezug und Stellenwert von Erinnern und Erzählen, von Vergeben und Vergessen im Kontext spannungsvoller und schmerzhafter Ereignisse, wie es Deportation und Exodus von 1710 und 1711 sind. Hier gilt es, die Impulse aufzugreifen, welche in den letzten Jahren u. a. durch bilaterale kirchliche Dialoge formuliert worden sind, z. B. beim katholisch-mennonitischen und lutherisch-mennonitischen Dialog auf Weltebene, beim reformiert-mennonitischen auf schweizerischer Ebene.


    Amnesty Plakat

    Hallo Fasel,

    als ich deine Zitate und Textstellen gelesen habe, hat es mich geschüttelt.

    Das ist aus heutiger Sicht, männliche Arroganz und Hochmut in Perfektion ( oder eher Perversion?).

    Das ist in meinen Augen Menschen verachtend!


    Diese Gedanken haben für mich nichts mit der Gemeinschaft in Christi gemein


    Wieso aber verteidigst Du diese „Gedanken“ gleichzeitig in der Verweigerung dem, was das Wort uns sagt? Die Bibel beim Wort nehmen bedeutet eben nicht, sie scheuklappentragend wortwörtlich nehmen, sondern auf das zu hören, was aus Johannes 1,1-8 so schön hervorgeht.


    Wenn Du dich mit „aller höchster Achtung, über dieses Thema äußern“ willst, bleibt Dir nichts als zu respektieren, daß eine uneingeschränkte Gleichwürdigkeit aller Menschen Gottes Wille ist. Das zeichnet doch den Neuen Bund aus. Schon am Anfang der Bibel ist zu lesen: Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau (1. Mose 27).


    Eine Gemeinde, in der die Frau dem Mann untergeordnet ist, in der eine Frau Ämter und Dienste nicht ausüben darf nur weil sie eine Frau ist, unterscheidet sich nicht von „der Welt“, kann nie Licht des Evangeliums sein.


    Zu wem ist hier gesagt: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben*, um sie zu heiligen.“? Ganz gewiß nicht zu denen die schon in Christus sind und Frauen Gleichwürdig behandeln, denn diese tun es ja schon, sondern zu denen die es noch nicht begriffen haben. Grundsatz ist: „Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.“ (Epheser 5,1).


    *Mehr noch, als sein Leben zu geben wie Jesus Christi, kann man sich kaum unterordnen.

    Und die Frau den Mann untertan sein soll?


    Es geht Tobi_93 offensichtlich um Epheser 5,21-33 — ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.


    Die Herausforderung besteht darin, zu verstehen, was der Verfasser von Epheser 5,21-33 in seiner Zeit sagen wollte, um dann die gewonnene Erkenntnis auf unsere heutige Lebenswelt anzuwenden.

    Paulus schreibt in einer Zeit in der der Mann der Frau als überlegen galt, die Männer sich dementsprechend benahmen. Sie sahen in Frauen geringwertigere Wesen, sprachen ihnen die Würde als Mensch ab. Das zieht sich im manchen Kreisen leider bis in unsere Zeit durch.


    Aus dem orthodoxen jüdischen Gebetsbuch Sidur beten heute noch manche jüdischen Männer: „Gott sei Dank bin ich nicht als Frau geboren.“


    „Die Frau ist ein Mißgriff der Natur ... körperlich und geistig minderwertiger ... eine Art verstümmelter, verfehlter, misslungener Mann ... die volle Verwirklichung der menschlichen Art ist nur der Mann.“ Thomas von Aquin.


    „Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“ Martin Luther.



    Solchen diskriminierenden Vorstellungen über die Frau tritt der Apostel Paulus entschieden entgegen. Paulus erklärt dies im Epheser, indem er den Wert der Frau mit dem Wert der Gemeinde, dem Leib Christi, gleichsetzt.

    Auch hier geht es um Gewaltfreiheit. Gottes Heil zeigt sich in der erneuerten Gemeinschaft, die sich durch Dienen statt Herrschen auszeichnet. Das Evangelium bringt das Ende aller Überlegenheitsvorstellungen, es will Gleichwertigkeit wiederherstellen. In Christi Leib gilt eine uneingeschränkte Gleichwürdigkeit aller Menschen. Uneingeschränkt ob wir von Männern oder Frauen (oder einem anderen Geschlecht) sprechen, uneingeschränkt vom sozialen Stand, von der ethnischen Herkunft oder der Generationenzugehörigkeit.




    (Im Epheserbrief wird zwar der Apostels Paulus als Autor genannt, aber er stammt möglicherweise nicht von ihm. Das sollte man auf dem Bildschirm haben, wenn wir uns mit ihm befassen.)

    Wenn wir jetzt zurück zum Thema kommen, müssen wir uns zuerst die Frage nach der Gewaltfreiheit stellen. Das Abendmahl vom Ergebnis ob eine Entscheidungsfindung in der Gemeinde gelingt oder nicht abhängig zu machen, hat nichts mit Gewaltlosigkeit gemein. Denn es setzt ungeheuren Druck auf jene aus, die einen anderen Standpunkt vertreten. Es wird zu allem Übel auch noch mit Christi Leiden am Kreuz, zur Unterordnung argumentiert (Sühnetheologie). Mit dieser Argumentierung lässt sich jede Art von Unterdrückung rechtfertigen — aber keine Beziehung zu Gott aufbauen.


    Ich möchte etwas näher darauf eingehen. Mit Sühnetheologie ist hier die Satisfaktionslehre des Anselm von Canterbury (1033–1109) und darauf konstituierenden Modelle, Parallelen und Folgen gemeint. Es ist eine Lehre die das Leiden und Sterben Jesus am Kreuz, notwendig als Sühneopfer für die Erlösung sieht, um die durch den Menschen verletzte Ehre Gottes wiederherzustellen. Damit wird Gott eine solche Forderung angelastet. Aber auch, wie oben, von Menschen erzeugtes Leid und Unterdrückung, als von Gott geforderte Sühne gerechtfertigt.

    Wie aber kann ein Gott, der selbst Mittel der Gewalt zu „Rettung“ der Welt akzeptiert, sich im Leben Jesu offenbaren, das ganz auf den Weg der Gewaltfreiheit setzt? Aufbauend auf Gustaf Auléns Christus Victor Theorie, stellte sich der mennonitische Theologe J. Denny Weaver dieser Frage und entwickelte die Sicht der „narrative Christus-Victor-Theorie“. Sein aktuelles Buch, leider nicht in Deutsch erhältlich, nennt sich The nonviolent God, übersetzt Der gewaltfreie Gott, lohnt sich zu lesen.


    „Gott sandte Jesus nicht, um zu sterben, sondern um zu leben und die Herrschaft Gottes sichtbar und gegenwärtig zu machen.“ J. Denny Weaver, Seite 89, The Nonviolent Atonement.


    Nebenbei bemerkt: Ein Video in dem Weaver interviewt wird, findet sich auf Youtube

    Ich kann auf direkte Feldforschung zurückgreifen.


    Es ist keine Lösung Dogmen durch eine Ordnung zu ersetzt, wie es bei den Amischen der Fall ist.


    Die Amischen stellen weder ihre eigene noch die gesamte Geschichte infrage, sie hinterfragen sie nicht. Deswegen sind sie auch nicht bemüht das Evangelium und der Apostel Exempel neu zu verstehen und zu deuten. Sie begründen alles mit Tradition. Man tue es nach alter Väter Sitte. „Es esch der Brauch“, im Dialekt. Nicht, dass sie wichtige Daten der Geschichte nicht schon gehört haben, sie haben Märtyrerspiegel und andere Bücher zur Hand. Sie wissen von der ersten Erwachsenentaufe 1525 in Zürich, aber sie haben das Anliegen der damaligen Täuferinnen und Täufer nicht (mehr) vor Augen. Sie Wissen, dass ein Jakob Amman für die Abspaltung der Amischen steht, aber sie wissen kaum etwas über die Hintergründe und Auswirkungen. Es gibt unter den Amischen bis heute keine nennenswerte Erneuerungsbewegung, also kein sich zurückbesinnen auf die Bibel und lernen aus der Geschichte, deswegen fehlt ihnen der Ausgangspunkt für eine Theologie der Gegenwart. Sie verharren in Gepflogenheiten.


    Wenn wir jetzt zurück zum Thema kommen, müssen wir uns zuerst die Frage nach der Gewaltfreiheit stellen. Das Abendmahl vom Ergebnis ob eine Entscheidungsfindung in der Gemeinde gelingt oder nicht abhängig zu machen, hat nichts mit Gewaltlosigkeit gemein. Denn es setzt ungeheuren Druck auf jene aus, die einen anderen Standpunkt vertreten. Es wird zu allem Übel auch noch mit Christi Leiden am Kreuz, zur Unterordnung argumentiert (Sühnetheologie). Mit dieser Argumentierung lässt sich jede Art von Unterdrückung rechtfertigen — aber keine Beziehung zu Gott aufbauen.

    So wie die Amischen es handhaben. Indem das Abendmahl wegen Nichtigkeiten verweigert wird, wird massiven Druck auf Personen ausgeübt die in der Nachfolge Jesus Christi stehen. Mit diesem Instrument wird das Gewissen einzelner verletz. Diese Praxis hindert die Gemeinde letztlich an der Fähigkeit der moralisch-ethischen Entscheidungsfindung in der Bibelauslegung.


    Manche amische Gemeinden feiern wegen Nichtigkeiten über Jahre hinweg kein Abendmahl, man kann sich als außenstehenden nur schwer vorstellen, welch extremer gesellschaftlichen Zwang hier ausgeübt wird um Interessen durchzuboxen.


    Mit anderen Worten: Es wird das Gegenteil geübt, von dem Jesus Christus uns grundlegend befreien will.

    Freue mich schon darauf zu erfahren, wie Du die Sache nach dem lesen des Buches siehst.




    Ich möchte, weil es gerade passt, zum darüber Nachdenken, Yoder aus seinem Buch „For the Nations: Essays Evangelical and Public“, Seite 209, zitieren: „Our life is to proclaim, not to produce, the new world.“

    Wir sprechen hier von der „Regel Christi“ Georg a. W. , also vom Binden und Lösen (Matthäus 18,15-20). Als Lesestoff empfehle ich das Buch „Die Politik des Leibes Christi“ von John Howard Yoder, da wird auf den Seiten 27-45 darauf eingegangen.


    Paulus schreibt dazu: Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid. Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Gal. 6,1-2


    Yoder weist darauf hin, man müsse die Praxis des „Binden und Lösens“ vor dem jüdischen-rabbinischen Hintergrund begreifen. „Binden“ bedeutet, eine bestimmte ethische Sicht als verbindlich zu erklären. „Lösen“ dagegen meint, von einer Verbindlichkeit freizusprechen. Es hat nichts mit „Dämonenaustreibung“ zu tun, wie es oft im pfingstlich-charismatischen Milieus angenommen wird. Es geht um ein gemeinschaftliches Konfliktlösungsverfahren. Es geht um dialogische Versöhnungsarbeit und um das Gespür für eine ethische Urteilsfindung. Statt sich vor weltlichen Gerichten zu verklagen, soll eine christliche Gemeinschaft lernen, im direkten Gespräch Unstimmigkeiten beizulegen. Zunächst unter vier Augen, dann mit erfahrener Unterstützung und zum Schluss im Rahmen einer Gesamtversammlung. Ziel ist die Wiederherstellung von Beziehungen, nicht Strafe oder öffentliche Bloßstellung.

    Yoder betont, dass ein solcher Klärungsprozess nicht anhand starrer Maßstäbe stattfindet. Richtig ist, dass gewisse Werte hochgehalten werden, wie: Wahrhaftig sein, Versprechen einhalten, das Wohl des anderen in den Blick nehmen oder auf die Leitung des Geistes vertrauen. Einzelne Konfliktfälle aber sind so tausendfach unterschiedlich, je nach Zeit, Person oder Situation, dass man nicht mit Regelkatalogen arbeiten kann. Vielmehr geht es darum, beziehungssensibel zu werden und Differenzen achtsam zu klären. Das kann auch dazu führen, dass eine Gemeinschaft an manchen Stellen grundlegend umdenkt und sich als Ganzes neu positioniert.
    (Ich kann der Urheber dieser Zusammenfassung nicht mehr finden.)


    Leider wird die Regel Christi bei den Amischen oft missbraucht um eigene Gesetzlichkeiten oder Machtpositionen einzelner, durchzusetzen. So dass das Ideal einer Gemeinschaft von Gleichen in den Hintergrund getreten ist. Beispiel: Leute werden gemieden, weil sie einen Knopf zuviel am Hemd tragen, usw. Ein solches Verhalten führt nicht zur Vielfalt in Einheit, nicht zu einer Weiterentwicklung in der Nachfolge Jesu Christi, sondern zu Spalterei und Leid. Das führt soweit, dass verboten wird ans Sterbebett oder Begräbnis der eigen Eltern oder Geschwister zu gehen. Das hat nichts mit Erlösung zu tun, da ist nur noch Kälte.

    Wieso nicht die Frage, was wir von Jesus Christus lernen können?

    • Soziale, gesellschaftliche und kulturelle Barrieren überwinden,
    • inspiriert von Jesus, sich für alle öffnen,
    • die Nöte anderer erkennen und überwinden helfen,
    • sich der Realität nicht verweigern,
    • usw. ...


    Eine Frage am Rande, Konrad hat Dir vor drei Jahren ein Buch nahegelegt, hast Du dieses Buch in der Zwischenzeit gelesen, es würde viele Deiner Fragen beantworten die Du stellst.

    Die Diskussion bewegte sich in eine Richtung die mit dem ursprünglichen Thema, der Buchvorstellung, nichts mehr zu tun hat. Ich erlaube mir dennoch eine Bemerkung. Endzeits-Entgleisungen findet man auch in der frühen Geschichte der Wiedertäufer, es gab diese Strömung(en), die mit dem Täuferreich von Münster, 1535 – 1536, ihren Höhepunkt und Ende fand. Das war noch vor der Zeit Menno Simons, noch vor der Abspaltung der Amischen. Die Ereignisse von Münster führten innerhalb der unterschiedlichen täuferischen Strömungen zu einer breiten Diskussion. Das Geschehene wurde grundlegend reflektiert, die Lehre daraus ist die konsequente-friedensehtische Position der Täufer — wie sie sich schon in den Schleitheimer Artikel von 1527, der Schweizer Brüder erkennen lässt.


    Die Gemeinde Christi ist diesseits orientiert! Deswegen passt der Buchtitel „Gottes letzte Inseln“ durchaus „auch“ auf die Amischen zu. Dies bei all dem Nachholbedarf und Fehlern der Amischen, der fehlverstandenen Bann- und Meidungshandhabung (Missbrauch) und den daraus resultierenden Folgen. Denn, wenn man sieht wie die Amischen miteinander und dem Nächsten gegenüber umgehen, spürt man, wie ihnen der Himmel greifbar nahe ist.

    Sich „nicht“ der Welt anpassen, bedeutet doch in erster Linie, dass sich unsere Vorstellung von Gerechtigkeit vollkommen von der „der Welt“ unterscheiden soll! Wenn unsere Gerechtigkeit nicht vollkommen anders und besser ist, als die der Schriftgelehrten und Pharisäern, werden wir nie verstehen was Gott für eine Macht in uns hat. „Könnt ihr nicht ins Himmelreich eingehen“, wörtlich übersetzt.


    Von dieser göttlichen Gerechtigkeit legten Amische nach dem Massaker an der Nickel Mines Schule, öffentliches Zeugnis ab. Es ist eine heilende Gerechtigkeit, eine die nicht bestraft. Aber diese Gerechtigkeit ist vollkommen unabhängig vom Lebensstil der Amischen.



    Mir fällt dazu immer der diametrale Unterschied zwischen Johannes dem Täufer und Jesus Christus auf. Johannes predigte die Welt, Jesus aber das diesseitige Himmelreich.

    Ja


    Tatsächlich haben Gemeinden unterschiedliche Schwerpunkte, eine in Eritrea hat andere Nöte als eine im Burgenland oder eine in China. Traue keiner Gemeinde in der die Stimmen von Frauen und Männern nicht gleichermaßen gehört und respektiert werden. Die Gemeinde Jesu zeichnet sich durch ein gewaltfreies Leben und Handeln aus. Unter Berufung auf die Botschaft Jesu Christi und als deutliches Zeugnis des Glaubens setzt sie sich unter der Herrschaft des Friedefürsten Jesus Christus für Frieden in allen Belangen des persönlichen, kirchlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Lebens ein.