Amischleben auch in Deutschland und Europa?

  • Hallo,


    ich denke, dass man sich in Anbetracht der neutestamentlichen Wahrheiten sich Gedanken machen sollte, ob die Amischen uns "moderne" Christen nicht einen Weg aufzeigen, der
    vielleicht richtig ist.


    Aus dem Lesen der Bibel heraus verzichte ich inzwischen auf wesentliche Konsumprodukte.
    Ich halte den uebertriebenden Lebenststandart als Suende in Anbetracht dessen, dass der Reichtum nur durch die Unterdrueckung der Armen moeglich ist. Bzw. es stellt sich die Frage, wie koennen Christen aus den westlichen Industrielaender verantworten im Ueberfluss zu leben, wenn Christen in anderen Teilen der Welt verhungern ?


    Christus sagt , dass wenn wir nicht den Armen aufnehmen, so nehmen wir nicht Christus auf.


    Laut der Bibel findet eine Trennung zwischen Boecken und Schafen statt.


    Boecke sind die Christen, welche sich der Welt hingegeben haben mit all ihrer Lust.
    Die Schafe sind die Christen, die klar durch die Kraft des Heiligen Geistes den Geist
    der Welt ueberwunden haben.


    Frank

  • Ich denke, man muss aufpassen, die Amischen nicht als eine aus allen Menschen herausragende Gruppierung zu sehen, die vollends christianisiert ist. Es fällt mir oft auf, dass sie in vielerlei (auch in diesem Forum)verherrlicht werden, so z.B. auch in ihrem scheinbaren Umweltbewusstsein und ihrem Konsumverzicht.
    Nur, wenn man sie genau betrachtet und auch, warum sie so und so leben, so ergibt sich eben nicht, dass sie die prämodernen Vorreiter des Umweltschutzes waren oder sind, sondern dass gerade dieser Punkt gar keine Rolle spielte.
    Amische verbrennen z.B. Hausmüll gemeinhein auf den Feldern, obwohl es auch die Müllabfuhr gibt, weil man die Gebühren sparen will, sie düngen und spritzen selbst ihre Felder mit chemischen Stoffen, mit Kunstdünger(wenn Dung nicht vorhanden ist), teilweise ist der Viehbesatz in Lancaster County derartig hoch, dass Grundwasserschäden entstanden und der Gesetzgeber einschritt und die Menge der Kühe/acre begrenzte. Also: Amische sind nicht ideologische Umweltschützer, die bewusst aus Sorge um die Umwelt so und so leben, sondern ihre Lebensweise trägt in Teilen dazu bei, die Umwelt nicht so zu belasten. Zudem: Das Umweltbewusstsein ist im Vergleich zu Deutschland und Europa nicht sehr stark in den USA ausgeprägt, davon sind die Amischen nicht ausgenommen.
    Warum sie heute ein derartiges Regelwerk haben, ergibt sich eher aus einer Mischung von soziologischen Gründen(z.B. das Auto, welches als teures, Pferde ersetzendes Fahrzeug in den 1920er Jahren als das schnelle Element mehr unabhängige Mobilität erlaubte und daher den Gruppenzusammenhalt bedrohte(vergleichbar mit früheren Dorfgemeinschaften, die sich auch mittlerweile ziemlich aufgelöst haben) und die Gruppenkontrolle erschwerte oder stark gesetzlich geprägten Positionen(,was daran deutlich wird, dass Verstöße mit Bibelversen letztlich geahndet werden und das ungehorsame Mitglied auch wegen technischer Errungenschaften gebannt werden kann, damit außerhalb der so genannten Gemeinde Gottes ist).


    Zudem, um auf die beschriebenen Bibelverse zu sprechen zu kommen: Was beinhaltet "sich der Welt hingeben"?. Was bedeutet ganz klar "die Welt überwinden?". Ist dies ein immerwährender Zustand oder ist es nicht vielmehr so, dass Gottes Gebote in bestimmten Zeiten uns als Menschen völlig egal sind und wir absichtlich anders handeln als wir sollen?(Hoffentlich ruft dann das schlechte Gewissen, aber manchmal reden wir uns auch heraus und denken, wir haben Recht.)Haben wir dann die Welt trotzdem überwunden, weil wir sie meistens überwunden zu haben scheinen, oder sind wir nicht vielmehr noch immer ein Teil dieser Welt, letztlich wie Paulus schreibt, elendige Sünder, die beim Gericht auch nichts anderes sagen können und nur auf Gnade hoffen können?
    Ich finde die Position auf bestimmte Konsumgüter zu verzichten gut, aber, bekommt dieser Verzicht nicht mit der Zeit auch den Charakter, damit die Welt zu richten, in dem Sinne, wer nicht darauf verzichtet, der hat eben nicht die Welt überwunden? Auf jeden Fall besteht immer diese Gefahr mit dem eigenen Anspruch auf "das rechte Handeln und das rechte Wandeln" andere danach zu beurteilen.
    Die ethische Frage nach Arm und Reich, den Armen der Dritten Welt und den Reichen der Industrieländer, hat Jesus auch schon aufgeworfen und er beantwortete sie z.B. dem reichen Mann, der in den Himmel kommen wollte, damit, dass er all seinen Besitz loswerden solle und verteilen solle. Nur, dieser Mann war in Palästina, also nicht weit weg und die Frage ist also nicht nur zu lösen und zu stellen in Bezug auf die Dritte Welt, sondern auch auf das Hier und Jetzt, bei uns, z.B. hinsichtlich der Rechtmäßigkeit des Unterschieds verschiedener Lohnniveaus, besonders, warum geistige Arbeit höherwertig ist als körperliche, warum eine Friseuse enorm wenig verdient, sich ihre Hände und Gesundheit durch Chemikalien kaputt macht, währenddessen andere bei leichterer Arbeit am Schreibtisch wesentlich mehr verdienen, z.B. im IT-Bereich, und dies begründen damit, dass sie vielleicht jahrelang studiert haben. Liegt z.B. der Lohnunterschied nicht auch begründet in einer Bewertung in minderwertige und höherwertige Arbeitt, sagt man nicht auch durch verschiedene Lohnniveaus aus, ob eine Arbeit etwas wert ist und ist dies nicht letztlich schon des Fundament des Unterschieds zwischen den Lebensverhältnissen der Menschen, weil einige eben in der gleichen Zeit sich Geldmengen erwerben können, andere kaum das Lebensnotwendige erhalten und gleichzeitig noch als "minderwertige Arbeit" Leistende insgeheim tituliert werden? Dies nur als ein paar Gedankenanregungen, dass wir mittendrin sind im täglichen Leben "Arme" auf verschiedene Weisen abzustoßen oder selbst dieses Abgestoßenwerden erleben.
    Also, die Fragen nach Ausgleich zwischen Reich und Arm sind vielschichtiger und man könnte hier viel mehr Beispiele nennen und noch viel mehr Gedanken anregen. Ich glaube, es kommt eher darauf an, ob wir uns bewusst für den Mitmenschen in Situationen entscheiden, damit den uns Bittenden, den Armen in seiner Situation, Hilfe zuteil werden lassen, dass wir uns bewusst sind, unser Handeln, unser Sein hier ist in Gottes Augen nichts wert, wenn wir dem Nächsten nicht so behandeln, wie wir selber behandelt werden wollen usw. Das ist aber nichts spezifisch Amisches, dies ist letztlich eine allgemeingültige Charakterfrage.

  • Hallo zusammen,


    ich selber komme aus dem erweckten Pietismus, d.h. der Heiligungsbewegung und habe 1974 eine echte Bekehrung erlebt und durfte die Reinigung durch Jesu Blut erfahren. In der Folgezeit kam für mich - ich war damals Lehrling auf einer Bank - die große Auseinandersetzung mit der Welt. Insofern verstehe ich die Amish. Ich habe mir oft schon überlegt, ob man sich nicht in dieser Weise - aber ja nicht als Tradition,sondern als Ausdruck der echten Glaubens und der Absonderung von der Welt und ihren Ansätzen - zurückziehen sollte.


    In Deutschland werden auch die klaren Gläubigen immer mehr von den Medien verseucht: Handys, Internet, Fernsehen usw. infiltrieren die Jugend der Gemeinden. Ausserdem werden die Gläubigen immer mehr von der Denkweise dieser Welt geprägt. Nur ein Beispiel: Schulung, Bibelschule usw. wird immer wichtiger, anstatt dass man nach der echten Berufung von Gott frägt, die jemand Vollmacht zum wirken gibt, egal, ob er geistlich"ausgebildet" ist oder nicht. Entscheidend ist doch, dass er die Bibel wirklich liest, studiert und kennt und dann die echte Berufung von Gott auslebt.


    In diesem Sinne bin ich fast neidisch auf die Amisch, weil sie sich zurückziehen können. Allerdings habe ich manchmal auch Sorge, dass es zur Tradition wird. Absonderung nur aus traditionellen Gründen ist unbrauchbar.


    Wenn es in Deutschland gelänge, Teile der Grundprinzipien der Amish zu realisieren, so wäre dies sicher ein Segen für die Gläubigen -ohne allerdings nur die Form nachzuahmen.


    Viele Grüße

    Karl-Hermann Kauffmann

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