Wieso habe ich mich auf dieser Homepage Registriert

  • Hallo Gisela,


    die technologisierung hält halt starken Einzug, was z.T ja auch gut ist... sonst könnte man sich ja nicht per PC "unterhalten". Wichtig ist meiner Meinung nach aber "ohne" zu können. Der Trend geht in unseren Industrienationen ja leicht (aber auch nur hauchzart) zur Selbstversorgung - die Mischung machts!


    Welcher täuferischen Richtung die Familie angehört weiss ich leider nicht.


    Eden sagt mir in der Beziehung weit entfernt etwas, konkretisieren kann ich es aber leider nicht.


    Schweden ist ein tolles Land, aber leider politisch nicht ganz ohne. Aber so ist politik halt.


    Viele lieben Gruesse!

  • Hallo AlleyCat, ja, im Netz gibt es ganz tolle Selbstversorger-Foren, und die Anzahl der Zeitschriften im Stile von Landlust ist inzwischen kaum noch zu überblicken. - Amische Familien dagegen agieren bei der Selbstversorgung erstaunlich undogmatisch, denn ihre Lebensweise will ja keine antimoderne Ersatzreligion sein, sondern Festhalten an den Glaubenspositionen der verfolgten Täufer im 16. und 17. Jahrhundert.


    Die Old Order Amish in Nordamerika schicken ihre Kinder nicht in Kindergärten, denn das alltagspraktische Lernen soll im eigenen Haus (Haushalt, Garten, Stall) stattfinden. Doch beim schulischen Lernen setzen sie ganz auf die Gruppenerfahrung und die Ergänzung der Eltern durch eine andere erwachsene Person, die das - für diese Lebensform so entscheidende - Gruppen- und Sozialverhalten vermitteln und einüben hilft.


    In Schweden gehören auch Jagen und Fischen zu den guten Seiten der Natur. Wild- und Fischgerichte mit selbstgesammelten Pilzen oder Beeren als Sonntagmenü haben uns immer gut geschmeckt, als mein Mann und ich vor 20 Jahren in Darlana Web- bzw. Blockhauskurse besuchten. Habt Ihr die Hemslöjd-Bewegung schon entdeckt? Bei uns gibt es heute Rote-Beete-Zucchini Gemüse und Birnenkompott als Nachtisch, alles aus dem eigenen Garten. Sonntagsgrüße von Gisela

    Edited 2 times, last by gisela ().

  • Hallo,ich finde die Amish und ihr Leben fazinierend.Im Tv zeigten sie noch eine Sendung,wo Amish Jugendliche einige Tage in einer Familie die keine Amish People sind mitwohnen durften.So die Unterschiede zu sehen und all das war fazinierend.Die Amish Jugendlichen fand ich so toll:)Dann hab ich mal gegooglet und eure Seite gefunden.Echt klasse,danke:)

  • Liebe Amish Gemeinde,
    ich habe gestern im Fernsehen den objektiven und sachlichen Bericht über die Amish-People gesehen. Spontan habe ich nun heute nach Informationen im Internet gesucht und habe mich direkt hier angemeldet.
    Ich habe großen Respekt vor Menschen, die ihre persönliche Einstellung zum Leben und ihren starken Glauben in dieser Art durch die Jahrhunderte gerettet haben und praktizieren.
    Nicht jeder versteht die Strenge, aber nur so konntet ihr eure Gemeinschaft erhalten.
    Mancher, der euch belächelt, wünscht sich eine feste Gemeinschaft und Geborgenheit, wie bei euch. Ich habe auch gesehen, dass ihr auch Kompromisse schließt. Dadurch aber nicht vom Weg abkommt. Ich werde aufmerksam alle Beiträge hier lesen und hoffe so, mehr von der Geschichte und dem Leben zu erfahren.
    Viele Grüße aus dem Westerwald von Werner

  • Herzlich willkommen Werner!


    Nur um Mißverständnissen vorzubeugen...hier gibt es keine Amischen. Die, die hier schreiben, sind Menschen, die sich für die Amischen interessieren.


    Lieben Gruß und viel Freude beim Durchstöbern,
    Anne

  • Jaaaa, herzlich willkommen hier im Forum.


    Du wirst hier bestimmt eine ganze Menge an Informationen bekommen. :rolleyes:


    Viel Spaß beim Lesen.


    LG Sandra

  • Die Amische Gemeinde hat mich schon fasziniert, sie leben ihren Glauben und stören sich nicht an der Gesellschaft.
    Die wie wir wissen immer was zu meckern hat oder man wird schief an geguckt wenn man nicht so reinpasst.

  • Och Elli, bei den Amischen gibt es auch so einiges zum Meckern und schief angucken tun sie ihre amischen Nachbarn auch, wenn die ein bißchen aus der Rolle fallen....
    Es kommt immer so rüber als seien alle Amischen Engel. Sind sie aber nicht....Lästern z.B. ist besonders bei den amischen Frauen beliebt...aber das ist wahrscheinlich universell :whistling:

  • Will doch fast jede einen Prinzen,König,Helden zum Manne haben,da sind eine Menge Nebenbuhlerinnen noch zum schlechtreden und auszutadeln .Aber wer sich mit dem gemütlichen Mittelmass zufrieden gibt hat viel mehr Freude am Leben, da sie diese Zickerei nicht nötig haben.Wurde sogar Wissenschaftlich bestätigt dass Frauen die keinen Helden heiraten eine weit dauerhafte/harmonische Familie mit gut geratenen Kindern haben.Während die Helden den Pascha spielen,untreu sind und zur nächsten weiterziehen.Ergebniss:Alleinerziehende Mütter.


    Grüsse von Josef.

  • Wie wahr, wie wahr!


    Aber das Geheimnis, lieber Josef, liegt jedoch darin wie SIE den mittelmäßigen Manne zum Helden macht, denn ein glücklicher Held ist der beste Ehemann von allen :)

  • Ein herzliches Grüß Gott zusammen,


    Einige Fragen beschäftigen mich, wenn ihr sie mir beantworten könnt, wäre ich sehr froh.
    Wie sieht es aus mit der Sozialversicherung bei den Amish ? Sind die Leute krankenversichert ?
    Haben sie eigene Ärzte oder gar Krankenhäuser ?
    Zahlen sie in eine Rentenkasse, und wenn, in welche ? Ab welchem Alter gibt es Rente ?
    Haben sie eine eigene Wasserversorgung und Abwasseraufbereitung ?
    Haben sie eigene Schulen und Kindergärten ?
    Haben sie eine eigene Kommunalverwaltung ? Haben sie eigene Bürgermeister ?
    Ich glaube, es ist in der heutigen Zeit mehr als schwierig eine in jeder Beziehung unabhängige Gemeinschaft zu gründen und zu erhalten. Die Amish gibt es schon seit Jahrhunderten, sie haben sich im Laufe von vielen Jahren etabliert. Damals war es in mancher Hinsicht wesentlich einfacher, aber die ersten Pioniere haben ein hartes Dasein erlebt, ehe eine Basis für eine dauerhafte Existenz gelegt war.

  • Lieber Eifellander, die Old Order Amish halten sich an den Satz des Paulus: "Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet" (Röm 13,1). Ihre Gemeinschaften wollen keineswegs "in jeder Hinsicht unabhängig" sein, sondern ähnlich wie Klöster oder Laienorden die sozialen Einrichtungen der Welt mit einer biblisch begründeten Lebensweise ergänzen und erträglicher gestalten. Sehr viele Siedlungsprojekte in Nord- und Mittelamerika waren alles andere als dauerhaft, denn die täuferischen Traditionalisten sind, auch wenn es anders scheinen mag, außerordentlich flexibel und mobil.


    Da jede amische Gemeinde alle Entscheidungen für sich - d.h. nur für den eigenen Kirchdistrikt - fällt, gibt es bis zu 2.000 Antworten auf Deine Fragen. Und alle sechs Monate können neue Entscheidungen getroffen werden.
    1. Sozialversicherung: Wegen der Trennung von Staat und Kirche zahlen amische Arbeitgeber ihren nicht-amischen Angestellten die gesetzlichen Pflichtbeträge. Angestellte Gemeindemitglieder sind von der "social security" der Bundesstaaten ausgenommen, weil für sie amisch Privatfonds (z.B. People's Helpers) einstehen, die von den Gemeindeältesten verwaltet werden.
    2. Krankenversicherung: Aus dem gleichen Grund sind die meisten Amischen privat versichert (Amish Church Aid).
    3. Ärzte oder gar Krankenhäuser: Bei Bedarf suchen sie Ärzte und Krankenhäuser ihrer Wahl auf. Auf kostspielige internistische Operationen haben sich z.B. mennonitische Krankenhäuser in Mexiko spezialisiert, zu denen regelmäßig gecharterte Sonderzüge aus den amischen Siedlungsgebieten fahren.
    4. Rentenkasse: Ein festes Renteneintrittsalter gibt es nicht. Bei den Landwirten kauft häufig der jüngste Sohn die Farm, dann sind die Altenteiler meist um die 60 Jahre. Bei Geschäften und Handwerksbetrieben steckt die "Rente" im Geschäft, und dessen Verkaufs, u.U. an ein Familienmitglied, dient der Altersvorsorge. Unverheiratete investieren je nach Ersparnissen in ein Haus, eine Farm oder ein Geschäft, das sie vermieten, um von den Einkünften zu leben. Wenn jemand nicht gut mit Geld umgehen kann oder bei drohender Insolvenz übernehmen gemeindeeigene "Wirtschaftsprüfer" die Konto- und Buchführung.
    5. Eine eigene Wasserversorgung: ist nötig, weil sie aus mit der Begründung der Religionsfreiheit nicht an öffentliche Leitungen angeschließen lassen. Windräder sind als Wasserpumpen verbreitet.
    6. Abwasseraufbereitung: ist teuer und kompliziert, deshalb versickern Abwässer meist ungeklärt. Ebenso wie bei Strom, Telefon und Wasser verweigern sie sich der Kanalisation mit dem Argument der Religionsfreiheit. Derzeit versuchen einige Bundesstaaten Klärgruben vorzuschreiben.
    7. Schulen: amische Kinder besuchen meist gemeindeeigene Privatschulen, die sie nach dem 8. Schuljahr beenden. In manchen Siedlungsgebieten betreiben amische und mennonitische Old Order Familien gemeinsame Schulen. Die wenigen Schulkinder in kleinen Siedlungsgebieten oder Kinder mit speziellem Förderbedarf besuchen gelegentlich öffentliche Schulen.
    8. Kindergärten: gibt es nicht. Kleinkinder werden in den Familien betreut. Nicht wenige Mütter oder junge Mädchen arbeiten innerhalb und außerhalb der Gemeinden als Tagesmütter.
    9. Kommunalverwaltung, Bürgermeister: Dafür ist der Staat zuständig, denn Staat und Kirche sind getrennt.
    10. Gemeindeleitung, geistliche Leitung: Die Leitung der Kirchengemeinden, die aus 3-25 Familien bestehen, liegt in den Händen von drei bis vier durch das Los bestimmten Männern, die getauft und verheiratet sind. Dieses Gremium leitet die Gottesdienste und hat zugleich das Mandat Gemeindebelange nach innen wie nach außen zu vertreten.


    Zusammenfassend kann man sagen, dass die Old Order Leute ganz im Sinne des Apostel Paulus weltliche Gesetze und Vorschriften einhalten, und darüber hinaus auf pazifistische Weise eine Parallelgesellschaft nach der jeweils eigenen Ordnung bilden. Sie sind alles andere als zivilisationsmüde Aussteiger. Wenn Du mehr über die Hintergründe erfahren möchtest und gern einfaches Englisch liest, dann kann sei Dir Donald Kraybills Buch The Riddle of Amish Culture ans Herz gelegt. Grüße von Gisela

    Edited 15 times, last by gisela ().

  • Vielen herzlichen Dank Gisela, für deine so schnelle und ausführliche Antwort, jetzt ist mir einiges klarer.
    Ich denke, die Sache mit den Abwässern ist so geregelt, das sie auf den landwirtschaftlichen Betrieben in dieselbe Grube fließen, wie die Jauche oder Gülle der Tiere, das war früher bei uns auch so.
    Wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es Kranken-, aber keine Rentenversicherung, d.h. die Alten müssen von dem leben, was sie erspart oder erwirtschaftet haben. Wieso muß denn der jüngste Sohn den Hof kaufen, das ist doch eine enorme finanzielle Belastung. Auf Rentenbasis geht das vielleicht, eingeschlossen mit der Pflege und Beköstigung der Eltern bis zu ihrem Lebensende, oder gibt es Altersheime ?
    Um wirklich einen Einblick in das Leben der Amish zu gewinnen, komme ich mehr und mehr zu der Überzeugung, muß man sich schon vor Ort informieren und sich mit den Leuten unterhalten. Da ich selbst vom Land und aus der Landwirtschaft komme, sogar gelernter Landwirtschaftsmeister bin, interessiert mich das Alles enorm, obwohl ich den Betrieb schon vor 13 Jahren komplett aufgegeben habe. Wenn ich sehe, wie heute hier in Deutschland und auch im restlichen Europa größtenteils Landwirtschaft betrieben wird, tut es mir nicht leid, aufgehört zu haben, da spielen fast nur noch materielle Gesichtspunkte eine Rolle, leider.

  • Lieber Eiffellander, ja, vor Ort kannst Du vieles erfahren. Die Amischen sind eine enorme Attraktion und bekommen mehr Besucher als der Vatikan und das Tadsch Mahal zusammen. Das schöne Siedlungsgebiet in Lancaster County liegt sehr günstig auf halber Strecke zwischen New York und Washington.


    Das mit den Abwässern kann schon problematisch werden, denn was ist mit Betrieben (z.B. Molkereien, Sägewerke, Zimmereien, Möbel-Tischlereien, Schmieden, Gärtnereien, Sattler-, Reparaturwerkstätten, Ladengeschäfte, Restaurants) oder Privathäusern, die kein Großvieh halten? Wir haben schon in einem amischen Haus ohne jede Grube gewohnt, wo alle Abwässer einfach in den Boden eingelassen wurden. Und das ist kein Einzelfall.


    Es gibt kein besonderes bäuerliches Erbrecht wie bei uns. Welches der Kinder einen Bauernhof übernimmt, ist nicht festgelegt, und die Altenpflege ist nicht an den Hof gebunden. Auch innerhalb von Familien werden Sachgüter eher verkauft oder versteigert als verschenkt oder vererbt. Wenn das älteste Kind heiratet und mit Unterstützung der Familie - und der Banken - eine eigene Existenz aufbaut, dann sind die Eltern gute 40 und zu jung für den Ruhestand. Schon in jungen Jahren orientieren sich die Old Order Leute in Richtung berufliche Selbständigkeit. Auch bei ihnen sind traditionellen Vollerwerbsbetriebe als Haupteinnahmequelle stark rückläufig. In den großen Siedlungsgebieten werden Betriebe häufig geteilt und diese spezialisiere sich dann z.B. auf Gemüseanbau, Geflügelmast, Hundewelpen, Ziegen- oder Schafsmilch. Den Markt beobachten sie genau und erzeugen dann das, was gut gefragt ist und was die Kinder als mithelfende Betriebsangehörige schon leisten können. Derart materielle Gesichtspunkte, wie Du es nennst, spielen gerade bei den Amischen eine bedeutende Rolle.


    Altenheime gibt es ebenso wenig wie Kindergärten. Zukünftige Altenteiler bauen sich auf dem Hofgelände eine eigene Altenwohnung und leben eigenständig solange es geht. Nicht wenige ehemalige Landwirte verbringen die Wintermonate gern im warmen Florida und vermieten solange ihre Bungalows im Mittleren Westen. Wenn ein Ehepartner stirbt oder bei Pflegebedürftigkeit, bieten im Idealfall alle Kinder die Betreuung an, und der Senior hat die freie Auswahl. In schweren Fällen wie bei Demenz, Alzheimer oder Bettlägerigkeit gibt es auch eine rotierende Pflege, bei der der Patient für einige Monate von einer (Schwieger-)Tochter gepflegt wird, bevor die Betreuung turnusgemäß zur nächsten wechselt.


    Promptes und klares Antworten gehört zu den ersten Lektionen, die man bei Amischen und Mennoniten lernen kann. Weshalb bist Du denn aus der Landwirtschaft ausgestiegen? fragt Gisela

    Edited 7 times, last by gisela ().

  • Nochmals ein herzliches Dankeschön für deine ausführliche und prompte Antwort, eine der vielen positiven Tugenden, die man sich im Leben mit den Amishen aneignet.
    Es gab mehrere Gründe, warum ich die Landwirtschaft aufgegeben habe. Als erstes wurde meine Ehe 1998 geschieden und meine Ex-Frau ist mit den Kindern weggezogen, im selben Jahr ist mein Vater gestorben, der auch noch bis fast zuletzt im Betrieb mitgeholfen hat. Meine Mutter konnte alters- und krankheitsbedingt nicht mehr helfen, so daß ich bis auf die geringe Hilfe meines Onkels alleine dastand. Wir hatten einen Milchviehbetrieb mit 35 Kühen plus Nachzucht, also viel Grünland, Getreide und etwas Kartoffeln haben wir auch noch angebaut, insgesamt 90 ha. Der Betrieb war nicht mehr modern, das war alleine einfach zuviel und groß investieren wollte ich verständlicherweise auch nicht mehr. Dazu kommt noch, das ich seit ca. 15 Jahren Vegetarier bin und deshalb mittlerweile Viehhaltung und -schlachtung ablehne. Es bekommt mir gesundheitlich gut, besser als früher auf jeden Fall, deshalb käme für mich eine Landwirtschaft nur noch mit Pflanzenbau in Frage. Aber ich verfolge die Preisentwicklung für pflanzliche Produkte noch immer, eine wirkliche Existenz sich hier in Deutschland damit aufzubauen ist ohne viel Startkapital schon fast unmöglich. Oder man muß, wie die Amish in ihrer Anfangszeit schon sehr bescheiden leben. Doch wovon will man hier die ganzen Kosten bezahlen, Krankenversicherung, Alterskasse ist Pflicht, Berufsgenossenschaft, Wasser, Abwasser, Müllentsorgung und einiges mehr. ' Ohne Moos nix los ', das ist hier in Deutschland Realität, damit muß man klar kommen, ob man will oder nicht.

  • Ja, lieber Eifellander, ich kann Deine Entscheidung gut verstehen. Das mit dem Startkapital ist bei den Old Order Leuten ähnlich, aber die fangen früh und klein an. Und wenn ihnen dann aus familiären Gründen ein Betrieb zu klein oder zu groß wird, dann kaufen sie woanders etwas Passendes. Auf ein Erwerbsleben streben sie an, die eigene Farm abzuzahlen und allen Kindern eine Existenz zu ermöglichen. Ich habe 1994 in Pennsylvania die Familie Lapp kennen gelernt, die ohne Ackerland und mit nur 700 Hühnern beiden Töchtern je einen eigenen Hof finanzieren konnten, weil sie ihre Hühnereier für $1/Stück an eine Pharmafirma verkauft haben.


    Du klagst über unvermeidliche finanzielle Lasten. Was meinst Du wieviel Prozent der Einnahmen die Amischen in die Gemeinschaftskassen zahlen müssen, zusätzlich zu den Grundsteuern und allen staatlichen Abgaben? Erheblich mehr als 10 Prozent! Außerdem spenden sie in der Regel ein bis zwei Monatseinkommen für Katastrophen- und Entwicklungshilfe. Junge Leute, die noch keine Familie haben, spenden weniger Geld und mehr Arbeitszeit, indem sie diese Einsätze ausführen. Ich schätze, dass ca. die Hälfte der Einkünfte bzw. der Arbeitszeit in privat und nachbarschaftlich organisierte Schadens-, Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbelange fließen. Und gerade diese gegenseitigen Serviceleistungen, die jeder von uns wohl gerne vermeiden möchte, halten die Gemeinden zusammen.


    Einen amischen Vegetarier habe ich noch nicht getroffen. Lebt Deine Mutter noch und ist sie mobil? Vielleicht würde ihr eine Reise nach Pennsylvania oder Ohio gut gefallen. Oder nimm Deine Kinder mit, denn für eine Familie öffnen sich mehr Türen als für Singles. Und Du würdest viele Anregungen für Gemüsevermarktung bekommen. Ist das Klima der Eifel nicht besonders günstig für Energiepflanzen und Biogasanlagen? Grüße von Gisela

    Edited 3 times, last by gisela ().