Zimmer in Ohio gesucht

  • Ja - nun ist es soweit.


    Am Samstag fliege ich - bzw wir.


    Und wenn ich zurückkomme, erzähle ich hier ein bißchen. Versprochen!


    Danke für alle Auskünfte. :love:

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  • Tja - es ist nun schon ein halbes Jahr vergangen, seitdem ich in Amerika war.


    Meine Tochter hat ihr AuPair-Jahr längst beendet, ist wieder zuhause (zumindest in der Nähe) und geht schon wieder zur Schule. Integriert sich hier wieder, ziemlich schnell sogar.


    Irgendwie ist für mich alles schon wieder so weit weg. Vielleicht weil wir hier ein turbulentes Familienleben haben und die Zeit flugs dahin eilt. Oder vielleicht weil es mit meinem Alltag hier in Deutschland im Grunde wenig zu tun hat. Nicht nur das Leben bei den Amish meine ich jetzt, sondern das Leben in den USA überhaupt.


    Trotzdem denke ich gerne zurück.


    Es war...


    - schön


    - lehrreich


    - spannend


    - abenteuerlich


    - eine Herausforderung


    - und eine Erfahrung wert


    Wir/Ich haben viele nette Leute kennengelernt. Das tägliche Leben einer amerikanischen Familie. Etwas Kultur. Essen. Landschaft. Großstadt. Den Ohio. Cincinnati. Indianerkultur. Die Niagarafälle. Autofahren. Und die Amish.




    Unser Besuch bei den Amish war kurz, sehr kurz. Nur 2 Übernachtungen als Zwischenstation auf dem Weg zu den Niagarafällen. Zum Glück hatten wir ein gutes Navi. Denn die Ortsbeschilderung - so zumindest mein Eindruck - ist nicht mit der Deutschlands vergleichbar.Irgndwann sagte ich zu meinen Töchtern:'Ich hoffe das Navi funktioniert auch richtig, denn ich hab keine Ahnung wo wir in der Pampa hier sind.'


    Doch wir 'waren wo'...wir kamen tatsächlich auf den Meter exakt an dem Bauernhof der Miller's an, direkt vor unserer kleinen Ferienwohnung. Die Miller's waren nicht da...nur ihre nette Tochter, die uns einwies und uns dann bald alleine ließ. Die Farm war wie ausgestorben. Es war schon gegen Abend und die Miller's waren bei einem Treffen.


    Aber ein kleiner Hund war uns ein treuer Begleiter auf einem kleinen Spaziergang über das Anwesen und ein bißchen 'hinten rum', die Felder entlang. Still war's und friedlich.


    Die Betten waren gemütlich und die Quiltdecken sehr hübsch. Weder vermißten wir heißes Wasser noch helles Licht. Sogar Strom für's Aufladen des Akkus vom Photo war da.


    Nur die Badtür ging nicht mehr auf. Klemmte da was irgendwie. Und ich erwischte auf dem Anwesen dann nur den Opa der Familie, der so friedlich im Schaukelstuhl schlief. Wenn ich nicht so dringend 'gemußt' hätte, ich hätte mich nicht getraut ihn zu wecken. :whistling:


    Nur leider wußte er auch keinen Rat. Der kam dann etwas später, als die Miller's nach Hause kamen und den Jüngsten zu uns runter schickten und der Schlüssel lag im Küchenschrank. So einfach wär's gewesen,wenn man's gewußt hätte. :rolleyes:


    Am nächsten Tag fuhren wir ein bißchen durch die Gegend. Genauer gesagt - nach Berlin. Jaja - das gibt's dort auch. Was wir unterwegs wirklich von den Amish reichlich sahen, waren die Pferdefuhrwerke. Trapp,trapp,trapp....ich hör's jetzt noch in den Ohren. Ein idyllisches Geräusch. Irgendwie sehr heimelig.


    Wir sahen dann eine Art 'Amishes Einkaufszentrum' ....ein Ort an dem es Quilts,Souvenirs, Antikes und Sonstiges in einer bunten Mischung zu kaufen gab. Ich denke mal ein 'Extraplatz' für neugierige Touristen.


    Der Quiltladen war herrlich. Ich durfte auch Photos machen. Eine Explosion von herrlichen Farben und Mustern. Leider bin ich dafür nicht begabt. Sonst hätte ich mich dort leidenschaftlich mit Stoffen eingedeckt.


    Der Antikladen war zum quieken komisch. Der Weihnachtsmann und Elvis Presly als Blechschilder friedlich nebeneinander an der Wand.Bücher alt und neu.Ein alter Kaugummiautomat.Hummelfiguren.T-Shirts. Schaukelstühle in allen Farben.Walt-Disneyfiguren.Krims und Krams.Herrlich.


    Im Laden gegenüber alles aus Leder - und kleine Hündchen. Echte. Süß.


    Zum Abschluß ein 'Amisher Hamburger mit Pommes' - das Beste was ich in Amerika aß, außer in Cicinnati beim Indonesen und das Abendessen bei den Miller's.


    Wir fuhren weiter. Ich wollte nach Gnadenhutten, die Wirkungsstätte des Missionars David Zeisberger besuchen. Ich hatte noch in Deutschland zufällig ein Buch über ihn gelesen und entdeckt, dass es nicht weit von den Miller's weg war. Dort begegneten wir dann einem Amerikaner, der uns nicht nur zur Grabstätte des Missionars ca 2 km weiter brachte, sondern auch noch ins nahe Schoenbrunn einer weiteren Wirkungstätte dieses interessanten Mannes.


    Das Museum hatte dort zwar zu, aber ich bin einfach über den Zaun gehüpft und hab viele Photos von der Außenanlage gemacht. :D


    Zu Abend hatten wir dann ein Abendessen bei den Miller's gebucht. Sehr,sehr gut. Es war köstlich und das, obwohl ich Hühnchen sonst gar nicht mag. Wir haben uns dann ein bißchen unterhalten. Aber ich denke,alles in allem war es nur der Blick durch's Schlüsselloch zu einer fremden Welt. Ein freundlicher - aber auch ein sehr unvollständiger Ausschnitt.


    Am nächsten Tag nahmen wir Abschied. Vor der langen Autofahrt fuhren wir nochmal zurück nach 'Berlin' und ließen uns in einer Amishkutsche 15 Minuten durch das Gelände fahren. Ein bißchen wie auf dem Jahrmarkt.Auch ein Angbot für Touristen und wir konnten jedenfalls feststellen, dass die Amish reichlich findig sind, was lukrative Geschäftsideen betrifft.


    Aber irgendwas 'Typisches' wollten wir noch mitnehmen. :thumbsup:


    Dann ging's wieder raus aus Amishland.


    Was ich an Gedanken so mitgenommen hab klingt wahrscheinlich 'entidylliasiert'.


    So kann ich mit den Kleidergeboten und Haartrachten und nicht viel anfangen. Auch nicht aus biblischer Sicht (ausgenommen vielleicht das Gebot der langen Haare bei der Frau). Es gibt mir ein zuwenig an persönlicher Freiheit.Einfach ein etwas zu viel an Kollektiv. Vor allem auch was Bildung betrifft sehe ich Defizite.


    Manchmal hatte ich auch Empfindungen wie: 'Leben im Bauernhofmuseum' - irgendwie alles ein bißchen künstlich.


    Allerdings, was das Ökologische betrifft, eine gewisse Lebensart, den zwischenmenschlichen Bereich und auch was die Kindererziehung betrifft, finde ich vieles wertvoll und interessant und sehr wohl bedenkenswert.


    Allerdings befürchte ich - oder kann ich mir gut vorstellen, dass viele Amish in einem Zwiespalt zwischen der neuen Welt - die sie interessiert und an der sie vielleicht auch gerne mehr teilhaben wollen würden - und der alten Welt - die ihre Familie, Heimat und gesellschaftliche Eingebundenheit bedeutet - stehen. Ein Austritt aus dem Kollektiv der Amishgemeinde ist wahrscheinlich ein großer Verlust an Familienzusammengehörigkeit und -Bindung. Selbst wenn man das gemeinsame Wohnhaus erstmal nicht verlassen muß, bedeutet es sicherlich eine immense Kluft.




    Ja - soweit meine Eindrücke. Ich will sie nicht vermissen und bin sehr dankbar dafür. :)




    Danke für alle Ratschläge und Tips, die ich von euch beommen habe. :love:

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  • Und dann war da noch der süße Satz meiner Tochter zum Kringeln:


    Wir kamen eben grad an und sahen zum ersten Mal ein Amishes Mädel oder Frau die Strasse lang laufen.


    Blaues Kleid: Ok!


    Häubchen: Ok!


    An den Füßen: Turnschuhe :!: :?:


    Schreit mein Mädchen von hinten: Guck - die hat ja Turnschuhe an . Voll der Fake!!! :cursing:


    Jaja, wenn schon Amish - dann doch bitte richtig: mit braunen oder schwarzen Lederschuhen bitteschön! *lool*


    Ach was hab ich gelacht. :D

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