selbst ein bisschen "amisch" im alltag sein

  • Mehrmals hab ich hier schon von den Gedanken gelesen, eine Amische Gemeinschaft aufzubauen oder ob ein amisches Leben überhaupt Wirtschaftlich ist.
    Bei vielen Beiträgen klingtfür mich eine Sensucht nach Ruhe und einen einfachen Leben heraus - mit dem wohl die Amischen gern identifiziert werden. Auch ich mache das, wenn auch ich weis, dass auch sie, oftmals mit dem Alltag einer immer schnelllebigern Zeit zurechtkommen müssen. Aber ihnen scheint es gelungen zu sein, eine gewisse Balance zu schaffen.


    Darum meine Frage was hindert uns daran selbst ein bischen "amisch" zu sein?
    Keine Ahnung - den Fernseher rauswerfen (da sowieso nur ... kommt), Zeit mit Freunden und Famile verbringen, Jedem in seiner Not beistehen und helfen, sich intensiv mit dem eigenen Glauben auseinandersetzen und vor allen Dingen ihn leben usw.
    Ich denke jeden ist es möglich gewisse Dinge zu ändern, wenn auch nur kleine ...


    Was haltet ihr davon? - hätte noch jemand ideen wie man das eigene Leben "amischer" gestalten könnte?


    Gott zum Gruße, sebastian.

  • Hallo Sebastian!


    Deine Idee ist sehr gut und eigentlich auch nicht schwer umzusetzen. Statt nur davon zu träumen, Amish zu sein, einfach versuchen zumindest "ein wenig Amish zu werden".
    Z.B. einfach seinen Umgang mit Konsumgütern neu überdenken: brauche ich all diese Lebensmittel, die angeboten werden? Kann ich mich nicht auch einfacher (und demzufolge wahrscheinlich auch) gesünder ernähren? Wie wär's mit Second-Hand-Kleidung? Nachhaltigkeit ist gerade bei uns ein wichtiges Thema. Was kann ich alles selbst machen? Brauche ich für jeden kleinen Weg das Auto/ den Bus,...?
    Wer in meiner Umgebung braucht MICH? Meine alte Nachbarin, ein guter Freund, mein Arbeitskollege?


    Ich finde, Deine Idee ist prima.
    Danke für Deinen Denkanstoß.


    Joeli

  • Ich weiß dass es schon eine ganze Weile her ist seit dieser Thread geöffnet wurde aber ich muss sagen ich beschäftige mich schon seit einiger Zeit mit dem Thema Amish Leben.

    Und ich muss dir auf jeden Fall Recht geben Sebastian.
    Seit mehreren Monaten versuche ich nun das von dir beschriebene "bisschen Amish" in meinen Alltag einzubringen und ich muss sagen es war wahnsinn wie sich mit der Zeit der Blick für das Wesentliche wieder schärft.
    Wie offen man wieder für seine Mitmenschen wird und wie langsam eine innere Ruhe oder besser gesagt ein innerer Frieden in einem entsteht.


    Ich muss gestehen ich selbst fühle mich besser und bin auch ruhiger geworden und werde wohl auch in Zukunft weiter versuchen einen Amish Funken in mein Leben zu lassen.
    Aber ich finde es klasse dass noch andere Menschen so denken wie ich .


    Viele liebe Grüße
    Chantal - Cathrin

  • Liebe Chantal-Cathrin,


    es freut mich, dass sich dein Leben positiv verändert hat und auch freut es mich, dass ich dazu einen kleinen Beitrag leisten durfte!


    Wie du such schon sagtest, ist es schön zu wissen dass es Menschen gibt die ähnlich denken wie man selbst.


    Auch wenn es nicht immer leicht ist, versuche auch ich weiter im Alltag ein bisschen amisch zu sein. Dabei sind die Erfahrungen doch durchwegs positiv. Vor allem wenn man versucht die "Gelassenheit" zu leben...



    Ich wünsche dir, Cahntal-Cathrin weiterhin viel Glück und Gottes Segen!


    Schöne Grüße aus Bayern!

  • Danke für eure Offenheit über positive Lebenseinstellung durch ein Stück Amish Lifestyl bei sich selbst erleben . Mir geht es ebenso .Bin innerlich viel ruhiger und gelassener auch bei meinen Mitmenschen geworden .Hatte früher diese Ruhe nur bei der Arbeit mit den Pferden .Nun höre ich die anderen jammern dass der Stress und die Hektik unerträglich sei .War diese Wetteiferei Gottgewollt? Der Friede auf Erden war es sicher.


    Mit den besten Glückwünschen fürs neue Jahr,bleibt Gesund und Zufrieden mit Amish-cool.

    Edited once, last by Spyder: Korr. ().

  • Hallo Alle,


    Die Idee ist garnicht so schlecht ein bisschen Amisch im Alltag leben.
    Ich denke ich mache da schon einiges, weil ich meine kleine Landwirtschaft komplett mit Pferden betreibe. Das ruft in meinem Umfeld ein geteiltes Echo hervor. Es gibt Menschen die sind total begeistert davon und bringen es auch zum Ausdruck.
    Dann gibt es auch die anderen, aus welchen Gründen auch immer, die dann dagegen sind und auch auf konfrontation gehen.


    Zum Glück sind aber diejenigen, die es positiv sehen in der Überzahl.



    Dann noch eine weitere Erfahrung. Ich beschäftige mich schon seit 1997 mit den Amischen, mal mehr mal weniger, aber sehr intensiv seit meinem Besuch dort im Jahr 2000.
    Ich habe dann angefangen mich selbst ein wenig zurückzunehmen, und nicht immer darzustellen was ich alle so toll kann und mache. Vor allem im damaligen Beruf war das nicht immer sehr gut, weil einem die Kollegen dann einfach "unterdrücken" wenn sie ihre Leistungen anpreisen wie die Marktschreier.


    Mein Fazit: Man muss einfach schauen, wo kann ich Amisch Leben und wo nicht.


    In diesem Sinne

    ... mit Pferden arbeiten .....

  • Servus Zusammen!


    Ich möchte Euch Amisch-Verrückten (im positiven Sinne ;) ) über eine etwas andere Idee berichten. Ich bin selber an das Amische Leben interessiert, aber auch, fast noch mehr, in das der Hutterer. Ich habe in zwei Aufenthalten 2011 und 2012 insgesamt 6 Monate in ca. zwei Dutzend Gemeinden mitgearbeitet, gegessen, gebetet und geschlafen -so deffinieren sie selbst ihr Leben ;) Über 30 Gemeinden aller Gruppen habe ich besucht., von sehr liberal bis sehr konservativ.


    Der Unterschied zum Leben der Amischen sollte bekannt sein, hier ein paar wichtige Punkte...
    - Gottesdienst gibt es jeden Tag
    - Auf der Arbeit ist man der modernen Technik nicht abgeneigt, bis zu 20.000 ha Land
    - gütergemeinschaftliches Leben von bis zu 150 Menschen in dem sogar zusammen gegessen wird
    - es gibt keine Bezahlung der Arbeiter


    Nachdem das Leben dort sehr befreient für mich war und ich ein hohes Allgemeinwohl auch bei schwerer Arbeit hatte, habe ich überlegt wie eine abgeschwächte Version hier in Mitteleuropa aussehen könnte. Es ist natürlich nur mit sehr viel Glück in die Realität umzusetzen, aber ich will´s euch mal nicht vorenhalten ;)


    In einer ländlichen Gegend von ein paar wenigen Hektarn kleien Höfe aufkaufen/bauen. Dort gemeinschaftliche Gebäude wie Backstube, Schlachthaus/Käserei aber auch (falls gewollt) Waschhaus, Gebetshaus, Brenn/Brauhaus, Kindergarten/Schule aufbauen- die Hutterer haben Mulitfunktionsgebäude wo mehrere dieser gemeinschaftlichen Arbeiten erledigt werden können. Diese könnten aber auch in nicht genutzte Gebäuden auf einem Hof oder in zentraler Lage zu allen Höfen aufgebaut werden.



    Geschlachtet und verwurstet wird je nach Bedarf in zeitlichen Intervallen von jeder Familie ein Schwein, Rind, ein paar Hühner, etc wo alle entbehrbaren Arbeitskräfte helfen. Entlohnt für Fleisch und Wurst muss nicht da jede Familie irgendwann ein Tier "opfert".
    Gebacken wird für alle täglich/ alle zwei, drei Tage von Einwohner die sich abwechseln.
    Für den Kindergarten/Kinderobhut ist dann zum Beispiel jede Woche eine andere Mutter zuständig.
    usw.


    Somit könnte sich eine Familie zwei Kühe halten die dann ihre Milch/Käse mit anderen Familien tauscht, die sich zum Beispiel auf Honig/Gemüse/Eier "spezialisiert" hat...


    Überschüssige Produkte können auf dem Markt oder in einem "Dorf/Gemeinschaftsladen" verkauft werden.


    Gewirtschaftet wird natürlich ganz normal in die eigene Tasche/der der Familie, aber zur Herstellung gewisser Güter die Zusammenarbeit sicherlich sinnvoll und macht ernährungstechnisch weitestgehend unabhängig.


    Das Problem wird in einem hutterischen Zitat deutlich: "Gemeinschaft wär nicht schwer, wenn der eig´ne Will´n nicht wär! ;)


    Die Idee müsste ja nicht so ausgereift sein, es könnten sich auch einfach drei, vier Familien zusammentun (auch im Dorf) und halten sich zusammen ein/zwei Schwein/e, eine Milchkuh, zehn Hühner, Bienenstöcke etc. Dazu noch ein Back- und Schlachthaus und Käserei (ein Raum im Keller z.B.) in der alle paar Tage/Wochen eben Produkte zusammen hergestellt werden.


    Wie es dann mit dem Einsatz von Maschinen/Tier für die Feldarbeit aussieht, ist eine andere Frage :P


    Wie findet Ihr die Idee?


    Wenn jemand so etwas aufbaut oder es möchte, bitte mir bescheid geben ;)



    mfG


    PS: Wenn mir jemand mehr Infos zur amische Lebensmittelprodukten geben kann, bitte hier antworten:
    Amische Produkte

    Edited once, last by Franke ().

  • Die Idee der Hutterer mit dem gemeinschaftlichen Leben ist nicht schlecht. Wir hatten die Idee - allerdings im Familienverbund - um so von Jung bis Alt zusammen leben zu koennen. Die Frage ist natuerlich -- wo bekommt man z.b. Bauland / Farmland her auf dem man sich unabhaengig ausbreiten kann, d.h. auch Baugenehmigungen, Genehmigung zum Brunnen bohren etc. bekommt? Versuche mal 1000 ha Land zu kaufen und dann ein Stueck als Bauland genehmigt zu bekommen auf dem Du dann 10 Haeuser bauen willst. Heute fast unmoeglich - oder hat jemand andere Erfahrungen machen koennen?

  • Diese Ideen oder ähnliche der Bruderhöfe oder Gemeinschaften wird immer wieder in verschiedenen Gruppen diskutiert, auch immer wieder in aktuellen Foren.


    Mir würde auch auch eine Art Weiler mit Pferdebauernhöfen und Gemeinschaft gefallen.


    Die Idee wird auch in einigen Ökodörfern gelebt.


    im Ökodorf Siebenlinden war ich mal, das ist dort ähnlich. Aber es gibt noch mehr Ökodörfer, googelt einfach mal danach.


    Dann gibt es das Gut Amalienruh wo auch eine Idee verfolgt wird.


    Viel Spaß beim stöbern.

    ... mit Pferden arbeiten .....

  • Ich denke auch das es kein Neubau sein muss, vor allem weil alte Weiler/Güter schon ihren gewissen Charme mitbringen und diese zur Umsetzung eines solchen Projektes besser geeignet ist, da meist Land und Infrasturktur schon vorhanden ist. Ich denk auch nicht das man dafür 1000 ha benötigt ;) Ein bisschen Wald, Land für Getreide, den Gemüsegarten und vielleicht sogar Obstanbau sollten reichen.


    Und man muss sich ja nicht komplett abhängig von den anderen Bewohnern machen. Ich habe mir das so gedacht das jede Familie ganz normal für sich wirtschaftet, ob jetzt landwirtschaftlich oder durch selbstständiges Handwerk oder sogar Dienstleistungen.
    Jedoch bei gewissen Arbeiten, wie Schlachten, Lebennsmittelerzeugung, Ernten etc sich gegenseitig unter die Arme zu greifen um unabhängiger zu sein. Außerdem leistet jede Familie nacheinander ihren Dienst, wie backen, vielleicht sogar die Kleinkinder der Gemeinde versorgen und unterrichten, ein Schwein zum Schlachten "opfern" usw. Zusätzlich kann man mit den Nachbarn Gütertausch betreiben, je nachdem was man benötigt und was zu viel vorhanden ist, den Rest kann auf Märkten oder im eigenen Laden verkaufen.

  • Hallo Markus,


    Dein Konzept klingt sehr sympathisch und ich wünsche Dir zuverlässige und fleißige Mitstreiter. Hier im Forum interessieren sich Viele für eine naturnahe und geistlich gegründete Lebensweise. Schon in ca. 8 Wochen beginnt die diesjährige Ackersaison für Getreide, und es wäre doch schön, wenn Du dann schon loslegen kannst. Vielleicht kannst Du es an Deiner Uni als Projekt anerkennen lassen. Welche Vermarktungslinie der Hutterer hat Dich denn am meisten überzeugt?


    Grüße von Gisela

  • Ich find auch, dass deine Idee dehr gut klingt. Ich könnte mir auch vorstellen, einmal so zu leben.


    Ich hab noch eine Frage zu den Hutterern. Sie verbringen ja soviel Zeit in der Gemeinschaft (Arbeiten, tägliche Gottesdienste und sogar Essen!) Welchen Stellenwert hat da die Familie? Ich habe das Gefühl, dass hier nicht nur das Individuum unter der Gemenschaft steht, sondern auch die Familie einen deutlich geringeren Stellenwert hat. Wenn man soviel Zeit in der Gemeinschaft verbringt, gemeinsam isst, die Kinder gemeinsam großzieht, wo bleibt da Zeit für die Familie?
    Vielleicht hab ich das ja auch irgendwie falsch verstanden.
    Ich würde mich freuen, wenn du mir ein bisschen Nachhilfe in Sachen Hutterer geben könntest :)


    LG Keturah

  • gisela : dankeschön! Vielleicht kann ich es bei meinem Master mit einbringen, bei dem ich auf jeden Fall mehr in Richtung Kulturwissenschaften gehen möchte. Diesbezüglich habe ich auch gleich eine Frage. Welche Institutionen beschäftigen sich denn mit der Erforschung der Wiedertäufer? Ich kenne einen Verein mit Museum in der Pfalz glaube ich war das.


    Was meinst du denn genau mit "Vermarktungslinie"? :)


    Ich lass jetzt mal ein paar Gedanken raus so wie sie gerade kommen, deshalb Entschuldigung für die holprige und schlechte Schreibweiße und -Fehler.


    Keturah : Ja sie verbringen beinah ihre gesamte Zeit dort, was sollen sie auch anderes tun? Es ist ein Dorf oft duzende von Kilometern von der nächsten Stadt entfernt. Die Stadt wird auch nur bei Arztbesuchen und geschäftlichen Tätigkeiten angefahren. Meistens wollen die Hutterer nicht mal sonntags in eine andere Gemeinde fahren um zu "spazieren" (sich zu unterhalten). Die meisten sind froh, wenn sie nicht vom Hof müssen...
    Das der Stellenwert der Familie unter der der Gemeinde ist, stimmt. Für uns wäre das sicherlich oft schwer als "Zugezogener", für sie aber ist es das normalste der Welt, da sie es eben nicht anders kennen. So kennen sie beinah keinen Höflichkeitsformen wie Bitte, Gesundheit, etc untereinander weil sie sich als große Familie sehen und keinen Unterschied zwischen leiblichen oder geistlichen Bruder sehen (so haben sie mir das erklärt).


    Die Wohnungen werden nicht abgeschlossen und Klingen gibt es auch nicht. Nach dem Abendessen bleiben die Familien nur selten unter sich, was auch sehr von Gemeinde zu Gemeinde bzw. wie konservativ/liberal diese ist, ist. Ich konnte nicht feststellen das es störend für sie war, Besuche zu haben, ganz im Gegenteil. In konservativen Gemeinden gibt es nichts anderes als ihre Freizeit mit "spazieren" zu verbringen. Jedoch gibt es Gemeinden in denen ich eine Woche lang war, und kein anderes Haus betreten habe außer das des Predigers. Dort hängt aber auch oft der "Gemeinschaftssegen" schief... Die Hutterer sind eben sehr heterogen, sogar innerhalb der verschiedenen Leut gibt es rießen Unterschiede, manche Gemeinden würde ich behaupten, sind strenger als die meisten Old Order Amisch.
    Allgemein kann man sagen, dass das Familienleben sich auf das morgendlichen und abendlichen Gebet und Liedersingen beschränkt, jedoch wird in manchen Gemeinden wird das Abendessen Sonntags in den Häusern gehalten.


    Ein Beispiel, wie selbstverständlich für sie das ist: In einer der reichsten und größten Gemeinden war ich bei der Kartoffelernte dabei. Diese dauert 6 Wochen und es kamen aus anderen Gemeinden junge Menschen um zu helfen. Beginn ist mit dem gemeinschaftlichen Frühstück um 5, dann wird aufs Feld gefahren bis man um 8-10 wieder auf dem Hof ankommt. Das geht von montags bis einschließlich samstag. Nach dem Abendessen war ich natürlich reif fürs Bett. Die jungen Leute aber warteten noch bis der letzte wieder auf dem Hof war und gegessen hat und sind dann gemeinschaftlich um 23 Uhr in die Sporthalle (eigentlich nicht erlaubt, aber es war eine sehr liberale Gemeinde) gegangen um bis um 1 Uhr Volleyball zu spielen. Danach noch duschen und bis man dann abgeschalten hat, ist 2 Uhr. Um 5 geht das ganze dann von vorne los... Für mich sehr anstrengend, für die junge Leute ein Vergnügen, Gäste auf dem Hof zu haben :D Sonntag können die "Buem" meist auch nicht still sitzen und gehen in die Werkstatt um das Equipment instand zu halten...


    Ich hab deine Frage hoffentlich zufriedenstellend beantwortet, ansonsten frag einfach nochmal nach.


    Für weitere Fragen steh ich gern zur Verfügung :)

  • Der hutterische Kartoffelanbau, lieber Markus, ist ein gutes Beispiel für die Vermarktung.


    Du strebst doch Autarkie an. Die Autarkie bei Kartoffeln dürfte in unseren Breiten bei ca. 250kg/Jahr pro Person liegen, wenn ich von meiner Familie ausgehen, in Nordamerika wohl noch weniger. Soviel würde in einer hutterische Kolonie in einer Stunde geerntet sein. Was haben sie mit ihrem gigantischen Kartoffel-Überschuss gemacht? Vertragsanbau für Lebensmittelkonzerne? Oder selbst zu Pommes Frites veredelt? Und wie sieht die Fruchtfolge aus? Was bauen sie im kommenden Jahr an, wenn sie Nematoden vermeiden möchten?


    In Europa kenne ich keine täuferische Forschungseinrichtung, die an eine Uni angebunden wäre. Aber das kann Dir ein Kulturwissenschafts-Prof. in einer Studienberatung genauer sagen. Gruß von G.

    Edited 4 times, last by gisela ().

  • @ Keturah : es gibt ein schönes Buch von Micheal Holzach, Das vergessene Volk. Sehr interesant zu lesen über die Hutterer.


    @ Gisela: 250 kg pro Jahr und Kopf, erscheint mir etwas viel ?

    ... mit Pferden arbeiten .....

  • Vielleicht kann ich es bei meinem Master mit einbringen, bei dem ich auf jeden Fall mehr in Richtung Kulturwissenschaften gehen möchte. Diesbezüglich habe ich auch gleich eine Frage. Welche Institutionen beschäftigen sich denn mit der Erforschung der Wiedertäufer?


    Darauf antwortet Gisela:


    In Europa kenne ich keine täuferische Forschungseinrichtung, die an eine Uni angebunden wäre.

    Da hat Gisela in Bezug auf das Kulturelle schon recht ... aber es kommt auf den Schwerpunkt an, und der täuferische Schwerpunkt ist immer ein Theologischer. Alles andere ist ein Produkt davon.


    In Deutschland gibt es „Die Arbeitsstelle Theologie der Friedenskirchen“ (ATF) Fachbereich Evangelische Theologie, Universität Hamburg.


    Als weiteres ist das „Theologisches Seminar Bienenberg“ zu nennen, dies ist Mitglied der Gesellschaft für Bildung und Forschung in Europa (GBFE). Arbeitet u. a. mit der University of South Africa (UNISA) zusammen.

  • Der hutterische Kartoffelanbau, lieber Markus, ist ein gutes Beispiel für die Vermarktung.


    Du strebst doch Autarkie an. Die Autarkie bei Kartoffeln dürfte in unseren Breiten bei ca. 250kg/Jahr pro Person liegen, wenn ich von meiner Familie ausgehen, in Nordamerika wohl noch weniger. Soviel würde in einer hutterische Kolonie in einer Stunde geerntet sein. Was haben sie mit ihrem gigantischen Kartoffel-Überschuss gemacht? Vertragsanbau für Lebensmittelkonzerne? Oder selbst zu Pommes Frittes veredelt? Und wie sieht die Fruchtfolge aus? Was bauen sie im kommenden Jahr an, wenn sie Nematoden vermeiden möchten?



    Ok, dann habe ich es doch richtig verstanden, ich dachte du meinst das eventuell bezogen auf das gemeinschaftliche oder geistliche Leben.


    Wie schon erwähnt, ist diese Gemeinde eine sehr liberale Dariusgemeinde, selbst konservative Dariusgemeinden würden zu diesen Gemeinden nicht fahren. Die Gemeinde ist nicht mehr sehr breit aufgestellt. Vieles wird in der Stadt oder bei anderen Gemeinden gekauft. Es ist auch eine der wenigen Gemeinden, in der Internet erlaubt ist. Die Gemeinde ist einer der größten Kartoffelproduzenten der Region und liefert diese direkt an ein weiterverarbeitendes Unternehmen.
    Man muss dazu sagen, das Hutterer in einer "Gemeindegeneration" von 25-30 Jahren einen Gewinn von mehreren zehn Millionen Euro erwirtschaften müssen damit sie einen neuen Hof errichten können. Deshalb produziert jede Gemeinde im Überschuss. Je nachdem, verkaufen sie Schlachttiere, Getreide oder aber auch handwerkliche Dinge weiter um einen neue Gemeinde bauen zu können. Das ist von vielen nicht gewollt aber ohne dieser Art des wirschaftens wären aus drei Höfen 1874 nicht 500 geworden.


    Fruchtfolge wird natürlich beachtet und je nach Region wird oft über Jahre gar nichts angesäßt.



    @ Keturah : es gibt ein schönes Buch von Micheal Holzach, Das vergessene Volk. Sehr interesant zu lesen über die Hutterer.



    Das beste mir bekannte Buch ist von Rod Janzen und Max Stanton von 2008, "The Hutterites in North America", da es wissenschaftlich aber trotzdem gut zu lesen ist. Es ist über Amazon zu erwerben, auch wenn es nur auf Englisch ist. Ich konnte es gut verstehen, auch wenn mein Englisch nicht das beste ist. Ich hatte das Glück Max Stanton (Anthropologe) zu treffen und mit ihm ein paar Gemeinden zu besuchen, ich konnte viel von ihm lernen ich konnte ihm aber auch einiges über die Sprache berichten, da ich außschließlich Deutsch oder Hutterisch gesprochen habe, er jedoch, obwohl er Deutsch kann, Englisch.
    Dann gibt es noch "Die Hutterer" von Rolf Wilhelm Brednich was ich von Schreibweiße und Menge dem des von Michel Hulzack (so nennen die Hutterer ihn) gleicht. Jedoch ist es ein wenig wissenschaftlicher geschrieben da der Autor Volkskundler ist und im Jahre 1980 ebenfalls ein Jahr in SK, Kanada bei den Dariusleut gelebt hat.
    Übrigens, ich war auch längere Zeit in der Gemeinde von Michel Hulzack, einer der strengsten überhaupt und es hat sich beinah gar nichts verändert :) Jedoch hat er "Abbitten" müssen da er ohne Erlaubnis das Buch veröffentlicht hat...




    http://www.mennonitischer-geschichtsverein.de/index.html
    Das meinte ich, auch wenn es hauptsächlich um Mennoniten geht. Der "Betreiber" ist Gary Waltner. Am Namen kann man erkennen das seine Vorfahren Hutterer gewesen sein könnten, was auch der Fall ist.

    Edited once, last by Franke ().

  • Hallo Fuhrmann,


    Du hast Recht, 2011 hat der Durchschnittsdeutsche nur 57 kg Erdäpfel verzehrt; das hätte ich nicht gedacht. - Wir sind "ein bisschen amisch im Alltag", bauen unsere Kartoffeln selbst an und kochen sie täglich: Salzkartoffeln, oder Bratkartoffeln oder Kartoffelbrei. Ansonsten mag unsere Ernte bescheiden ausfallen, aber an Kartoffeln, Zucchini und Sonnenblumen mangelt es uns wirklich nicht. Gruß von G.

    Edited once, last by gisela ().