Gründen Amish Gemeinschaft möglich in Deutschland?

  • Das müsste in erster Linie auch bedeuten das man sich argarwirtschaftlich selbst versorg. Mir fällt bei diesem Gedanken der alliierte Morgenthau-Plan von 1944 ein: Der damalige US-Finanzminister Henry Morgenthau veranlasste in August 1944 einen Entwurf zur Umwandlung Deutschlands in einen Agrarstaat nach dem absehbaren Sieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Das sollte langfristig verhindern, dass Deutschland je wieder einen Angriffskrieg führen könne. Das Memorandum wurde im August 1944 im US-Finanzministerium erstellt und durch eine Indiskretion am 21. September 1944 in den USA veröffentlicht. US-Präsident Franklin D. Roosevelt verwarf den Entwurf nach einigen Wochen; er gelangte nie in ein konkretes Planungsstadium und war nie zur politischen Realisierung vorgesehen. Seine Bedeutung erhielt er erst durch die NS-Propaganda, die ihn ab September 1944 als angeblichen Plan eines angeblichen Weltjudentums zur „Versklavung“ der Deutschen darstellte und damit ihre Durchhalteparolen begründete. Im rechtsextremen Geschichtsrevisionismus wird der für die spätere Besatzungspolitik der Alliierten bedeutungslose Entwurf wegen der jüdischen Herkunft und Regierungszugehörigkeit des Initiators weiter analog zur NS-Propaganda für antisemitische Verschwörungstheorien benutzt (sog. Morgenthau-Legende).



    lg :huh:
    Das Kürbisgemüse

  • Das Geld spielt doch keine Rolle, wichtig ist die Idee und der Wille etwas in der Richtung zu tun. Ich Osten Deutschlands in Mecklenburg-Vorpommern, in Sachsen-Anhalt oder wo auch immer, werden ganze Dörfer zum Symbolpreis von 1,- Euro angeboten, sogar mit einer Tankstelle. Die Einheimischen Leute dort, zeiht es verstärkt in die alten Bundesländer, weil sie dort Arbeit finden und ja auch nicht mehr wissen und daran glauben wie man wirklich in einem Dorf das Leben richtig gestalten muss. Wenn sich, in solch verlassen Dörfern Amishgemeinden gründen würden und Existenzen aufbauen, kann ich mir gut vorstellen, dass es den ein oder anderen vielleicht wieder in die Heimat zieht und er sich von der amishen Lebensweise beeindruckt und angezogen fühlt und vielleicht selbst so leben möchte. Ich denke auch das man im grenznahen Polnischen sehr gut das amishe Leben führen könnte, auch dort können ganze Dörfer neu besiedelt werden, ganze Landstriche sind dort vom Menschen verlassen.



    lg
    :huh:


    Das Kürbisgemüse

  • Nunja Amerikaner sind keine EU-Bürger, aber Amishe gelten doch als deutsche Einwanderer bzw. Auswanderer, verhält es sich dann nicht wie mit den deutschrussischen Spätaussiedlern?


    lg :huh:
    Das Kürbisgemüse

  • Vielleicht nicht gerade gegenwartsspezifisch, aber dennoch ganz interessant davon zu wissen




    Das müsste in erster Linie auch bedeuten das man sich
    argarwirtschaftlich selbst versorg. Mir fällt bei diesem Gedanken der alliierte Morgenthau-Plan von 1944 ein:


    hmmm........... also ich glaube da kann keine Brücke geschlagen werden vom Morgenthau-Plan zur
    ideellen oder gar religiösen Einstellung der Amishen. Und wär ja auch gegen die Grundfesten der Bibel.
    Ist meine persönliche Meinung jedenfalls.


    Viele Grüße


    Emil

  • Hallo Kürbisgemüse (was für ein lustiger Nick :) )


    Amishe gelten als deutsche Einwanderer bzw. Auswanderer???
    Wie kommst Du denn auf diese Idee?


    LG,
    Anne

  • Liebe Anne,


    im Sommer 2004 hat die siebenköpfige "benediktisch-amische" US-Familie Hund (deren Vorfahren 1830 Bayern verlassen hatten) eine Sondierungsreise nach Deutschland und in andere europäischen Länder unternommen. Da sie in der EU keine Aufenthaltsgenehmigung erhalten konnten, mussten sie in die Vereinigten Staaten zurückkehren. Daraufhin haben sie in Kanada Asyl aus religiösen Gründen beantragt. Dieses Verfahren ist dann durch mehrere Instanzen gegangen. Weiß jemand, was aus ihnen geworden ist? Seid gegrüßt von Gisela

    Edited 2 times, last by gisela ().

  • Das Ziel der Amischen, das der (Wieder)Täufer im allgemeinen, ist, ein gottgefälliges Leben zu führen. Dazu haben sich unterschiedliche Wege innerhalb der Täufer gebildet. Allen Gemeinsam ist die starke Berufung zur Gemeinschaft. Am stärksten ausgeprägt ist dies bei den Hutterern. Auch wenn die Amischen im Gegensatz zu den Hutterern privaten Besitz haben, ist ihnen die Gemeinschaft Verpflichtung. Man orientiert sich dabei an der ersten jerusalemer Gemeinde.
    All die Leute welche gerne den Amischen beitreten oder in Deutschland eine Amische gemeine Gründen möchten, sollten als erstes prüfen ob sie konsensfähig sind und sich der Gemeinschaft als solches unterordnen können.
    In Deutschland eine Amisch-Gemeinde zu gründen hieße nicht, eine amerikanische Gemeinde zu kopieren. Damit würde man der täuferischen Tradition nicht gerecht. Die Täufer waren in ihrer Entstehung der Zeit voraus, sie konnten aufgrund ihrer Bibelkenntnis der Alten Kirche widersprechen. Sie konnten aufgrund ihrer Erkenntnis eine neue Gesellschaft leben. Und genau da müßte bei einer Neugründung einer solchen Gemeinschaft die Fährte wiederaufgenommen werden. Es gälte aufgrund der neuesten Erkenntnisse aus Bibel und Wissenschaft alles über Bord zu werfen, was falsch Übermittelt wurde und zu Mißständen führt.
    Man würde dabei wohl erkennen: Pferde sind weiterhin aufgrund ihrer Nachhaltigkeit nach Möglichkeit einzusetzen. Theologisch hat sich bei dem Amischen während der Verfolgung einiges eingeschlichen, was in der jeweiligen Zeit richtig gewesen sein mag, aber nicht mehr haltbar ist. Es wären Männer und Frauen auf Theologischer- wie Gemeindeebene gleichgestellt. Das heißt: die konsequente pazifistische Theologie, der die Lehre und das Wirken Jesu Christus mit in die Versöhnungslehre einbezieht und so eine Einheit von Theologie und Ethik erbringt (narrative Christus Victor) wäre oberstes Gebot.

  • Liebe Forumsmitglieder !
    Einige von euch suchen doch eine Gemeinde, die nach Gottes Wort lebt und arbeitet.
    Ich bin heute aus arbeitstechnischen Gründen wieder auf die Basisgemeinde der Wulfshagener Hütte
    gestossen.
    Wer also Interesse hat hier in Deutschland nach Gottes Wort zu leben und zu arbeiten, kann sich gerne
    dorthin wenden. Findet ihr im Internet.


    LG
    Constance

  • Bayern

    Das Verfahren dürfte in Deutschland auch noch nicht durch sein! Bayern ist ein Freistaat und deutsches Bundesland. Die Bayrischen Instanzen zuerst, dann ggf. Bundes Gerichtshof oder Verfassungsgericht (so genau weis ich jetzt nicht) und zum Schluss gib es auch noch den Europäischen Gerichtshof in Strasbourg.



    Oder sind diese Instanzen schon alle durch? Dass es so sein soll, kann ich mir nicht vorstellen!

  • religiös ... vielleicht nicht, naja, ich sag mal so, ich habe mir nur vorgestellt, BMW und Benz dürften nur noch Kutschen und Agrargerät bauen. Zumindest wären die Grundvorausetzungen für amishes Leben durch den Plan besser gegeben.

  • Nach meinen zwei Wochen Urlaub in Amerika ist mir da etwas aufgefallen: Auf der anderen Seite des großen Teiches sind die Leute (was Religion & Lebensstil) angeht, viel offener als hier. Das Motto "leben und leben lassen" wird dort größtenteils wirklich praktiziert. Hier in Deutschland, wenn nicht sogar ganz Europa, ist das leider nicht so. Selbst wenn die Amischen hier genug Land hätten, Privilegien genehmigt bekämen und ihre eigenen Schulen mit speziellem Lehrplan durchkriegen würden, wären sie blitzschnell von der deutschen Bevölkerung wieder rausgemobbt. Schade eigentlich..

  • Ich kann unterstreichen, was Clara V. hier geschrieben hat. In Deutschland herrscht immer noch ein eindimensionales Denken vor: alles was nicht katholisch oder evangelisch ist, ist grundsätzlich erstmal eine Sekte. Da sind die Amerikaner einen Schritt weiter.

  • Hallo erstmal :o))


    ich bin neu hier im Forum, und habe dieses Thema mit viel Interesse gelesen. Schön zu lesen, dass es noch mehr Menschen gibt, denen die Umstände (oder sollte man es Zustände ?!nennen) hier in Deutschland nicht gefallen.


    Auch mir kam schon vor Jahren der Gedanke, so wie die Amisch leben, gefällt mir, man sollte versuchen, etwas ähnliches auf die Beine zu stellen.....


    Allerdings ist mir auch klargeworden, das sich das nicht so einfach realisieren lässt....Denn der Lebensstil bzw. die Lebensart der Amisch hat sich über Jahrhunderte ent-und weiterentwickelt. Jetzt einfach loszugehen und zu sagen, ja ich steige aus und lebe wie sie......ist in meinen Augen blauäugig,


    Hat sich einer von denen hier, die geschrieben haben, ich mach oder wo kann ich Euch finden, mal genau überlegt, was das heisst?


    Klar hört sich das toll an, im Einklang mit der Natur zu leben, ohne Fernsehen klar kein Problem, aber ohne Strom??


    Schon mal richtig darüber nachgedacht, das ohne Strom auch heisst, kein warmes Wasser aus der Leitung, keine Waschmaschine, keinen Kühlschrank?


    Auf's Auto verzichten und romantisch bzw. Idyllisch mit Pferd und Wagen unterwegs sein....hört sich toll an, aber wer versorgt das Pferd, ohne Job....wer bezahlt das Futter und den Tierarzt, wenn das Pferd krank ist....wen spannt ihr vor den Pflug?!


    Woher kommt das Holz zum heizen....woher Perafin oder Petroleum für Licht, woher Metall für Werkzeuge......woher die Lebensmittel für Euch.....denn erstmal muß Land her und das bewirtschaftet werden, und dann die Ernte gut ausfallen....Und seid Ihr in der Lage, Schafe zu scheren, die Wolle zu verarbeiten und daraus Kleidung zu machen...oder Schuhe? Sorry wenn sich das jetzt negativ anhört, aber bei allem Missmut sollte der Verstand wach bleiben und das Ganze gut durchdacht sein!


    Da eine solch gravierende Änderung aus gesundheitlichen Gründen für mich nicht mehr in Frage kommt, habe ich mich für kleine Schritte in diese Richtung entschlossen....


    Ein Freund und ich haben uns ein kleines Haus auf dem Land gekauft, wir heizen mit Holz und Briketts und Solar, haben dieverse Obstbäume, eigenes Gemüse angepflanzt, haben Gänse, Enten, Hühner und Schlachtkaninchen.


    Im nächsten Jahr wollen wir hier einen Brunnen bohren, und ein Windrad aufstellen, aber das geht eben nur Stück für Stück, wie das Geld eben da ist.


    Versucht es doch auch erst einmal in kleinen Schritten, denn eine so große Veränderung will gut überlegt sein udn ihr solltet genau in Euch hineinhorchen, welche Abstriche ihr machen könnt und wollt!


    In diesem Sinne......


    Gottes Segen sei immer mit Euch

  • Hallo,


    am 7. Juni 2004 begann das Thema hier mit einem Vorschlag bzw. Idee von Francseca eine Glaubens-Lebensgemeinschaft zu gründen.


    Ist daraus etwas geworden?


    Vielen Dank für Antwort


    Br. Hermann :)

  • Liebe Mitglieder, Liebe Gäste!!


    Auch ich bewundere die Amish, ich war schon immer davon fasziniert, dass heute noch Menschen freiwillig so leben wie vor mehreren hundert Jahren. Ich selber als "moderner" Mensch hätte Probleme damt, das genau so konsequent durchzuziehen. Zusehr ist man doch verwöhnt von den Bequemlichkeiten, die uns die moderne Technik bietet. Dennoch möchte ich mein Leben gerne ändern. Ich nehme mir gar nicht erst vor, eine derart gravierende Veränderung durchführen zu wollen, ich bin ja auch meinen Kindern verpflichtet. Was wäre, wenn ich plötzlich auf Auto, Strom, Handy, Telefon und TV verzichten würde? Meine Kinder würden in ihrem sozialen Umfeld, der Schule, geächtet. Ausgeschlossen und gemobbt würden sie. Das Leben in einer Amish-Gemeinde stelle ich mir persönlich als Bereicherung für meine Entwicklung vor, für einen begrenzten Zeitraum von z. B. einem Jahr. Und danach? So weiter machen wie bisher? Nein, ich glaube, man könnte Kompromisse eingehen! Wenn wir unser Leben ein wenig zurück fahren, bremsen könnten... Verzicht lernen und ausüben, eine neue Sparsamkeit an den Tag legen könnten und mit unseren wichtigsten Ressourcen bewusster umgehen, wäre das nicht bereits ein sehr großer Schritt in die richtige Richtung?


    Unsere Zeit bietet viele Vorteile, aber leider haben wir nicht gelernt, damit umzugehen. Wir haben vergessen, worauf es wirklich ankommt und sind gefangen in einem Strudel aus Konsumzwang, Mißgunst, Hektik und dem ewigen Suchen nach mehr, nach etwas neuem. Das hat geführt dazu, dass wir einsam geworden sind, Angst haben und kein Ziel mehr erkennen. Wir streben nur noch nach dem Kommerziellen, besitzen keinen Glauben mehr und können nicht mehr Recht von Unrecht unterscheiden. Es fehlt uns die nötige Kraft uns gegen diese Strömung zu stellen, nicht wahr? Wie sehr vermisse ich "die gute alte Zeit", als man drei Fernsehprogramme hatte und gerade mal ein Telefon ins Haus kam. Handy? Undenkbar! Computer, Internet? Noch in weiter Ferne. Ich denke wir können auch beim besten Willen die technische Entwicklung nicht mehr aufhalten oder rückgängig machen, aber eine Bremse zu finden, das wäre schön! Hier muss aber jeder einzelne für sich entscheiden, welche Richtung er einschlagen will. Und das dann nach Kräften durchziehen. Das würde bestimmt in einer Gemeinschaft mit Gleichgesinnten leichter fallen, daher mein Aufruf:


    Überdenkt euer Konsumverhalten im Hinblick auf Umweltschutz und Ressourcen - täglich erreichen uns Meldungen über Umweltkatastrophen, Bürgerkriege, Korruption in höheren politischen Ämtern usw. Jeder einzelne kann etwas tun!!! Wir müssen nur anfangen!


    Auch Kleinigkeiten zählen: Mülltrennung, Strom sparen, weniger heizen - mehr bewegen, Solarzellen auf dem Dach, öfter mal aufs Auto verzichten, Wasser einsparen (!), Kleidung länger als eine Saison tragen und vieles mehr!


    Vielleicht finden sich auf diesem Wege ja Gleichgesinnte zusammen? Denkt daran, in der Gemeinschaft sind wir stark.

  • Willkommen, liebe Jaroni, hier bei uns im Forum!


    Für die von Dir beschriebene Entschleunigung Deines Lebens findest Du hier viele Sympathisanten. Aber bei großen Distanzen verliert man sich allzu leicht aus dem Blick. Deshalb legen die Old Order Leute so großen Wert darauf, in enger Nachbarschaft zu leben. Hast Du Dich schon bei anderen Müttern oder in den Kirchengemeinden Deiner Nähe nach einer Umweltgruppe umgehört?


    Eine Gemeinschaft, die Dich und Deine Familie stärkt und stützt, wünscht Dir: Gisela