• Ich bin neu in der Gruppe. Mich interessiert folgendes:


    Welche Abendmahlspraxis gibt es bei den Amish? Gibt es ein bestimmtes Zugangsalter. Wer nimmt alles am Abendmahl teil? Wird das Abendmahl in beiderlei Gestalt genommen? Haben Kinder Zugang zum Abendmahl?

  • Herzlich Willkommen jaeger0501,


    "die" Amischen praktizieren zweimal im Jahr Abendmahl, dem zuvor eine Ordnungsgemeinde vorausgegangen ist. In dieser Ordnungsgemeinde soll sichergestellt werden, dass es keine Uneinigkeit unter den Geschwistern gibt und dass somit niemand - wie es in der Schrift heißt - "unwürdig" von diesem Mahl nimmt.


    Am Abendmahl und an der Ordnungsgemeinde dürfen nur Gemeindemitglieder teilnehmen, also nur diejenigen, die durch die Glaubenstaufe in der Gemeinde sind. Dies schließt Kinder z.B. aus. Das Abendmahl selbst wird in beiderlei Gestalt genommen und ihm folgt direkt im Anschluss daran - die in der Heiligen Schrift erwähnte - Fußwaschung.

  • Hallo, flokie!


    Danke für deine Antwort. Du hast mir damit schon weitergeholfen. Eigentlich hätte ich mir denken können, dass Kinder keinen Zugang zum Abendmahl haben, da eine Taufe bei den Amish ja erst im Erwachsenenalter möglich ist. Aber trotzdem danke.
    Ich selbst bin Methodist und interessiere mich sehr für die Praktiken in anderen Gemeinden. Vor allem geht es mir um Gemeinden, in denen Kinder als Säuglinge getauft werden. Warum sollten diese Kinder von Abendmahl ausgeschlossen sein? Wenn man ihnen das Verstehen der Taufe zumutet, dann sollte man ihnen konsequenterweise auch den Zugang zum Abendmahl in beiderlei Gestalt gestatten. Aber das sind sicher nur meine Gedanken dazu.


    Dir alles Gute

  • Die Kinder sind nicht getauft und deshalb folglich auch noch keine Glieder der Gemeinde. Und wie du schon richtig festgestellt hast, gibt es bei "den" Amischen, Mennoniten, Hutterern, Baptisten und vielen anderen Christen eben nur die Glaubenstaufe.

  • Hallo zusammen!


    Weiß jemand, welches Brot die Amischen beim Abendmahl benutzen (ungesäuert etc.)?


    Danke für eine Antwort!

  • "die" Amischen praktizieren zweimal im Jahr Abendmahl, dem zuvor eine Ordnungsgemeinde vorausgegangen ist. In dieser Ordnungsgemeinde soll sichergestellt werden, dass es keine Uneinigkeit unter den Geschwistern gibt und dass somit niemand - wie es in der Schrift heißt - "unwürdig" von diesem Mahl nimmt.


    Wie lässt sich diese amische Handhabung durch das Evangelium begründen? Kann mir das bitte jemand erklären?

  • Hallo Bappi,

    soweit ich gelesen habe, war die Anzahl der Abendmale einer der Streitpunkte bei den Täufern in Europa vor der Emigration nach Amerika. Aus dem Bibeltext ist zu entnehmen, das Jesus das Abendmal nur einmal mit seinen Jüngern vor seiner Kreuzigung eingenommen hat (vermutlich wir er öfter mit ihnen gegessen haben). Aber an diese eine Gegebenheit wird im heutigen Abendmal gedacht.

    Jetzt konnte es aber vorkommen, das wegen Krankheit oder anderen Umständen der Abendmahlbesuch genau an diesem Tag unmöglich war. Daher hat man sich auf einen zweiten Termin verständigt.


    Den ersten Termin würde ich auf die Tage vor Ostern setzen aber weis jemand wann der zweite Termin ist?


    Gruß

    Georg

  • Meine Frage bezieht sich eigentlich auf den zweiten Teil des Zitats, mein Fehler, das hätte ich trefflicher erklären sollen. Hier der zweite Teil:

    dass es keine Uneinigkeit unter den Geschwistern gibt und dass somit niemand - wie es in der Schrift heißt - "unwürdig" von diesem Mahl nimmt.


    Mit "Uneinigkeit" ist anscheinend ein Verstoss gegen Kleidervorschriften oder ein Verstoss gegen eine andere Ordnung der Amischen gemeint. Aber ich kann in der Bibel keine Grundlage, keine Begründung finden, aufgrund so etwas jemanden als "unwürdig" vom Abendmahl auszuschließen. Das ist was ich nicht verstehe, für diese Handhabung der Amischen suche ich eine Erklärung.

  • So wie die Amischen es handhaben. Indem das Abendmahl wegen Nichtigkeiten verweigert wird, wird massiven Druck auf Personen ausgeübt die in der Nachfolge Jesus Christi stehen. Mit diesem Instrument wird das Gewissen einzelner verletz. Diese Praxis hindert die Gemeinde letztlich an der Fähigkeit der moralisch-ethischen Entscheidungsfindung in der Bibelauslegung.


    Manche amische Gemeinden feiern wegen Nichtigkeiten über Jahre hinweg kein Abendmahl, man kann sich als außenstehenden nur schwer vorstellen, welch extremer gesellschaftlichen Zwang hier ausgeübt wird um Interessen durchzuboxen.


    Mit anderen Worten: Es wird das Gegenteil geübt, von dem Jesus Christus uns grundlegend befreien will.

  • Hallo,

    wenn man dich so list kommt einem der Eindruck, das du dem amische Lebe sehr negativ oder kritisch gegenüber eingestellt bist.

    Könnte das sein?

    Kannst du uns verraten aus welcher Quelle du deine Information zu dieser Blockadestrategie vor dem Abendmal schöpfst?

    Bei dir hört es sich an als wäre es die Regel und nicht eine Ausnahme.

    Die Gemeindeversammlung vor dem Abendmal soll Harmonie, Frieden und Ruhe in die Gemeinschaft bringen. Alle Streitigkeiten sollen beigelegt werden. Sodas man ohne belastende Gedanken das Abendmal gemeinschaftliches begehen kann.

    Das Abendmal ist ein Ereignis in dem das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt wird. Wir sind eine unzertrennliche Gemeinschaft, wir stehen gegenseitig für einander ein, wir gehören zusammen. Ja ein wenig wir gegen die sündige Welt da draußen.

    Das egoistische beharren auf Eigeninteressen widerspricht vollständig dem amischen Naturell. Das Individuum nimmt sich zum Wohl der Gemeinschaft zurück. Hier wird nicht um Ruhm und Ehre gekämpft, kein wer kann besser, schnell, höher und weiter.


    In der Gemeindeversammlung wird auch über Anpassungen in der Ordnung gesprochen und nicht alle Vorschläge werden angenommen. Die unterschiedlichen Ansichten führen selten zu einem Zerwürfnis (was ein Vorbote für ein Aufspaltung wäre), keiner wird einen Streit anfachen an dem das Abendmal scheitert. Wenn aber dennoch über Jahre keine Abendmal gefeiert wird, dann sage ich voraus, das diese Gemeinschaft zerfallen wird.


    selig sind die friedfertigen...

    Georg

  • Ich kann auf direkte Feldforschung zurückgreifen.


    Es ist keine Lösung Dogmen durch eine Ordnung zu ersetzt, wie es bei den Amischen der Fall ist.


    Die Amischen stellen weder ihre eigene noch die gesamte Geschichte infrage, sie hinterfragen sie nicht. Deswegen sind sie auch nicht bemüht das Evangelium und der Apostel Exempel neu zu verstehen und zu deuten. Sie begründen alles mit Tradition. Man tue es nach alter Väter Sitte. „Es esch der Brauch“, im Dialekt. Nicht, dass sie wichtige Daten der Geschichte nicht schon gehört haben, sie haben Märtyrerspiegel und andere Bücher zur Hand. Sie wissen von der ersten Erwachsenentaufe 1525 in Zürich, aber sie haben das Anliegen der damaligen Täuferinnen und Täufer nicht (mehr) vor Augen. Sie Wissen, dass ein Jakob Amman für die Abspaltung der Amischen steht, aber sie wissen kaum etwas über die Hintergründe und Auswirkungen. Es gibt unter den Amischen bis heute keine nennenswerte Erneuerungsbewegung, also kein sich zurückbesinnen auf die Bibel und lernen aus der Geschichte, deswegen fehlt ihnen der Ausgangspunkt für eine Theologie der Gegenwart. Sie verharren in Gepflogenheiten.


    Wenn wir jetzt zurück zum Thema kommen, müssen wir uns zuerst die Frage nach der Gewaltfreiheit stellen. Das Abendmahl vom Ergebnis ob eine Entscheidungsfindung in der Gemeinde gelingt oder nicht abhängig zu machen, hat nichts mit Gewaltlosigkeit gemein. Denn es setzt ungeheuren Druck auf jene aus, die einen anderen Standpunkt vertreten. Es wird zu allem Übel auch noch mit Christi Leiden am Kreuz, zur Unterordnung argumentiert (Sühnetheologie). Mit dieser Argumentierung lässt sich jede Art von Unterdrückung rechtfertigen — aber keine Beziehung zu Gott aufbauen.

  • Fasel möchte ich uneingeschränkt zustimmen. Katholischen Dogmen kann man sehr viel leichter entkommen als einer amischen Ordnung.


    Seit 1979 waren mir Einblicke in verschiedene amische Gemeinden möglich. Keiner unserer Bekannten lebt noch in der Gemeinde, in der wir sie kennen lernten. Entweder sind sie Auseinandersetzungen durch Umzug zuvor gekommen, oder die Gemeinde hat sich gespalten, bzw. ist mehrheitlich zu einer anderen ("höheren") Gruppierung gewechselt.


    Die überzeugende Gewaltlosigkeit nach außen hat ihren Preis oftmals in unglaublicher Selbstverleugnung Einzelner.

    Edited once, last by gisela ().

  • Wenn wir jetzt zurück zum Thema kommen, müssen wir uns zuerst die Frage nach der Gewaltfreiheit stellen. Das Abendmahl vom Ergebnis ob eine Entscheidungsfindung in der Gemeinde gelingt oder nicht abhängig zu machen, hat nichts mit Gewaltlosigkeit gemein. Denn es setzt ungeheuren Druck auf jene aus, die einen anderen Standpunkt vertreten. Es wird zu allem Übel auch noch mit Christi Leiden am Kreuz, zur Unterordnung argumentiert (Sühnetheologie). Mit dieser Argumentierung lässt sich jede Art von Unterdrückung rechtfertigen — aber keine Beziehung zu Gott aufbauen.


    Ich möchte etwas näher darauf eingehen. Mit Sühnetheologie ist hier die Satisfaktionslehre des Anselm von Canterbury (1033–1109) und darauf konstituierenden Modelle, Parallelen und Folgen gemeint. Es ist eine Lehre die das Leiden und Sterben Jesus am Kreuz, notwendig als Sühneopfer für die Erlösung sieht, um die durch den Menschen verletzte Ehre Gottes wiederherzustellen. Damit wird Gott eine solche Forderung angelastet. Aber auch, wie oben, von Menschen erzeugtes Leid und Unterdrückung, als von Gott geforderte Sühne gerechtfertigt.

    Wie aber kann ein Gott, der selbst Mittel der Gewalt zu „Rettung“ der Welt akzeptiert, sich im Leben Jesu offenbaren, das ganz auf den Weg der Gewaltfreiheit setzt? Aufbauend auf Gustaf Auléns Christus Victor Theorie, stellte sich der mennonitische Theologe J. Denny Weaver dieser Frage und entwickelte die Sicht der „narrative Christus-Victor-Theorie“. Sein aktuelles Buch, leider nicht in Deutsch erhältlich, nennt sich The nonviolent God, übersetzt Der gewaltfreie Gott, lohnt sich zu lesen.


    „Gott sandte Jesus nicht, um zu sterben, sondern um zu leben und die Herrschaft Gottes sichtbar und gegenwärtig zu machen.“ J. Denny Weaver, Seite 89, The Nonviolent Atonement.


    Nebenbei bemerkt: Ein Video in dem Weaver interviewt wird, findet sich auf Youtube