Gibt es was Neues über die Amish?

  • Hallo! Wisst ihr was von einer neuen "Errungenschaft" o.ä. zu den Amish? Bin auf der Suche nach allen möglichen News!

  • Hallo,
    noch keine neue Errungenschaft, aber das Problem wird zu lösen sein, ist das Telefon.
    Die Old Order Amish haben es im Haus verboten, erlaubten es zuerst nur an Gemeinschaftsbuden an Feldrändern, dann rückte es immer näher ans Haus heran, so dass es bei Geschäftsleuten zumindest schon an der äußeren Hauswand ist. Dies war der Stand bis zum Aufkommen der Handys.
    Diese Handys sind aber problematisch und wie sie nun damit umgehen, ist eine Frage, die jetzt gelöst werden muss.
    Denn: Die Handys sind bei vielen Geschäftsleuten schon gehört worden, versteckt in der Hose, jene machen auch Druck, diese zu erlauben, damit würde aber das Telefon wohl generell erlaubt werden.
    Eigentlich sind dei häuslichen Telefone und damit die Möglichkeit generell und immer telefonisch erreichbar zu sein, verboten, die Handys umgehen aber das Problem, wo das Telefon installiert werden soll und erlauben geradezu heimliche Nutzung.

  • Hm, aber das würde doch komplett gegen die Prinzipien der Amish verstoßen. Immerhin wollen sie sich doch vom Rest der Welt abwenden und deren Errungenschaften vermeiden. Wo hast du denn diese Informationen her? Und wenn es tatsächlich so sei, wie du es sagst, wie können sie dann noch hinter dem stehen, was sie verkörpern?

  • Hallo Hummelchen,


    die Amischen ändern laufend ihre Ordnung und passen sie neuen Bedingungen an, um auch wirtschaftlich zurecht zu kommen. Es gibt alle paar Jahre einige Sachen, die neu beantwortet werden müssen und über die entschieden werden soll. Sie sind also keine stehen bleibende Gruppe, sondern wandeln sich, teilweise sogar sehr rasant.
    Die schnelle Welt, in der wir uns befinden, hat eben auch Einfluss auf sie, denn in finanzieller Hinsicht bedingen beide einander: Amische müssen etwas konkurrenzfähig verkaufen, anbieten können,von den Einnahmen leben können, Steuern zahlen aus den Einnahmen und z.B. auch Doktoren, Inspektoren auf den Farmen usw. bezahlen. Also: Es geht gar nicht, sich total abzuschotten. Sie versuchen, sofern es geht, so weit unter sich zu bleiben, doch wirtschaftliches Handelnmüssen zwingt auch zum Außenkontakt.
    Ich habe die Infos über das cell phone von meinem letzten Besuch in Lancaster County her. Gerade in diesem County sind mehr und mehr Amische Geschäftsleute und immer mehr Männer im Montagebau beschäftigt. Teils üben die Arbeitgeber(wenn die Amischen bei Nichtamischen beschäftigt sind- seltener-), vor allem aber auch der Kundenkreis, der die Handwerker immer erreichen will und die eigenen Geschäftsleute, sehr starken Druck aus, endlich das Telefon ganz zu erlauben- aus eben denselben Gründen: stetige Erreichbarkeit.
    Zudem: Amische haben schon immer Telefone benutzt, nur nicht besessen.
    Für Notfälle wurden immer die nachbarlichen Telefone benutzt, heute kann man aber z.B. als Geschäftsmann es wohl keinem Nachbarn zumuten, laufend Kundentelefonate anzunehmen und brieflich läuft auf diesem Sektor fast gar nichts mehr, es dauert auch zu lange.
    Es gibt auch Amische, die haben ein Geschäft mit einer Außenperson zusammen und weil jener nicht unter die Ordnung fällt, kann das Telefon im gemeinsamen Geschäft installiert werden...So wird die Ordnung umgangen.
    Es kann sein, dass Donald B. Kraybill, ein Amischforscher schon etwas dazu geschrieben hat, aber zwischen Ereignissen und Entwicklungen und eben dem Drucken dieser Infos vergehen z.T. viele Jahre.


    Generell wollen Amische nicht die Errungenschaften der Welt als Ganzes ablehnen, sie nehmen z.B. jede medizinische Hilfe in Anspruch und sind froh und glücklich, dass ihnen auch so geholfen werden kann, sie unterstützen auch medizinische genealogische Forschungen, um z.B. Erbkrankheiten zu untersuchen.
    Sie lehnen aber vieles eben ab,aus mehreren Gründen:
    1. Welche Auswirkungen haben die Neuerungen auf das Leben der Gemeinden, den Zusammenhalt etc.
    2. (dieser Grund wird oft übersehen.) Als Gruppe definieren sie etwas als weltlich und ordnen es zu denjenigen Sachen ein, die nicht zum christlichen Leben gehören und lehnen diese ab. Nach ihrer Ansicht soll dann das verbotene materielle Gerät oder sonstiges vom Weg zum Himmel abbringen (hier kommt starkes gesetzliches Gedankengut ins Spiel).
    Ich habe selbst von nichtamischer Seite, doch nah verwandter Seite(altmennonitisch), (die vielen strengen Gruppen sind oft deckungsgleich): "Der tractor zieht dich us ´em Paradies". Ich habe einen alten Amischen, der sehr viel schrieb, an einem Sonntag ganz klar sagen hören, dass draußen, wo man all dieses und jenes besitzt, die Welt und die Weltmenschen seien. Er war ein Bischof. Auf meine Nachfrage hin, kam er ins Stolpern, weil er eben Besitz und Gottlosigkeit fast gleichsetzte.


    Gerade die technischen Restriktionsregeln sind oft schwer verständlich, auch schwer zu rechtfertigen, so sind z.B. in Lancaster County Fahrräder verboten, während vergleichbare Gruppen diese erlauben und außerhalb lancastrianischer Siedlungen die Amischen Fahrräder auch erlauben.
    In Lancaster County fahren sie dann statt mit einem Rad mit einem Tretroller.
    Andererseits spannen sie nach Aussagen eines Old Order Mennonite Freundes alles hinters Pferd und hinter etlichen Maultieren, so lange sie es ziehen können, daher kannst du in Lancaster County Ballenpresser von Pferden gezogen sehen oder Grasschneider usw., was auch ohne Motorkraft ginge. Es gibt also sehr wohl große Diskrepanzen auch bei ihnen zu entdecken zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Sie sind eben auch nur Menschen und neigen auch dazu, etwas zu umgehen und Auswege zu finden.
    Dazu kann man in Vielem sagen: Im männlichen Arbeitsbereich wird eher(weil durch Männer entschieden), etwas Neues erlaubt als im häuslichen Frauenbereich und innerhalb des männlichen Arbeitsbereiches sind die Begrenzungen im landwirtschaftlichen Bereich oft größer als im kaufmännischen, z.B. Pflügen mit Pferden, während der Kaufmann ganz selbstverständlich Transportunternehmen heuert und sich ihrer bedient und zu Kunden eben nicht mit der Kutsche fährt, sondern einen amischen "driver" nutzt (Leute, die die Amischen wie Taxifahrer chauffieren).
    Diese Diskrepanzen machen die Amischen interessant, denn, wie sie zu bestimmten Regeln kommen, ist ein oft ein langwieriger Prozess.
    Ich glaube, man muss davon wegkommen, sie als das einzige Beispiel christlichen Lebens zu sehen und dadurch alles, was nicht amisch ist, abzuwerten. Letztlich wären alle Menschen fast auf dem falschen Weg und wenn wir dies wären, wöge dies schlimmer als wenn wir es nicht wüssten.
    Die Vorstellung, dass es eine Gruppe auf der Erde gäbe, die sich vollständig konsequent biblisch orientiert und nach der Bibel lebt(hier ist schon das Problem der Gewichtung biblischer Stellen zu beachten!) ist einfach nicht zu halten. Sie bemühen sich mehr als viele andere, doch es gibt auch in dieser Welt mit technischen Apparaten sehr gute Gemeinden.
    Es lässt sich im Ganzen vieles auch bei den Amischen nicht biblisch begründen, sondern kulturell, soziologisch, historisch etc., z.B. das Verbot des Schnurrbartes.
    Die Amischen leben auf eine bestimmte Art, doch sie sind nicht heilig, nicht generell besser(das betonen ganz viele von ihnen) und sie stellen nicht den einzigen christlichen Lebensstil dar.
    Es gibt bei ihnen genau so gläubige und demütige Menschen, aber auch Stolz und Hoffart, es gibt auch, wie man mir schon mal sagte "pride in humility" (Stolz in der Einfachheit). Ein plaines Tuch, eine elektrizitätsloses Haus machen noch keinen christlichen Haushalt aus, der Geist muss dahinter stimmen und in diesem Sinne gibt es auch Heuchelei und ein Getue, sehr wohl aber aber eben auch Liebe, echten Glauben und Nachfolge.