Den Amisch beitreten

  • Hallo Christian,


    klar gibt es ein ehemaliges Krisengericht, das sich zu einer Delikatesse gewandelt hat: "scrapple", Schlachtreste in Maisgrütze gekocht und dann gebraten. Und Shoo-Fly-Pie wird auch aus günstigen Zutaten gebacken.


    Amische Sattlereien bieten auf Bestellung Ledergeschirre an, aber für den Eigenbedarf ist Nylon Standard. Die Verdecke der Kutschen sind aus Cabrio-Vinyl, das Chassis ist aus Glasfiber, der Rahmen aus Alu und die Räder aus Edelstahl. Bei den Materialien sind sie tendenziell Hightech-Junkies.


    Leder für Bekleidungszwecke wird nicht, wie bei religiösen Juden wegen der Reinheit gemieden, oder aufgrund von Umweltauflagen, sondern wegen der Schlichtheit. Sattler oder Hufschmiede tragen natürlich eine Lederschürze, aber Lederbesätze würden die "plaine" Optik stören. Männer benötigen an ihren Hosen mindestens 6, manchmal auch dutzende von Knöpfen, je nach Hosenträger-Ordnung oder Vorliebe.


    Kompensationsgeschäfte innerhalb der Familie oder Nachbarschaft geraten nicht automatisch einfach und fair. Grüße von Gisela

    Edited 5 times, last by gisela ().

  • Hallo Giesela

    Amische Sattlereien bieten auf Bestellung Ledergeschirre an, aber für den Eigenbedarf ist Nylon Standart. Die Verdecke der Kutschen sind aus Cabrio-Vinyl, das Chassis ist aus Glasfiber, der Rahmen aus Alu und die Räder aus Stahl. Bei den Materialien sind sie tendenziell Hightec-Junkies.

    Ansich ein Widerspruch in sich. :sleeping:


    Gerade die alte traditionelle Lebensweise sollte ein guter Närboden für altes, ansonsten verloren gehendes
    Wissen sein. Ein Brett mit dem Nagel befestigen kann jeder. Ein stabile Verbindung durch Schwalbenschwanz-
    oder Fingerzinken ist schon etwas aufwändiger.


    In der Richtung geniessen ja z.B. Shaker-Möbel wegen ihrer hohen handwerklichen Produktqualität geradezu
    Kultstatus. Bei den Amishen ist dies der Quilt.


    Wie erfolgt bei den Amishen die handwerkliche Lehre? Bleibt das Wissen auf die Gemeinde begrenzt?
    Die geschlossene Gemeindesturktur widerspricht ja ansich der Wissenerweiterung durch z.B. die Walz.


    Wie sieht das Wissen im Gesundheitsbereich aus? Wir kennen ja nur noch die allumfassende Antwort des
    Antibiotikums auf so ziemlich alle Wehwehchen. Traditionelle Hausmittel geraten immer mehr in Vergessenheit.

    Leder für Bekleidungszwecke wird nicht, wie bei religiösen Juden wegen der Reinheit gemieden, oder aufgrund von Umweltauflagen, sondern wegen der Schlichtheit. Ein Sattler trägt natürliche eine Lederschürze, aber Lederbesätze würden die Optik stören. Männer benötigen an ihren Hosen mindestens 6, manchmal auch dutzende von Knöpfen, je nach Hosenträger-Ordnung oder Vorliebe.

    Welcher Ordnung unterliege ich denn da, wenn ich da nur an Haken & Ösen denke? Oder verwechsele ich das
    mit den Reissverschlüssen?

    Kompensationsgeschäfte innerhalb der Familie oder Nachbarschaft geraten nicht automatisch einfach und fair. Grüße von Gisela

    An einfach und fair hatte ich dabei jetzt nicht unbedingt gedacht. Feilschen und Schachern ist denke ich nicht
    in irgendwelche Gebote gefasst und liegt nun mal in der Natur des Menschen und im ureigensten Trieb
    der Stärkere zu sein und so das Überleben der Sippe zu sichern.


    Aber Kompensationsgeschäfte vermeiden die Verwendung von Geld. Ein Freund von mir ist in der Hinsicht
    ein absoluter Meister des Kompensationsgeschäfts 8o


    Gruß


    Christian

  • Lieber Christian, auf fast alle Deine Fragen findest Du ausführliche Antworten in Büchern von Stephen Scott, John Hostetler und Donald Kraybill.


    Für den Einstieg, und weil Du Dich für Kleidung interessierst, sei Dir Scotts "Why do they dress that way?" (incl. Tabelle zu Hosenträger-Typen) empfohlen. Viele Kleidungsdetails unterliegen einer ungeschriebenen Ordnung, die nur Mitgliedern bekannt ist: Anzahl und Art der Fältchen, Breite des Schürzenbundes, Anzahl der Stecknadeln bzw. Hemdknöpfe. Nach außen hin soll die Einheitlichkeit betont werden, nach innen jedoch der - jeweils durch Alter, Familienstand und Glaubenshaltung bestimmte - Platz in der Gemeinschaft.


    Für Hostetlers Standardwerk "Amish Society" braucht man schon eine paar Abende, liest sich aber schnell ein. Und immer datenbasiert, aktuell und seriös schreibt Kraybill. Zum Gesundheitswesen gibt es jede Menge Literatur, denn sie sind ein beliebtes Thema für medizinische Studien und Dissertationen. Das täuferische Ausbildungswesen dagegen scheint noch nicht derart umfassend beschrieben. - Hast Du eine Vermutung, weshalb die Shaker trotz ihrer tollen Möbel ausgestorben sind und die Amischen sich alle 12-20 Jahre verdoppeln? Grüße von Gisela

    Edited 6 times, last by gisela ().

  • Stichpunkt handwerkliche Lehre: die Kinder lernen im Betrieb der Eltern oder Verwandschaft....schon von klein auf. Ob das nun heißt, dass jemand Bauer wird oder Handwerker wie Möbelschreiner oder Scheunenbauer sei dahingestellt.

    Edited once, last by Agranzow ().

  • Ich habe einmal eine Frage: Weiß jemand wie viele Menschen den Amischgemeinschaften jährlich beitreten oder auch wieviele Amische austreten?
    Vielen Dank für Eure Hilfe! :)

  • Hallo Bücherwurm, die Old Order Amisch sind die am schnellsten wachsende christliche Gruppierung in Nordamerika. Für 2008 wurde von einer Population von 233.000 Menschen ausgegangen (getaufte Mitglieder plus Kinder). Ca. 85 % derJugendlichen lassen sich taufen, in einigen Regionen und Affiliationen mehr, in anderen weniger. Es gibt eine geschätzte Jahresstatistik der Bevölkerungsentwicklung, die jeweils im Juli aktualisiert wird, deren Zahlen von 2007-8 findest Du hier: http://www2.etown.edu/amishstu…tion_Change_2007_2008.pdf. Übertritte von außen kommen in geringem Maße vor, im Jahre 2004 waren ca. 100 Personen bekannt, die zu einer Old Order Gemeinde übergetreten waren. Ich würde daher 1-3 Übertritte/Jahr schätzen, doch exakte Zahlen kenne ich nicht.


    Die Frage nach den Austritten ist schwieriger zu beantworten. Häufiger als Austritte sind Übertritte in sehr ähnliche Gruppen wie Amish Mennonites, Conservative Mennonites, Beachy Amish oder New Order Amish, die nahezu den gleichen Glauben und einen sehr ähnlichen Lebensstil pflegen. Die Amischen sagen, dass Konvertiten zumeist als erste wieder austräten, denn wer nicht so aufgewachsen sei, würde über kurz oder lang zu viel vermissen. Für einen Bücherwurm könnte das Buch "Anabaptist World USA" mit sehr viel Zahlenmaterial interessant sein: http://www.amazon.de/Anabaptist-World-USA-Donald-Kraybill/dp/0836191633/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1270906878&sr=8-1. Grüße von Gisela

    Edited 7 times, last by gisela ().

  • Vielen Dank für Deine Antwort (vor allen Dingen auch für die super schnelle Antwort)! Weißt Du zufällig auch in welchem Zeitraum diese 100 Menschen den Amischen beigetreten sind, sodass man sich das ungefähr aufs Jahr umrechnen kann?

  • Hallo Bücherwurm,


    genaue Daten wird es in der Frage wohl nirgendwo geben. Aber das Young Center in Elizabethtown ist ein ausgesprochen guter Forschungsstandort für "Amish Studies" aller Art: http://www2.etown.edu/amishstudies/


    Im Übrigen ist Sinn für Promptheit etwas, das einem bei der Beschäftigung mit den Täufern nur selten schadet.


    Grüße von Gisela

  • Denen, die sich überlegen den Amish beizutreten sei dieser Artikel empfohlen:


    Becoming Amish


    Ich muss sagen der Artikel ist laaang, aber es lohnt sich...


    Was denkt ihr über die Mosers und ihre "Reise"?


    Viele Grüße, Alisa

    Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

    Edited once, last by Alisa ().

  • Hui, der ist mir "unterwegs" wohl verloren gegangen. Danke dir für den Nachtrag!


    Viele Grüße, Alisa

    Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

  • Die neueste Anfrage stammt von Irene. Irene lebt in Großbritannien. In Irland haben sie eine amisch-mennonitische Familie kennen gelernt und an deren Gottesdienst teilgenommen. Zu Hause tragen sie schon "plain dress" und meistens eine Kopfbedeckung beim Kirchgang, denn sie versuchen dem amischen Lebenstil so nahe wie möglich zu kommen. Sie sucht nach anderen Leuten in Großbritannien, die ebenfalls amisch werden möchten. Sie würde gerne mit ihnen in Kontakt treten und sendet Segensgrüße.

    Edited 3 times, last by gisela ().

  • Kala ist 13 Jahre alt. Sie sucht jetzt eine amische Brieffreundin in ihrem Alter, denn sie möchte später selbst amisch werden. Sie dachte, dass eine Brieffreundlin ihr helfen könnte die Sprache und dergleichen zu lernen. Sie hofft auf eine baldige Antwort.

  • Ich finde es immer wieder interessant, wie viele Menschen auf der Suche nach einem anderen Lebenswandel sind. Trotz aller Euphorie des einen oder anderen muss man doch sehr skeptisch sein, was die wirkliche Triebfeder für die vermeintliche Wahl eines solchen ("amischen") Lebensstils ist. Viele Menschen kommen wohl mit ihrer eigenen Lebenssituation (Druck am Arbeitsplatz, Verrohung der Gesellschaft, Familienzwistigkeiten,...) nicht zurecht und suchen deshalb auszubrechen. Und warum? Weil sie den HERRN Jesus noch nicht kennen oder ihn vielleicht sogar schon kennen, aber keine persönliche Beziehung zu ihm haben.
    Wer sich für einen amischen Lebensstil interessiert, der muss sich selbst ernstlich fragen, warum will ich ein solches Leben auch für mich leben? Will ich es leben, weil ich mit meinem eigenen Leben nicht zurecht komme und mir dort einen Aufschwung erwarte, oder weil ich schon immer ein Querdenker war und jetzt mein Anderssein demonstrativ ausleben kann, oder vielleicht, weil ich mich damit der Natur/der Schöpfung mehr verbunden fühle? Dies alles sind Beispiele für Motivationsantriebe, weshalb ein Mensch ein solches Leben führen möchte. Aber wenn das NUR das ist, dann sind das leere Hüllen, die nicht mit "amischem" Inhalt gefüllt sind. Es bedarf vielmehr einer tieferen, inneren Beziehung zum HERRN Jesus, einer wirklichen Wiedergeburt in dem HERRN und der rechten Erkenntnis, ein von der Sünde und Weltlust abgeschiedenes energisches Leben in der Christusnachfolge leben zu wollen, inklusive unserer Leidens- und Sterbensbereitschaft. Allein das muss und darf die richtige Triebfeder für ein amisches Leben sein!
    Wenn diese grundsätzliche Einstellung fehlt, dann sollte man vielleicht besser ausweichen auf eine der vielen alternativen oder Öko-Gruppen, denn dort kann man ein "amisches" Leben ohne "amische" Inhalte, ja sogar ganz dem heutigen Zeitgeist entsprechend ohne Gottesbezug leben.

  • Lieber Flokie, bei der Umfrage zum Beitrittswunsch zeigt sich bei 20 Stimmen inzwischen eine perfekte Gauß'sche Zufallskurve: Genau die Hälfte (10 Stimmen) spielt entweder mit dem Gedanken einer Konversion oder ist fest dazu entschlossen. Die andere Hälfte (10) hegt keine Übertrittsgedanken oder hat darüber noch nicht nachgedacht.


    Für eine Hochrechung ist es noch zu früh. Aber wenn sich diese Tendenz hält, dann lösen die Informationen über die amische Lebensweise bei der Hälfte der Leute hier im Forum zumindest Überlegungen aus, die eigene Lebensweise gravierend zu verändern. Welche Taten aus diesen Überlegungen, Gedanken, Wünschen und Sehnsüchten erwachsen, liegt in Gottes Hand. Grüße von Gisela

    Edited once, last by gisela ().

  • Ich finde es interessant, wie man in diesem Zusammenhang von "Konversion" sprechen kann, denn das zeigt eigentlich nur, dass man hier auf die Konfessionalität anspielt und nicht wirklich auf das Wesentliche, Eigentliche, nämlich eine entschiedene Christusnachfolge!
    "Die eigene Lebensweise gravierend zu ändern" bringt vor Gott zunächst einmal rein gar nichts, wenn sie nicht auch gleichzeitig mit einer wahren, inneren Bekehrung zu dem HERRN Jesus einhergeht. Nur das Äußere zu ändern, ohne eine neue Kreatur zu werden, macht einen zum Pharisäer, aber nicht zu einem Gotteskind.

  • Hallo,


    warum auswandern, warum nicht den Mut haben hier in Deutschland wie die amish zu leben!
    Ich bin schon lange auf der Suche nach gleichgesinnten.


    Liebe Grüße an Alle


    Ulrich