in dieser Welt aber nicht von dieser Welt

  • liebe Freunde der Amish,
    in unserer Baptistengemeinde haben wir seit 1-2 Jahren eine Männergruppe. Letztens haben wir uns mit dem Thema "in dieser Welt aber nicht von dieser Welt - Unser Leben ein Gottesdienst" beschäftigt. Exemplarisch suchten wir in der 2. Hälfte des Römerbriefes (ab Kap 12) nach Hinweisen von Gott zu diesem Thema. Als Ausgangspunkt für unser Treffen schauten wir uns das Leben der Amish an; von den ersten Anfängen zu Zeiten der Reformation bis heute. Dabei hat der eine oder andere Beitrag wertvolle Hinweise geliefert. Danke dafür.
    In geistlicher Hinsicht waren wir einerseits voll der Hochachtung, wenn wir den amishen Lebensstil inmitten der "Englischen" betrachten. Andererseits weiß ich nicht so recht, was ich von der sehr strikten Ordnung halten soll. Den Bezug zur Bibel als Handbuch für mein Leben kann ich voll und ganz herstellen. Ins Grübeln komme ich u.a., wenn ich das Thema der "Haushalterschaft" anfasse. Ich habe Gaben von Gott erhalten, mit dem Auftrag, sie in seinem Reich einzusetzen. Ist das in einer Old Order Gemeinde möglich, ohne dass ich mit dem Bischof aneinander gerate? Welche Gaben sind lebbar, welche bleiben außen vor?
    Es steht mir nicht zu, den Lebenstil der Amish zu bewerten. Will ich auch nicht. Ihn mir ansehen und prüfen, was ich für mein eigenes Leben übernehmen kann, das will ich dagegen sehr gerne tun.


    Martin

  • Hallo Martin,


    genau dieses Thema interessiert mich auch sehr brennend.


    Vielleicht muss man ihre Abgeschiedenheit auch mit der damaligen Verfolgung der Gründerzeit sehen. Ich meine mal irgendwo gelesen zu haben, dass vieles auch deshalb nicht geändert werden kann, weil es damals von Jakob Aman so beschlossen worden ist. Aber genaugenommen sind die vielen Versuchungen und Verführungen, denen wir heutzutage ausgestzt sind, schlimmer als die körperliche Verfolgung. Wir sind oft Faul, träge, gleichgültig, lau, mit vollen Kompromissen der Welt gegenüber usw. geworden. So ist von unserem christlichem Abendland nicht mehr viel übrig geblieben.


    Ein anderer Punkt ist, dass wenn zu viele Erneuerungen zugelassen werden, die Gemeinschaft nicht mehr so stark aufeinander angewiesen ist und langsam zerbröckelt.


    Zum Teil beneide ich die Amish um ihre Gemeinschaft und Lebensstil, aber vom biblischen Standpunkt her ist es nicht ganz richtig. Ihre "Gabenorientierung" geht mehr danach, wie sie sich in ihrer Ordnung einbringen und darin Leben. Mit den biblischen Gaben hat das weniger zu tun.


    Was mich besonders traurig macht, ist die Tatsache, dass tausende Touristen jährlich in die Amishgebiete fahren. Das könnten die Amish nutzen, um ihren oder besser den biblischen Glauben zu bezeugen, z.B. mit christlichen Buchhandlungen, missionarische Büchertische oder so ähnlich. Nicht aufdringlich, aber so, dass die Touris doch bemerken. Die "Engländer" müssen ja nicht gleich Amish werden, aber sie haben dann die Möglichkeit von Jesus und der Bibel zu hören.


    Ich persönlich kenne Christen, sie leben so weltabgeschieden, reden nicht einmal mit den Nachbarn, weil sie weltlich sind. Das dies aber verlorene Menschen sind, die vielleicht durch freundliche Nachbarschaft für den Herrn gewonnen werden können, sehen sie nicht ein. Gespräche diesbezüglich hatte ich schon mit ihnen. Persönliche Evangelisation und den Missionsbefehl lehnen sie ab.


    Das hat Jesus nicht gemeint, mit dem fernhalten von dieser Welt. Sondern nur fernhalten vom Geist dieser Welt.


    Grüße Ingo

  • Hallo Ingo, an Büchertischen mangelt es im "Amish Country" nun wirklich nicht.


    Dorthin zieht es nicht nur tausende, sondern viele Millionen Touristen, und nicht nur für sie gibt es neben den großen amish-mennonitischen Infozentren zahlreiche pfingstlerische, baptistische, mormonische Missionare, Zeugen Jehovas, dazu in Ohio oft noch neutäuferische (Brethren) und in Pennsylvania Herrnhuter-Schriftenverteiler. All diese Gruppen geben die biblische Botschaft, so wie sie sie verstehen, wortwörtlich weiter.

  • Da freue ich mich aber sehr, das zu lesen. Wobei ich den Irrlehren der Mormonen und den Zeugen Jehovas nicht zustimmen kann. Dann werde ich beten, dass viele Touristen, die vielleicht als Amishbewunderer kamen, anfangen werden, sich mit dem christlichen Glauben und der Bibel zu beschäftigen.