Posts by de Plattdütsche

    Hallo,
    also gemeinhin ist es so, dass viele Bauern selbst Schusswaffen besitzen, amische, oder mennonitische, die sie zur Jagd benutzen. Dabei können sie auf dem eigenen Grund jagen, es gibt hier ein freies Recht, oder gehen eben auf "hunting trips"...


    Das ist nichts Ungewöhnliches in den USA, die Bundesdeutschen verwirrt es, aber Amerikaner haben dazu grundsätzlich, wohl schon durch ihre Siedlergeschichte bedingt, anderes Verhältnis...
    Ich mag da mal ein Gespräch zitieren mit einer Amerikanerin, der ich sagte, wie ich es ansähe, dass man Waffen dort so frei bekäme. Ihr Argument war, dass sie einmal des Nachts in ihrem Hause überfallen worden sei und sich dann eine Waffe geholt habe, dieses wolle sie nie wieder erleben, nie wieder wehrlos sein...Ein Argument, das Hand und Fuß hat, aber natürlich auch impliziert, dass man dann vielleicht doch mal leichter zuschießt, wenn sich ein Friedlicher im Dunkeln einem Hause nähert, weil man vermeintlich Angst hat...und dieses ist in Amerika möglich, da es Schilder gibt "No Trespassing", der Privatgrund teilweise wie ein zu verteidigende Festung gilt und die Fälle des Schusswaffengebrauches in der Nacht nicht allzuwenig sind.


    Amische Häuser haben hingegen meistens sogar ein Hintertür auf, die Vordertür ist zu, die Schusswaffen liegen nicht unbedingt offen herum oder an der Wand und dienen eben der Jagd.

    Hallo,
    ich muss hier mal wieder einige Worte deutlich machen:
    Zu Giselas Satz:
    "Ab jetzt wirst Du auf viele Leute treffen, die Deine Pennsylvania-Begeisterung einfach nicht verstehen können."


    Leute, seht es doch mal nicht aus der Perspektive des Hochlobens und einem Bauen einer Traumwelt. Die Amischen leben nach außen hin idyllisch, weil ihr kurze Zeit sie seht und nur kurze Zeit dabei seid, aber ihr System hat genauso viele Knackpunkte und Diskrepanzen, die man einfach mal annehmen muss und sehen wollen sollte...


    Es scheint hier im Forum immer wieder der Grundgedanke durchzukommen, dass die Amischen eine Idealgesellschaft darstellen oder zumindest der "guten alten Zeit" entsprechen, dem ist aber nicht so...
    Es gab und wird sie niemals geben: eine bessere Zeit.. Jede Zeit hat ihre schwarzen Seiten...


    Wer z.B. bei den Amischen gegen die Regeln verstößt, wird letztlich ausgeschlossen oder esgeschehen Spaltungen, all dies greift in Familienverhältnisse ein, erzeugt Spannungen im Menschen und untereinander...Seht es einmal kritisch, ob ihr Euer Kind meiden würdet, wenn es als Erwachsener in eurer Kirche plötzlich sich ans öffentliche Stromnetz anschließt...oder ob Eure Gruppe wichtiger ist...Und dabei wird diese Meidung biblisch begründet, sie findet sich aber nicht als biblisch zu untermauernder Moralübertritt..
    Dann dürft ihr als Eltern nicht mit dem Kind am selben Tisch essen, nicht Handelsvereinbarungen schließen, sollt es sozial meiden, also nicht so oft besuchen...tja, wie steht es jetzt mit dem Demokratieverständnis, der freien Entfaltung eines Menschen...


    Jetzt könnte man wieder sagen, sie treten freiwillig bei...Wenn aber meine Sozialgruppe sich schon abschottet und ein System der inneren Wärme schafft, in der ich aufwachse, wie schwer ist es dann, wirklich sich frei zu entscheiden, wenn außen die Welt ideologisch als schlecht und sündhaft angesehen wird, im Kopfe dieses drin steckt, wenn man außen nicht auffangende Freunde hat, wenn die Gefahr besteht, die alten Freunde innerhalb der Gruppe zu verlieren...


    Eine kritische Sicht zu den Amischen schafft Realitätsnähe, sie aber nicht anzunehmen, kennzeichnet das Verbleiben-Wollen im Traumland, dass es woanders eine bessere Welt und Lebensweise gibt...Und dabei meine ich nicht, dass man nichts annehmen könnte von den Amischen, man muss aber die Kehrseite sehen...

    Hallo,


    30 % der Amerikaner seien Amische- das würde bedeuten an dei 100 Millionen. Die momentanen Zahlen sind um die 225 000 herum (mitsamt Kindern), wobei man vielleicht wegen der Erwachsenentaufe auf unter die Hälfte heruntergehen muss, wenn man nur Getaufte zählt.
    Aber: Es gibt Countys, in den Amische über 30 % der Bevölkerung in Townships ausmachen, so in Holmes County in einigen Townships, wo sie über 70 % der Bevölkerung stellen, in Lancaster County gibt es südliche Bereiche, in denen sie auch stark vertreten sind oder einige Täler, die nur amische Nachbarschaft haben(so im Big Valley, Pennsylvania).
    Doch insgesamt sind sie eine marginale Minderheit unter den fast 300 Millionen Amerikanern.
    Vielleicht scheint ihr Anteil höher zu wirken, weil sie markant auffallen und Menschen dann ein zeitweiliges Gruppenauftreten als gesamtgesellschaftliches Phänomen sehen, doch insgesamt ist dies ein fehlerhafter Eindruck. Sie stellen fast überall eine Minderheit dar.

    Das ist eine Beachy-Amish-Mission in Ponderonge(o.s.ä.). Bisher hat keiner geantwortet auf Briefe, ich denke, sie wurde aufgegeben.
    Eine altamische Gemeinde gibt es nicht in Europa und die Beachy Amish sind vielen Bereichen schon weit weg von amischer Theologie und Lebensweg erst recht.

    Liebe/r martie,


    du hast Recht. In vielerlei Hinsicht wird immer wieder betont in diesem Forum als quasi Urlauber einen Tag, eine Woche oder so weiter ein amisches Leben zu führen, besonders im Bezug auf technologieloses Leben.
    Nur, damit ist man nicht gleichzustellen mit einem Gläubigen, denn in der Bibel steht nichts drinnen, dass ein Fernseher schlecht ist.
    Letztlich muss ein Gläubiger immer entscheiden, wo er sich der Sünde hingibt und wo nicht, in diesem Sinne hat er letztlich einen freien Willen(so Pelagius gegen Augustinis im 4. Jhdt.). Für eine Sünde entscheiden wir uns oftmals doch beabsichtigt, nicht, weil wir nicht anders können. Im letzten Moment ist uns etwas egal, weil wir Nutzen oder Vergnügen daraus ziehen. Aber wir entscheiden noch immer, nicht fremdgesteuert, und damit verantwortlich!
    Ein Gläubiger braucht zudem immer die Versuchung der Sünde, sie wird bis an Ende der Tage da sein, damit er den "schmalen Weg" nehmen kann. Nur, wenn der Weg nur schmal wäre, dann müsste man niemals entscheiden und wieweit könnte man dann überhaupt sagen, dass sich bewusst gegen oder für die Sünde entschieden wurde?
    So ist es auch mit den technischen Apparaturen. Nicht sie sind sündig an sich, sondern sie bieten wie fast alles Möglichkeiten der Sünde teilhaftig zu werden oder nicht.
    Man kann bewusst in der Fernsehzeitschrift ankreuzen und bewusst fernsehen, abschalten, wenn etwas kommt, was z.B. für die Kinder schädlichen Einfluss hat. Das Angebot ist da, der Nutzer entscheidet. Den Fernseher abzuschalten befreit einem aber nicht von den Versuchung durch die Außenwelt, denn auch in einer Bücherei kann man in Ecken gehen und sich Sachen aus den Regalen holen, die fragwürdige Inhalte haben, im Internet kann man auch bewusst fündig werden oder wegklicken, man kann sich seine Gesellschaft suchen und auch schlechten Umgang meiden.
    Man muss also weiterhin immer entscheiden und kann nicht aus dieser Welt entfliehen, nicht durch ein computerloses Leben, nicht durch ein Leben, welche harte körperliche Arbeit bedarf usw.
    Der Gedanke, ein amischähnliches Leben zu führen, beinhaltet oft leider diese Tendenz, damit all das Böse hinter sich lassen zu können. Mann kann aber nicht aus dieser Welt fliehen, man nimmt vielleicht selbst als Person viel zu viel mit in eine andere Lebensführung, was unharmonisch wirkt.
    Z.B.wird ein Zanksüchtiger nicht unbedingt friedlich, wenn er dies oder jenes nicht mehr hat, dies ist eine innere Sache und Streit mit anderen Leuten zu bekommen, ist überall möglich. Z.B. wird ein im Glauben Zweifelnder nicht dadurch gläubiger, dass er sich bewusst Informationen nicht hingibt und sie nicht betrachtet, dies ist ein Trugschluss. Der Glaube muss sich Fragen stellen usw. ..
    Auch unser Heiland hat sich ja bewusst gegen die Sünde entscheiden müssen, denn der Teufel bot ihm alles an, damit er ihn anbete. Jesus floh nicht aus der Welt, er war in der Welt, aber kein Teil von ihr. Darum geht es! Weltfluchten haben eher den Charakter, sich das Heil mit Werken verdienen zu wollen, dies scheitert aber zumeist. Ohne Fernseher ist man nicht sogleich ein Christ und mit Fernseher ist nicht sogleich ein Nichtchrist, dies kommt Werkedenken nahe. Beim Fernsehen aber bewusst zu entscheiden und seine Informationsfülle(allein die sehr guten Dokus, die mit Bildern Inhalte so gut herüberbringen, wie will man dies schlecht heißen?) zu nutzen, sich dann aber gegen das Triviale und Unnützliche zu entscheiden, sich gegen das moralisch Verwerfliche, z.B. Talkshows mit Themen wie "Ich gehe fremd, na und!" oder sonstiges, die eher darauf zielen Triebsgefühle zu fördern, alte Morallehren wie Treue als unzeitgemäßt usw. zu charakterisieren, zu entscheiden, das kennzeichnet dann einen Gläubigen von einem Gläubigen. Im Jakobusbrief steht, dass der Glaube sich aus den Werken beweist. nicht Werke absichtlichen Tuns und sich an irgendwelche Regeln zu halten, sondern Glaube, der Früchte bringt, Früchte wie z.B. sich in bestimmten Lagen bewusst für die Gottesseite zu entscheiden und gegen das zwischenmenschlich Zerstörende.

    Hallo Joeli,


    deine Ausführungen kann ich nachvollziehen, denn ein landwirtschaftsfernes Betrachten eines idyllischen Lebensstils verkennt, was alles dahinter steht.
    Nur leider ist es, wie auch an anderen Stellen des Forum schon beschrieben, nicht nur so, dass der Glaube die Amischen zu ihrem Lebensstil drängt.
    Einige Beispiele:
    Es gibt z.B. eine starke Neigung zum Legalismus unter den Amischen, d.h. sich den Glauben durch Werke zu verdienen. In diese Gefahr gerät jede Kirche, indem sie Äußerliches derartig stark betont, dass sie nicht mehr auf das Innerliche, was dahinter stehen sollte und oftmals verloren geht, achtet. Die Ordnung der Amischen enthält seit einigen Jahrzehnten einen immer mehr wachsenden Anteil an Verboten, die die materielle Welt betreffen.
    Es gibt auch einfache Reaktionen auf Veränderungen in der Außenwelt durch die Amischen, die als Gefahr für ein patriarchalisches System angesehen wurden und werden, z.B. hinsichtlich der Frauenmitsprache in nichtkirchlichen Bereichen... Im privaten Bereich sind Frauen noch immer stark eingeschränkt, was sich allerdings durch ihre steigende berufliche Tätigkeit langsam verändert.
    Ich denke, besonders hier im Forum greift es manchmal immer wieder um sich, dass die Amischen als christliche Gemeinde idealisiert werden, die etwas anscheinend hat, was wir verloren. Dieses ist aber eigentlich eher die Suche nach einem "Wonderland", wo noch die heile Welt herrscht, denn die Geschichte der Amischen ist durchgängig mit interen Zwistigkeiten gekennzeichnet, die in Spaltungen ausliefen. Die Betrachtung als Idealgemeinde verkennt zudem, dass die Amischen ihr System auch durch MIttel aufrechterhalten, die wir nicht mehr akzeptieren würden, sollten, und unmöglich fänden: Gemeindezucht mit allen sozialen Folgen, Bildungsfeindlichkeit in vielen Bereichen, Negieren wissenschaftlicher Erkenntnisse, Berufsverbote, Außenkontaktverbote, Familienstrukturen und deren Aufrechterhaltung, die Frage der Meidung wegen Nichteinhaltens technischer Restriktionen, die die Gemeinde als quasi Gottes Vertreterschaft in den Bereich des Sakralen hebt...
    Die Folge aus ihrem Lebensstil, ihrer Ansicht von der Lebensführung und dem Durchsetzen dieses Stils, sind für viele Amische nicht nur, dass sie ein Gefühl des inneren Friedens haben, sondern eben auch starke psychische Belastungen. Z.B. ist die Verschreibungsrate unter Amischen von Psychopharmaka sehr hoch, dieses konnte ich selbst bei einem Doktor, der dies in einem Interview sagte, nachprüfen. In 2003 schrieb die Zeitung "Lancaster New Era" zudem eine Artikelserie über den wachsenden Bedarf unter Amischen und Old Order Mennonites nach dem "counselling", dem Eheberater. Dieses sind nur wenige der Bereiche, die das Bild der heilen Welt nicht mehr aufrechterhalten lassen.
    Die Artikelserie in "Lancaster New Era" wollte zum Nachdenken anregen, erregte aber Unmut bei einigen mir Bekannten. Letztlich ging es in ihr aber darum, dass bei Eheproblemen innerhalb der Amischen, die Frauen, wenn sie um Hilfe bei den Dienern der Gemeinde bitten, lediglich zu hören bekommen, dass sie sich entweder nicht genug unter das Haupt des Hauses(dem Manne) gestellt hätten, dass sie gehorsamer sein sollten, ihm mehr gehorchen sollten etc. Dies löst natürlich keine Probleme, ließ lediglcih die Frauen als Schuldige übrig, während sich der Hausherr weiter daneben benehmen könnte und niemals sein Tun hinterfragen müsste. So wurden und werden immer mehr professionelle Eheberater aufgesucht(wobei man deren Intentionen auch hinterfragen kann), weil man innerhalb der Gemeinde durch die Herrschaft der Männer nicht aufs Zuhören vertrauen kann...
    Der amische Glaube engt viele zudem ein, denn es ist z.B. verpönt, teilweise sogar verboten, die Bibel in einer Art Hauskreis regelmäßig zu studieren, sie gezielt zu erforschen, weil dies angeblich das Amt des Predigers schwächen würde, letztlich wohl eher die Macht. In dieser Hinsicht sind altkatholische Relikte noch immer in Nachfolgemeinden des Täufertums vorhanden, dass quasi eine ordinierte Schicht dem Stand einer allein zum Auslegen priviligierten Schicht gleichkäme, die Laienschaft aber ziemlich unmündig bleiben sollte. Das entfernt sich wiederum vom protestantischen Prinzip, dass jeder die Schrift studieren soll und es ein "Priestertum aller Gläubigen" gebe. Das frühe Täufertum hielt indessen noch stark an diesem Prinzip fest.
    Amische, die also die Schrift studieren wollen, geraten in Gefahr als evangelistisch, als "Sunndaagschüler" verschrien zu werden, obwohl sie nichts Bibelfremdes tun. Dieses könnte man fortsetzen.
    Um es kurz zu machen: Bitte Vorsicht, die Amischen zu stark zu verherrlichen, als ein Ideal zu sehen. Es gibt auch bei ihnen viel Bedenkliches!

    Theoretisch und in vielen Fällen auch praktisch hat die Entscheidung der amischen Gemeinde nicht beizutreten keine weiteren Konsequenzen.
    Dabei müssen wir aber bedenken, dass es sich um eine Religionsgemeinschaft handelt, bei der die Gemeindeglieder ihre Gemeinde als "die Gemeinde Gottes" verstehen, somit außerhalb der Gemeinde nur teilweise ein Weg zum Heil zu erreichen ist.
    Es gibt einen starken Sozialdruck beizutreten und es gibt auch amische Familien, die bei einem Nichtbeitreten von Kindern den Kontakt zu ihnen stark bis ganz abschneiden. Dieses rührt aus vielen Gründen her: ein Schuldgefühl, die Kinder nicht recht erzogen zu haben(wohl zuallererst im Hinblick auf das, was die anderen amischen Nachbarn sagen oder denken könnten), dann das Gefühl, dass die Kinder in die Welt gehen, sich auf die schlimme Seite stellen(dieses ist Grunddenken, bei einigen sehr sehr stark, bei anderen weniger ausgeprägt, prägt aber durchgängig die Theologie)... Da die Welt als schlecht und zu meiden angesehen wird, sind auch die Weltmenschen zu einem großen Teil zu meiden und man soll unter sich bleiben, dieses geht sodann auch in die Familien ein, wenn sich Kinder anders entscheiden.
    Andererseits gibt es viele Amische, die weiterhin Kontakt zu den Kindern halten(die meisten sind dies, aber der Kontakt ist doch oftmals weniger stark, weil sie eben lediglich noch die familiären Bande binden, nicht mehr ideologische).
    Grundsätzlich ist ein Bruch bei einem Nichtbeitreten gegeben, der nicht unbedingt zu kitten ist. Es ist nicht so, dass man einfach denkt, die Kinder sind in einer anderen gleichwertigen Kirche, daher sind Kontakte auch oftmals sehr unter Spannungsdruck.
    Je weiter sich die Kinder vom amischen und täuferischen Spektrum ideologsisch-religiös entfernen, umso eher ist der Kontakt erschwert. Dies gilt umso mehr, als Kinder sich Gemeinschaften starker missionarischer Ausrichtung anschließen und frei und gerne, aufdringend z.T. über ihre Glaubenserfahrungen reden. So sind Kontakt zu Kindern in neuamischen Gemeinden leichter als in baptistischen oder Kirchen, die nicht einmal die Wehrlosigkeit einhalten.
    Auf jeden Fall gibt es keine offizielle Meidung, höchstens eine individuell gehandhabte Form des Nichtkontakthaltens aus verschiedenen Gründen.

    Hallo Hummelchen.


    die Aussprache ist in den Gegenden, in den Amische leben, immer wie im Deutschen, nur Unkundige, die außerhalb der Gebiete von den Amischen lesen, sprechen es selbstverständlich Englisch aus, weil sie denken, dass das a dem englischen a entspricht.


    Also: richtig heißt es Amish und nicht Ämisch


    Grüße

    Ich denke, man muss aufpassen, die Amischen nicht als eine aus allen Menschen herausragende Gruppierung zu sehen, die vollends christianisiert ist. Es fällt mir oft auf, dass sie in vielerlei (auch in diesem Forum)verherrlicht werden, so z.B. auch in ihrem scheinbaren Umweltbewusstsein und ihrem Konsumverzicht.
    Nur, wenn man sie genau betrachtet und auch, warum sie so und so leben, so ergibt sich eben nicht, dass sie die prämodernen Vorreiter des Umweltschutzes waren oder sind, sondern dass gerade dieser Punkt gar keine Rolle spielte.
    Amische verbrennen z.B. Hausmüll gemeinhein auf den Feldern, obwohl es auch die Müllabfuhr gibt, weil man die Gebühren sparen will, sie düngen und spritzen selbst ihre Felder mit chemischen Stoffen, mit Kunstdünger(wenn Dung nicht vorhanden ist), teilweise ist der Viehbesatz in Lancaster County derartig hoch, dass Grundwasserschäden entstanden und der Gesetzgeber einschritt und die Menge der Kühe/acre begrenzte. Also: Amische sind nicht ideologische Umweltschützer, die bewusst aus Sorge um die Umwelt so und so leben, sondern ihre Lebensweise trägt in Teilen dazu bei, die Umwelt nicht so zu belasten. Zudem: Das Umweltbewusstsein ist im Vergleich zu Deutschland und Europa nicht sehr stark in den USA ausgeprägt, davon sind die Amischen nicht ausgenommen.
    Warum sie heute ein derartiges Regelwerk haben, ergibt sich eher aus einer Mischung von soziologischen Gründen(z.B. das Auto, welches als teures, Pferde ersetzendes Fahrzeug in den 1920er Jahren als das schnelle Element mehr unabhängige Mobilität erlaubte und daher den Gruppenzusammenhalt bedrohte(vergleichbar mit früheren Dorfgemeinschaften, die sich auch mittlerweile ziemlich aufgelöst haben) und die Gruppenkontrolle erschwerte oder stark gesetzlich geprägten Positionen(,was daran deutlich wird, dass Verstöße mit Bibelversen letztlich geahndet werden und das ungehorsame Mitglied auch wegen technischer Errungenschaften gebannt werden kann, damit außerhalb der so genannten Gemeinde Gottes ist).


    Zudem, um auf die beschriebenen Bibelverse zu sprechen zu kommen: Was beinhaltet "sich der Welt hingeben"?. Was bedeutet ganz klar "die Welt überwinden?". Ist dies ein immerwährender Zustand oder ist es nicht vielmehr so, dass Gottes Gebote in bestimmten Zeiten uns als Menschen völlig egal sind und wir absichtlich anders handeln als wir sollen?(Hoffentlich ruft dann das schlechte Gewissen, aber manchmal reden wir uns auch heraus und denken, wir haben Recht.)Haben wir dann die Welt trotzdem überwunden, weil wir sie meistens überwunden zu haben scheinen, oder sind wir nicht vielmehr noch immer ein Teil dieser Welt, letztlich wie Paulus schreibt, elendige Sünder, die beim Gericht auch nichts anderes sagen können und nur auf Gnade hoffen können?
    Ich finde die Position auf bestimmte Konsumgüter zu verzichten gut, aber, bekommt dieser Verzicht nicht mit der Zeit auch den Charakter, damit die Welt zu richten, in dem Sinne, wer nicht darauf verzichtet, der hat eben nicht die Welt überwunden? Auf jeden Fall besteht immer diese Gefahr mit dem eigenen Anspruch auf "das rechte Handeln und das rechte Wandeln" andere danach zu beurteilen.
    Die ethische Frage nach Arm und Reich, den Armen der Dritten Welt und den Reichen der Industrieländer, hat Jesus auch schon aufgeworfen und er beantwortete sie z.B. dem reichen Mann, der in den Himmel kommen wollte, damit, dass er all seinen Besitz loswerden solle und verteilen solle. Nur, dieser Mann war in Palästina, also nicht weit weg und die Frage ist also nicht nur zu lösen und zu stellen in Bezug auf die Dritte Welt, sondern auch auf das Hier und Jetzt, bei uns, z.B. hinsichtlich der Rechtmäßigkeit des Unterschieds verschiedener Lohnniveaus, besonders, warum geistige Arbeit höherwertig ist als körperliche, warum eine Friseuse enorm wenig verdient, sich ihre Hände und Gesundheit durch Chemikalien kaputt macht, währenddessen andere bei leichterer Arbeit am Schreibtisch wesentlich mehr verdienen, z.B. im IT-Bereich, und dies begründen damit, dass sie vielleicht jahrelang studiert haben. Liegt z.B. der Lohnunterschied nicht auch begründet in einer Bewertung in minderwertige und höherwertige Arbeitt, sagt man nicht auch durch verschiedene Lohnniveaus aus, ob eine Arbeit etwas wert ist und ist dies nicht letztlich schon des Fundament des Unterschieds zwischen den Lebensverhältnissen der Menschen, weil einige eben in der gleichen Zeit sich Geldmengen erwerben können, andere kaum das Lebensnotwendige erhalten und gleichzeitig noch als "minderwertige Arbeit" Leistende insgeheim tituliert werden? Dies nur als ein paar Gedankenanregungen, dass wir mittendrin sind im täglichen Leben "Arme" auf verschiedene Weisen abzustoßen oder selbst dieses Abgestoßenwerden erleben.
    Also, die Fragen nach Ausgleich zwischen Reich und Arm sind vielschichtiger und man könnte hier viel mehr Beispiele nennen und noch viel mehr Gedanken anregen. Ich glaube, es kommt eher darauf an, ob wir uns bewusst für den Mitmenschen in Situationen entscheiden, damit den uns Bittenden, den Armen in seiner Situation, Hilfe zuteil werden lassen, dass wir uns bewusst sind, unser Handeln, unser Sein hier ist in Gottes Augen nichts wert, wenn wir dem Nächsten nicht so behandeln, wie wir selber behandelt werden wollen usw. Das ist aber nichts spezifisch Amisches, dies ist letztlich eine allgemeingültige Charakterfrage.

    Meine bisherigen Erfahrungen waren, dass Amische sehr viele Pie-Varianten haben, auch viel Platenkuchen, aber von Strudeln aus Blätterteig weiß ich nichts.
    Ich nehme bald an, es gibt wohl vielleicht ein paar übernommene Rezepte, aber wohl keine tradierten aus Europa. Aber wie gesagt: Ich hab´s nie gesehen, noch gegessen.

    Hallo Hummelchen,


    die Amischen ändern laufend ihre Ordnung und passen sie neuen Bedingungen an, um auch wirtschaftlich zurecht zu kommen. Es gibt alle paar Jahre einige Sachen, die neu beantwortet werden müssen und über die entschieden werden soll. Sie sind also keine stehen bleibende Gruppe, sondern wandeln sich, teilweise sogar sehr rasant.
    Die schnelle Welt, in der wir uns befinden, hat eben auch Einfluss auf sie, denn in finanzieller Hinsicht bedingen beide einander: Amische müssen etwas konkurrenzfähig verkaufen, anbieten können,von den Einnahmen leben können, Steuern zahlen aus den Einnahmen und z.B. auch Doktoren, Inspektoren auf den Farmen usw. bezahlen. Also: Es geht gar nicht, sich total abzuschotten. Sie versuchen, sofern es geht, so weit unter sich zu bleiben, doch wirtschaftliches Handelnmüssen zwingt auch zum Außenkontakt.
    Ich habe die Infos über das cell phone von meinem letzten Besuch in Lancaster County her. Gerade in diesem County sind mehr und mehr Amische Geschäftsleute und immer mehr Männer im Montagebau beschäftigt. Teils üben die Arbeitgeber(wenn die Amischen bei Nichtamischen beschäftigt sind- seltener-), vor allem aber auch der Kundenkreis, der die Handwerker immer erreichen will und die eigenen Geschäftsleute, sehr starken Druck aus, endlich das Telefon ganz zu erlauben- aus eben denselben Gründen: stetige Erreichbarkeit.
    Zudem: Amische haben schon immer Telefone benutzt, nur nicht besessen.
    Für Notfälle wurden immer die nachbarlichen Telefone benutzt, heute kann man aber z.B. als Geschäftsmann es wohl keinem Nachbarn zumuten, laufend Kundentelefonate anzunehmen und brieflich läuft auf diesem Sektor fast gar nichts mehr, es dauert auch zu lange.
    Es gibt auch Amische, die haben ein Geschäft mit einer Außenperson zusammen und weil jener nicht unter die Ordnung fällt, kann das Telefon im gemeinsamen Geschäft installiert werden...So wird die Ordnung umgangen.
    Es kann sein, dass Donald B. Kraybill, ein Amischforscher schon etwas dazu geschrieben hat, aber zwischen Ereignissen und Entwicklungen und eben dem Drucken dieser Infos vergehen z.T. viele Jahre.


    Generell wollen Amische nicht die Errungenschaften der Welt als Ganzes ablehnen, sie nehmen z.B. jede medizinische Hilfe in Anspruch und sind froh und glücklich, dass ihnen auch so geholfen werden kann, sie unterstützen auch medizinische genealogische Forschungen, um z.B. Erbkrankheiten zu untersuchen.
    Sie lehnen aber vieles eben ab,aus mehreren Gründen:
    1. Welche Auswirkungen haben die Neuerungen auf das Leben der Gemeinden, den Zusammenhalt etc.
    2. (dieser Grund wird oft übersehen.) Als Gruppe definieren sie etwas als weltlich und ordnen es zu denjenigen Sachen ein, die nicht zum christlichen Leben gehören und lehnen diese ab. Nach ihrer Ansicht soll dann das verbotene materielle Gerät oder sonstiges vom Weg zum Himmel abbringen (hier kommt starkes gesetzliches Gedankengut ins Spiel).
    Ich habe selbst von nichtamischer Seite, doch nah verwandter Seite(altmennonitisch), (die vielen strengen Gruppen sind oft deckungsgleich): "Der tractor zieht dich us ´em Paradies". Ich habe einen alten Amischen, der sehr viel schrieb, an einem Sonntag ganz klar sagen hören, dass draußen, wo man all dieses und jenes besitzt, die Welt und die Weltmenschen seien. Er war ein Bischof. Auf meine Nachfrage hin, kam er ins Stolpern, weil er eben Besitz und Gottlosigkeit fast gleichsetzte.


    Gerade die technischen Restriktionsregeln sind oft schwer verständlich, auch schwer zu rechtfertigen, so sind z.B. in Lancaster County Fahrräder verboten, während vergleichbare Gruppen diese erlauben und außerhalb lancastrianischer Siedlungen die Amischen Fahrräder auch erlauben.
    In Lancaster County fahren sie dann statt mit einem Rad mit einem Tretroller.
    Andererseits spannen sie nach Aussagen eines Old Order Mennonite Freundes alles hinters Pferd und hinter etlichen Maultieren, so lange sie es ziehen können, daher kannst du in Lancaster County Ballenpresser von Pferden gezogen sehen oder Grasschneider usw., was auch ohne Motorkraft ginge. Es gibt also sehr wohl große Diskrepanzen auch bei ihnen zu entdecken zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Sie sind eben auch nur Menschen und neigen auch dazu, etwas zu umgehen und Auswege zu finden.
    Dazu kann man in Vielem sagen: Im männlichen Arbeitsbereich wird eher(weil durch Männer entschieden), etwas Neues erlaubt als im häuslichen Frauenbereich und innerhalb des männlichen Arbeitsbereiches sind die Begrenzungen im landwirtschaftlichen Bereich oft größer als im kaufmännischen, z.B. Pflügen mit Pferden, während der Kaufmann ganz selbstverständlich Transportunternehmen heuert und sich ihrer bedient und zu Kunden eben nicht mit der Kutsche fährt, sondern einen amischen "driver" nutzt (Leute, die die Amischen wie Taxifahrer chauffieren).
    Diese Diskrepanzen machen die Amischen interessant, denn, wie sie zu bestimmten Regeln kommen, ist ein oft ein langwieriger Prozess.
    Ich glaube, man muss davon wegkommen, sie als das einzige Beispiel christlichen Lebens zu sehen und dadurch alles, was nicht amisch ist, abzuwerten. Letztlich wären alle Menschen fast auf dem falschen Weg und wenn wir dies wären, wöge dies schlimmer als wenn wir es nicht wüssten.
    Die Vorstellung, dass es eine Gruppe auf der Erde gäbe, die sich vollständig konsequent biblisch orientiert und nach der Bibel lebt(hier ist schon das Problem der Gewichtung biblischer Stellen zu beachten!) ist einfach nicht zu halten. Sie bemühen sich mehr als viele andere, doch es gibt auch in dieser Welt mit technischen Apparaten sehr gute Gemeinden.
    Es lässt sich im Ganzen vieles auch bei den Amischen nicht biblisch begründen, sondern kulturell, soziologisch, historisch etc., z.B. das Verbot des Schnurrbartes.
    Die Amischen leben auf eine bestimmte Art, doch sie sind nicht heilig, nicht generell besser(das betonen ganz viele von ihnen) und sie stellen nicht den einzigen christlichen Lebensstil dar.
    Es gibt bei ihnen genau so gläubige und demütige Menschen, aber auch Stolz und Hoffart, es gibt auch, wie man mir schon mal sagte "pride in humility" (Stolz in der Einfachheit). Ein plaines Tuch, eine elektrizitätsloses Haus machen noch keinen christlichen Haushalt aus, der Geist muss dahinter stimmen und in diesem Sinne gibt es auch Heuchelei und ein Getue, sehr wohl aber aber eben auch Liebe, echten Glauben und Nachfolge.

    Amische zahlen sogar die öffentliche Schulsteuer, laut Literatur, und nutzen dann zumeist nicht die öffentlichen Schulen, sondern bauen in den meisten Siedlungen eigene Einraumschulen, die natürlich von ihnen finanziert werden(allerdings sind die Kosten nicht zu vergleichen mit den öffentlichen). Somit zahlen sie sogar drauf.

    Hallo,
    noch keine neue Errungenschaft, aber das Problem wird zu lösen sein, ist das Telefon.
    Die Old Order Amish haben es im Haus verboten, erlaubten es zuerst nur an Gemeinschaftsbuden an Feldrändern, dann rückte es immer näher ans Haus heran, so dass es bei Geschäftsleuten zumindest schon an der äußeren Hauswand ist. Dies war der Stand bis zum Aufkommen der Handys.
    Diese Handys sind aber problematisch und wie sie nun damit umgehen, ist eine Frage, die jetzt gelöst werden muss.
    Denn: Die Handys sind bei vielen Geschäftsleuten schon gehört worden, versteckt in der Hose, jene machen auch Druck, diese zu erlauben, damit würde aber das Telefon wohl generell erlaubt werden.
    Eigentlich sind dei häuslichen Telefone und damit die Möglichkeit generell und immer telefonisch erreichbar zu sein, verboten, die Handys umgehen aber das Problem, wo das Telefon installiert werden soll und erlauben geradezu heimliche Nutzung.

    Dieses Buch erscheint nun zum ersten Mal auf Deutsch. Davor hat es schon zwei Auflagen, die 2. ist eine Überarbeitung und Erweiterung auf Niederländisch erlebt.
    Ich habe seinerzeit die niederländische Version gelesen, die mich schon damals sehr beeindruckte. Dieses Buch hebt sich sehr deutlich ab von den eher reißerischen Büchern oder Beschreibungen über die Amischen, da es neuere Entwicklungen mit einbezieht und auch eine kritische Sicht enthält, nicht nur das oftmals zu viel gehörte Loben, s. Längins "Die Amischen", die sogar als "Heilige" bezeichnet werden.
    In dieser Hinsicht ist es sehr ausgewogen.


    Leider ist es relativ teuer für den Umfang. Vielleicht wird es als Taschenbuchausgabe noch billiger.