Posts by Torsten Hesse

    Es braucht keine großen Bibelkenntnisse um zu wissen, dass Gott nicht allmächtig, sondern ohnmächtig ist....

    Aber warum sollte jemand zu einem ohnmächtigen Gott beten?

    Und wenn wir sagen: "Gott hat keine anderen Hände als die unsrigen" - setzen wir uns dann nicht (wieder einmal) selbst an die Stelle Gottes?


    Ich glaube nicht, dass die Amischen oder die Hutterer aus den Übeln in der Welt den Schluss ziehen, Gott sei ohnmächtig. Nein, sie werden sagen: Das ist eben die böse, sündige, gewalttätige Welt, der wir den Rücken gekehrt haben. Ich denke auch nicht, dass die Amischen oder die Hutterer mit ihrer Lebensweise die Welt verbessern wollen. Nein, sie wollen ohne Sünde durch das Jammertal hindurchkommen und hoffen auf das Himmelreich. Oder sehe ich das falsch?

    Nur Fundamentalisten sehen darin eine Diskrepanz, beziehungsweise eine zweite Lehre...

    Na – ganz so harmonisch wie du sehe ich das nicht. Die Naturwissenschaft erklärt die Welt ohne das Einwirken Gottes. Sie behauptet nicht, dass Gott nicht existiert, denn eine solche Behauptung lässt sich (aus methodischen Gründen) nicht beweisen. Aber die Naturwissenschaften setzten methodisch voraus, dass Gott in das, was sie zu erklären oder zu berechnen sich bemühen, nicht eingreift. Eine Erklärung, in der das Wirken Gottes vorkäme, wäre keine naturwissenschaftliche Erklärung, und etwas, in das Gott jederzeit eingreifen könnte, wäre für uns grundsätzlich nicht vorausberechenbar . Es gäbe dann keine Naturgesetze, sondern Gesetze Gottes, die von ihm selbst aber jederzeit übertreten oder aufgehoben werden könnten.


    Es gibt also durchaus ein grundsätzliches Problem, das allerdings in der abstrakten Form, wie ich es oben kurz dargestellt habe, den meisten Leuten nicht bewusst ist. Trotzdem denke ich, dass viele Menschen das Problem spüren, denn wir alle gehen mit Technik um, und wir wissen, dass diese Technik auf Naturgesetzen und Vorausberechnungen beruht. Da wird es immer schwerer, an das Walten eines allmächtigen Gottes zu glauben. Und das scheint mir der tiefere Grund der Säkularisierung zu sein, die wir in den westlichen Gesellschaften beobachten.


    Andererseits würde ich den Sechs-Tage-Schöpfungsbericht nicht als Poesie oder Kinderkram abtun. Wenn ich an Gott als den Schöpfer der Welt glauben will, dann will ich an diesen Bericht glauben – und zwar als an eine „absolute Wahrheit“ (was immer das genau sein mag).

    Diese Dokus über die Hutterer sind sehr interessant, und ihre Art zu leben finde ich beeindruckend. Aber wie findet ihr es, dass in der Schule die Evolution und z.B. Saurier tabu sind? Bei den Amisch wird das kaum anders sein. Die Frage, wie man angesichts des modernen Wissens über die Natur den Glauben an Gott und das Evangelium bewahrt, wie man also beides miteinander vereinbart – diese Frage stellt sich ja doch jedem, der ein bisschen nachdenkt. Oder ?

    Wäre es nur um Absonderung gegangen, dann wäre ein klösterliches Leben die „effektivere“ Weise gewesen, sich von der Welt abzusondern. Und die Kleidung der Amish unterscheidet sich nicht so stark von der allgemein üblichen Kleidung des 19. Jahrhunderts; auch die Benutzung von Pferden und Kutschen war damals allgemein üblich. Nur einige Elemente, etwa die die Barttracht, waren Zeichen der Zugehörigkeit zur Amish-Gemeinschaft.


    Mich interessiert aber vor allem die Frage der Benutzung der Elektrizität und elektrischer Maschinen. Wenn man es einmal naiv betrachtet, dann ist Elektrizität ja so etwas wie Zauberkraft: Dinge bewegen sich anscheinend von selbst und verrichten, wie hilfreiche Geister, Arbeit für uns. Elektrizität kann man nicht sehen, außer im Blitz – und Blitze sind etwas, das ursprünglich nur Göttern zu Gebote stand (man denke an den Blitze schleudernden Zeus).


    Der Bau und die Benutzung von Maschinen überhaupt (die Amish nutzen ja auch keine Dampfmaschinen oder Verbrennungsmotoren) vergrößert die Macht des Menschen beträchtlich, und es ist kein Wunder, wenn er sich als Schöpfer und Naturbeherrscher – also gottähnlich – fühlt.

    Alle Beschränkungen - vom Verzicht auf einen Stromanschluss über Kleidervorschriften bis zum Buggy statt Auto - dienen einem Zweck:

    Der Separierung von der Welt und der Minimierung ihrer Einflüsse

    Ist das deine Meinung, oder gibt es von den Amish selbst dazu (quasi theologische) Aussagen?

    Was meint ihr: Könnte es sein, dass das „einfache Leben“, also der Verzicht auf Elektrizität und moderne Technik den Amish hilft, ihren Glauben zu bewahren? Oder umgekehrt gefragt: Könnte es sein, dass die moderne Technik, unser so offensichtliches Beherrschen der Naturkräfte es dem heutigen (westlichen) Menschen zunehmend schwerer macht, an Gott und an Gottes Allmacht zu glauben?

    Hallo,


    nach langer Zeit bin ich mal wieder in diesem Forum und lese etwas über Tabita! Das ist ganz bei mir in der Nähe. Vor zwei Jahren im Sommer habe ich eine Wanderung dorthin gemacht – ich war neugierig. Von außen ist aber nicht viel zu sehen: ein hoher Drahtzaun, viele Bäume, nüchterne Gebäude – wie ein ehemaliges Kasernengelände eben aussieht.


    Da ich mich nicht angemeldet hatte, wollte ich auch nicht stören und habe meine Wanderung fortgesetzt. Kurz darauf kam mir ein Radfahrer entgegen und grüßte freundlich – vermutlich ein Bewohner von Tabita.


    Es gibt übrigens eine Internetseite – tabita-online.de. Sie ist nicht sehr informativ, aber man kann ein Formular herunterladen, mit dem man sich schriftlich anmelden kann, wenn man die Gemeinschaft besuchen möchte.


    Torsten

    Hallo,


    also eine "göttliche Idee" hab ich nicht -- aber ich glaube , dass jeder, der nicht mehr an die modernen Götter Erfolg, Wachstum und Konsum glaubt, sich sein Leben anschauen kann und da Dinge findet, die sich vereinfachen lassen. Ich bin zum Beispiel noch nie mit 'nem Flugzeug geflogen (war einfach nicht notwendig), hab weder Auto noch Führerschein und hab auch noch nie einen Fernseher gehabt (ein vollkommen überflüssiges Ding). Bei anderen werden es andere Sachen sein, auf die sie verzichten können. Wichtig dabei ist, dass wir begreifen, dass wir, indem wir unser Leben vereinfachen und das Unnötige weglassen, nicht ärmer, sondern reicher werden.


    Liebe Grüße


    Torsten

    Warum ich mich hier angemeldet habe...
    Ich bemühe mich schon lange, einfach zu leben, mich nicht mehr als nötig von Technik abhängig zu machen, vieles selbst herzustellen usw., und finde es wichtig, dass Leute, die ebensolches versuchen, Kontakt zueinander haben, Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig Mut machen.


    Torsten