Rotkohlsuppe (die amische Köchin)

  • Lovina Eicher schreibt: Heute, am 12. September, hat Jacobs und Emmas älteste Tochter Elizabeth ihren 15. Geburtstag. Sie hat jetzt die Schule hinter sich, und Emma freut sich darüber, dass sie ihr im Haushalt hilft. Wir gewöhnen uns allmählich wieder an den Schulrhythmus. Unsere Abende verbringen wir jetzt damit, den jüngeren Kindern beim Lesen ihrer Bücher zu zuhören und den Älteren bei den Hausaufgaben zu helfen. Kevin, 6, scheint die ganzen Tage in der Vorschule gut zu verkraften. Man muss wohl nicht extra erwähnen, dass er schnell einschläft, sobald seine Nachtruhe beginnt. Am Donnerstag werde ich mit Verena ins Krankenhaus fahren, damit ihr der Gips abgenommen wird. Nach fünf Wochen erwartet sie diesen Augenblick sehnlich. Das hat sie mit vielen Anzeichen signalisiert.


    Nach einem bedeckten Morgen wurde es am Freitag doch noch sonnig und es wurde ein schöner Hochzeitstag für Glenn und Miriam. Die Braut Miriam kommt aus unserem Kirchdistrikt, aber sie und Glenn planen ihren Hausstand in einem benachbarten Kirchdistrikt zu gründen. Der Traugottesdienst wurde auf dem einen Ende eines großen, neuen Hallen-Gebäudes abgehalten. Am anderen Ende waren die Tische aufgebaut und dort wurde das Hochzeitsessen serviert. Ihr Hochzeitsmenü bestand aus selbstgebackenem Brot, Butter und Erdbeerkonfitüre, Kartoffelbrei, Soße, Salatsoße, Fleischklopsen, Mais, Nudelsalat, Engelsspeise, Kürbis- und Erdnussbutter-Pies und Weintrauben-Pudding. Schokoriegel wurden auch herumgereicht. Es ist immer ein interessanter Anblick, wie die Kindergesichter sich aufhellen, wenn die Schokoriegel vorbeikommen.


    Wir wollen heute Wäsche waschen. Am Ende der letzten Woche hatten wir Regenwetter und konnten die Wäsche nicht machen. Normalerweise wasche ich zweimal pro Woche. Aber heute wird es eine besonders große Wäschemenge sein, wegen des Regens in der vergangenen Woche. Die Sonne scheint, und es sieht so aus, als ob es ein guter Tag zum Trocknen würde.


    Am Sonnabend haben wir Jacob und Emma bei der Arbeit geholfen. Die Gottesdienst wird demnächst bei ihnen stattfinden, am 25. September. Joe, Jacob und die Jungen haben Mist gefahren und die Mädchen haben alle Einmachgläser abgewaschen, die Regale ausgewischt und so weiter. Die Mädchen und ich planen, in dieser Woche wieder zu helfen. Joe geht jetzt an vier Tagen in die Firma und kann deshalb am Freitag zu Hause sein. In der letzten Septemberwoche muss er gar nicht mehr arbeiten und er könnte dann vielleicht den Garten umgraben, wenn er zu Hause ist.


    Ich habe Rote Beete, die ich´nur noch ernten muss und dann einlege. Wir haben auch noch Tomaten, Paprika und Popcorn-Mais, aber ansonsten ist mein Garten für 2011 Geschichte. Wir haben zum ersten Mal versucht Popkorn-Mais zu ziehen, deshalb wird es interessant zu sehen, was daraus geworden ist. Meine Jalapeno- und Serrano-Paprika wachsen immer noch gut, deshalb möchte ich scharfen Paprika-Aufstrich machen. Allerdings werde ich weniger Gewürz-Paprika verwenden als im Rezept angegeben, denn dann wird es für die Kinder nicht zu scharf.


    Wir haben unsere Steinkohle für den Winter bestellt. Joe möchte den Kohlenherd parat haben, damit er bei der ersten Kälte sofort beschickt werden kann. An einem Morgen in der vergangenen Woche zeigte das Thermometer nur 7 Grad C an, also der Winter ist schon im Anmarsch. Die Morgenstunden sind kühl, und die Wärme von unseren Propangas-Lampen wärmt gut. Eine andere Aufgabe, die ich bald erledigen kann, ist die Herstellung von Traubensaft. Ich muss den Selbsternter-Obstgarten anrufen und fragen, wann die Trauben reif genug sind. Unser Rhabarbersaft geht zur Neige, deshalb wird es gut sein, selbstgemachten Traubensaft anzuschließen. Ein anderes Erfrischungsgetränk, auf das wir uns in jedem Herbst freuen, ist Apfelmost. Kalter Most und Popcorn werden immer gerne genommen. Ich muss jetzt loslegen, es ist einfach zu schön draußen, um im Hause zu hocken und zu schreiben. Eine Menge Arbeit wartet auf mich. Gottes Segen Euch allen. Diese Rotkohlsuppe habe ich in der vergangenen Woche gemacht und gebe Euch das Rezept.


    Rotkohlsuppe
    1 große Zwiebel, gewürfelt
    1 mittelgroßer Rotkohl, gehobelt
    500-750 gr. angebratenes Hackfleisch
    1 Dose Kidney-Bohnen
    1 l Tomatensaft
    Salz, Pfeffer und Knoblauch zum Abschmecken


    Alle Zutaten in einen großen Topf geben und 1½ - 2 Stunden köcheln lassen. Je länger es köchelt, desto besser schmeckt es. Man kann es mit einer halben roten und einer halben gelben Zwiebel abwandeln, oder man es auch je zur Hälfte aus Rotkohl und Weißkohl machen, und damit eine interessante Optik und Textur erzielen. (Übers. G.)

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  • Vielen Dank, Gisela, dass Du immer diese Kolumne übersetzt! Mir macht es Spaß, sie zu lesen. Und was Lovina Eicher schreibt, erinnert mich immer sehr an die lieben Briefe, die ich von einer lieben Freundin bekomme, die zu den Beachy Amish Mennoniten gehört.
    Liebe Grüße, Sabine

  • Ich schließe mich Sabine an, vielen Dank für dein tolles Übersetzen!
    Das Rezept werd ich demnächst sicher mal probieren. Mal sehen ob es so gut ist wie der polnische Barszcz meiner Mutter!


    Grüße von Clara

  • Danke, liebe Clara und liebe Sabine, für die freundliche Würdigung!


    So wie Ihr finde ich Lovinas wöchentliche Kolumne sowohl authentisch als auch nützlich. Authentisch, weil sie Inneneinsichten in amisches Familien- und Gemeindeleben ermöglicht. Deswegen auch schön für all diejenigen, die noch keine eigenen täuferischen Brieffreunde haben. Und nützlich, weil die Rezepte familienfreundlich sind. Grüße von Gisela

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