• Wenn ein junger Amish-Mensch sich gegen den Glauben entscheidet und die Gemeinde verlässt, bricht er dann auch jeglichen Kontakt mit seiner Familie, Eltern, Geschwister und Freunde ? Das wäre doch sehr traurig, oder? ?(


    Ich bin selber Mutter von drei Kindern und kann mir so etwas nicht vorstellen.



    Wer kann mir diese Frage beantworten?


    Vielen Dank


    Lucy

    Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird in Frieden gesät von denen, die Frieden halten.

  • Wenn sich ein Jugendlicher "gegen den Glauben" entscheidet, dann wird er sich auch nicht taufen lassen. Und wer nicht getauft ist, ist auch kein Mitglied. Deshalb kann seine Entscheidung auch keine Meidung nach sich ziehen.

  • Theoretisch und in vielen Fällen auch praktisch hat die Entscheidung der amischen Gemeinde nicht beizutreten keine weiteren Konsequenzen.
    Dabei müssen wir aber bedenken, dass es sich um eine Religionsgemeinschaft handelt, bei der die Gemeindeglieder ihre Gemeinde als "die Gemeinde Gottes" verstehen, somit außerhalb der Gemeinde nur teilweise ein Weg zum Heil zu erreichen ist.
    Es gibt einen starken Sozialdruck beizutreten und es gibt auch amische Familien, die bei einem Nichtbeitreten von Kindern den Kontakt zu ihnen stark bis ganz abschneiden. Dieses rührt aus vielen Gründen her: ein Schuldgefühl, die Kinder nicht recht erzogen zu haben(wohl zuallererst im Hinblick auf das, was die anderen amischen Nachbarn sagen oder denken könnten), dann das Gefühl, dass die Kinder in die Welt gehen, sich auf die schlimme Seite stellen(dieses ist Grunddenken, bei einigen sehr sehr stark, bei anderen weniger ausgeprägt, prägt aber durchgängig die Theologie)... Da die Welt als schlecht und zu meiden angesehen wird, sind auch die Weltmenschen zu einem großen Teil zu meiden und man soll unter sich bleiben, dieses geht sodann auch in die Familien ein, wenn sich Kinder anders entscheiden.
    Andererseits gibt es viele Amische, die weiterhin Kontakt zu den Kindern halten(die meisten sind dies, aber der Kontakt ist doch oftmals weniger stark, weil sie eben lediglich noch die familiären Bande binden, nicht mehr ideologische).
    Grundsätzlich ist ein Bruch bei einem Nichtbeitreten gegeben, der nicht unbedingt zu kitten ist. Es ist nicht so, dass man einfach denkt, die Kinder sind in einer anderen gleichwertigen Kirche, daher sind Kontakte auch oftmals sehr unter Spannungsdruck.
    Je weiter sich die Kinder vom amischen und täuferischen Spektrum ideologsisch-religiös entfernen, umso eher ist der Kontakt erschwert. Dies gilt umso mehr, als Kinder sich Gemeinschaften starker missionarischer Ausrichtung anschließen und frei und gerne, aufdringend z.T. über ihre Glaubenserfahrungen reden. So sind Kontakt zu Kindern in neuamischen Gemeinden leichter als in baptistischen oder Kirchen, die nicht einmal die Wehrlosigkeit einhalten.
    Auf jeden Fall gibt es keine offizielle Meidung, höchstens eine individuell gehandhabte Form des Nichtkontakthaltens aus verschiedenen Gründen.