Tiroler Wiedertäufer

  • Das Schicksal der Wiedertäufer - in Tirol


    Zu Zeiten des größten Tiefs in der katholischen Kirche gab es im Unterinntal und Pustertal Erneuerungsbestrebungen, die über die Lehre Luthers weit hinausführten. In der Täuferbewegung gab es verschiedene Erscheinungsformen, doch die Kindertaufe wurde von allen Gruppierungen übereinstimmend abgelehnt, da erst der Erwachsene die christliche Lehre vernunftmäßig erfassen und akzeptieren konne. Sie lehnten das passive Hineingeborenwerden in die Religionsgemeinschaft ab. Die Wieder-Getauften kannten keinen Unterschied zwischen Priester und Laien, sondern traten mit Gott direkt ohne Mittelsperson in Kontakt. In ihrer Glaubensgemeinschafl gab es weder arm noch reich, sondern sie lebten in Gütergemeinschaften.
    In bäuerlichen Kreisen fanden sie starkeren Anklang als die Lutheraner. Die starken gemeinschaftlichen Bindungen, der Gleichheitsgrundsatz und die Ablehnung jeder Obrigkeit brachten sie in heftigsten Gegensatz zur geistlichen und weltlichen Hierarchie, da sie auch Steuern und Abgaben verweigerten.


    Bereits 1527 wandte sich Ferdinand erstmals in einem Generalmandat gegen die Wiedertäufer. Obwohl die Tiroler Täufer nicht zur radikalen Richtung eines Thomas Münzer gehörten, dessen Gewaltherrschaft in Münster (Westfalen) zu Unrecht die ganze Bewegung in Verruf brachte, wurden sie von Anbeginn blutig verfolgt. Ihre Dulderhaltung, ihr Streben nach Vollkommenheit, ihr gewaltloses Eintreten für den Glauben prädestinierte sie zum Freiwild fur die Obrigkeit. Bereits 1528 wurde in Rattenberg der erste Wiedertaufer, Leonhard Sehiemer, zum Märtyrer. Man fürchtete nicht nur den Bruch mit der alten Religion, sondern auch einen Umsturz der gesellschaftlichen Ordnung.


    Versuche, die Täufer durch feierliches Abschwören ihres Glaubens wieder in den Schoß der Kirche zu führen, schlugen meist fehl. Auch die Bluturteile, Folterungen und Landesverweisungen konnten den neuen Glauben nicht ausrotten. Urn für ihre aberzeugung leben zu konnen,verließen viele Haus und Hof, führten ein Wanderleben oder begaben sich in andere Täufergemeinden, wie nach Augsburg.



    Anordnung der Regierung in Innsbruck von 1536 zur Verfolgung der Wiedertäufer
    Einer der Führer des süddeutschen Wiedertäufertums wurde der ehemalige Rattenberger Bergrichter Pilgram Marbeck. Allein in seiner Heimatstadt mußten 77 seiner Glaubensbrüder für ihr Bekennertum das Leben lassen. Ihr Verbrechen war, daß sie wegen der unglaublichen Mißstände der alten Kirche nach neuen Wegen zu Gott suchten.
    Bedeutendster Täuferführer Österreichs wurde der aus St. Lorenzen im Pustertal stammende Jakob Hutter. Es gelang ihm, zahlreiche Brüdergemeinden zu errichten, doch verhinderte die blutige Verfolgung die Gründung einer gesamttirolischen Täuferkirche. Nachdem die Glaubensverfolgung in Tirol schon Hunderte Opfer gefordert hatte, flüchtete Huter mit seinen Gesinnungsgenossen nach Südmähren. Viele der Flüchtenden, die von ihren Häschern oft noch von den Schiffen auf Inn und Donau heruntergeholt wurden, sind im Zeichen des Kreuzes enthauptet, verbrannt oder ertränkt und ihre Häuser zerstört worden. Besonders schadete den Anhängern Hutters, welche statt des Privateigentums eine Art christliche Kommune einführten, die militante Bewegung der westfälischen Täufer.


    Die glucklich Entkommenen fanden mit mehr als 7000 Gleichgesinnten in Mähren eine neue Heimstätte. Hier konnten sich die Glaubensgemeinden neu organisieren und gemeinschaftliche Brüderhofe oder Haushaben errichten. Durch ihren selbstlosen Fleiß haben sie mit Ackerbau, Pferdezucht und Textilfertigung beachtliche Erfolge erreicht.


    Als Jakob Hutter nochmals in seine Heimat zurückkehrte, um die verfolgten Glaubensbrüder zur Emigration zu bewegen, wurde er in Klausen gefaßt und 1536 in Innsbruck verbrannt.


    Beim großen Jubiläum "500 Jahre Maximilians Goldenes Dachl - 1000 Jahre Österreich" 1996 sagte Bischof Reinhold Stecher in seiner Festansprache "Das Goldene Dachl spricht Worte zum Tag":
    "Man schrieb den 25. Februar 1536. Da brannte unmittelbar vor mir ein Scheiterhaufen. Und auf ihm verbrannte ein Mensch: Jakob Hutter. Über Details seiner Ansichten mag man theologisch denken wie man will - sie sind höchst ehrenwert und tieffromm. Aber auf dem schrecklichen Scheiterhaufen vor mir verbrannte nicht nur Holz und ein Mensch. Da verbrannte man die Achtung vor dem Gewissen, die Menschenrechte und die christliche Liebe - und darum kann ich dieses Feuer nicht vergessen. Vielleicht könnt Ihr Euch jetzt vorstellen, wie ich mich über Feuerzeichen anderer Art gefreut habe, als vor ein paar Jahren tausende Kerzen vor mir brannten, als Zeichen gegen Fremdenhaß, Intoleranz und Ausgrenzung."
    Jakob Hutters Name lebt bis heute in der Glaubensgemeinschaft der Hutterischen Brüder fort, die nachdem 30jährigen Krieg in Nordamerika eine neue Heimat fanden. In Tirol war man noch das ganze 16. Jh. eifrig damit beschäftigt, zurückgebliebene Täufer zu bekehren oder auszurotten. Daß die religiösen Eiferer der Gegenreformation für Andersdenkende kein Verständnis aufbringen konnten, lag im Zug derZeit. Kein Ruhmesblatt in der Tiroler Geschichte ist es allerdings, daß noch 300 Jahre später 427 Zillertaler wegen ihres Glaubens die Heimat verlassen mußten.


    Dieser Bericht wurde mit freundlicher Genehmigung von C. Gerlts Übernommen, Danke!

    Liebe gibt es nicht ohne Gerechtigkeit, und die nicht ohne Hass auf Ungerechtigkeit, nicht ohne offenen Widerstand. Wahre Liebe kann es nur unter Gleichberechtigten geben, nicht von oben nach unten und nicht von unten nach oben .