Wiedertäufer Amnestie 1711; Amnestieplakat

  • Ich suche nach Informationen über die Wiedertäufer-Amnestie der Stadt und Republik Bern von 1711. Die „den freyen Austritt aus Unseren Landen/ wie nicht weniger die völlige Wegzeuhung und Mitnemmung ihrer Gütern/ lediglich auf Erlaag deß abzugs-Gelts gestattet“. Hat daraufhin jemand Bern verlassen, wie kam es zu dieser Amnestie?


    Bis jetzt habe ich dazu nur die Nachahmung es Amnestieplakats gefunden.


    Amnestieplakat von 1711, Wiedertäufer Amnestie, Bern

    „Das mittel aber ist Christus, welchen nyemandt mag warlich erkennen, es sey dann, das er im nachvolge mit dem leben. Und nyemandt mag im nachvolgen, dann soviel er in zuvor erkennt“ Hans Denck

  • Die Ausweisung der Täufer im Jahr 1711 war ein vorläufiger Höhepunkt, im Streben Bern „täuferfrei“ zu machen. Noch zwei Jahre zuvor beschloß der Bernische Große Rat, dieses Unkraut vollkommen auszurotten. Der Wandel der Berner Regierung ist auf diplomatisches Geschick der niederländischen Regierung zurückzuführen, die wiederum der Bitte niederländischen Mennoniten nachkam.


    Am 13. Juli 1711 schifften die zur Auswanderung gedrängten in Neuenburg und Bern ein. Am 2. August legten vier Bote mit 346 Geflüchteten, die den Rhein hinunter fuhren, in Muiden/Niederlanden an.


    Im Jahr 2011 zum 300. Jahrestag des großen Täufer-Exodus aus dem Kanton Bern, gab es einige Veranstaltungen mit großen Reden. In einem Flugblatt das damals zu einer Veranstaltung auf dem Bienenberg, der Bienenberg ist ein Ausbildungs- und Tagungszentrum mennonitischer und täuferischer Gemeinden in Europa, einlud, ist zu lesen:


    Anlaß und Ziel.
    In der Migrationsforschung des frühneuzeitlichen Europa stellt die Geschichte täuferisch-mennonitischer Auswanderungen, Ausschaffungen und Fluchtbewegungen einen wichtigen Akzent dar. Allein aus der schweizerischen Eidgenossenschaft sind vom 16. bis ins 19. Jahrhundert viele dieser religiösen Nonkonformisten weggezogen oder deportiert worden. Zwei Einzelereignisse sind es, die im Rahmen der Geschichte des Täufertums in der Schweiz aus dem jahrzehntelang anhaltenden Strom größerer oder kleinerer wegziehender Personengruppen herausragen und die sich in diesen Wochen und Monaten zum 300. Mal jähren:


    Im März 1710 erfolgte die mißglückte Deportation von über 50 bernischen Täufern und Täuferinnen, welche nach Übersee verfrachtet werden sollten, aber spätestens nach dem Überqueren der niederländischen Grenze auf freien Fuß gestellt worden sind.
    Im Juli 1711 verließen auf einen Schlag über 300 wiederum vorwiegend bernische Täufer und Täuferinnen auf einem Konvoi von Schiffen ihre Heimat richtung Niederlande, nachdem immer deutlicher wurde, daß die Obrigkeit definitiv nicht gewillt war, sie auf eigenem Territorium zu dulden.

    Diese beiden Ereignisse bieten Anlaß zu vielfältigen Untersuchungen. Zum einen sind wir nach wie vor weit entfernt davon, die bloße Ereignisgeschichte detailliert aufgearbeitet zu haben. Zum andern spielten sich diese dramatischen Vorgänge in einer sowohl politischgesellschaftlich als auch kirchlich-religiös turbulenten Phase der europäischen Geschichte ab, wo Gestalt und Ausmaß der Wechselbeziehungen noch wenig erforscht sind: Zunehmend expansive Interessen Frankreichs sorgten um 1700 europaweit für Unruhe.
    Parallel dazu nahmen die Spannungen sowohl zwischen als auch innerhalb der Konfessionen markant zu. Erwähnt seien etwa die Auseinandersetzungen mit dem neu entstandenen Pietismus oder die auf einer innertäuferischen Spaltung basierenden Anfänge der Amischen.

    Manche der durch die Täufergeschichte des frühen 18. Jahrhunderts aufgeworfenen Fragen sind von bleibender Aktualität und rufen nach einer Stellungnahme: Wenn eine Gruppe von Personen sich zunehmend an den Rand der Gesellschaft gedrängt sieht, so stellt sich regelmäßig die Frage nach dem Gehen oder Bleiben, nach Anpassung oder Widerstand, nach Integration oder Separation. Was ist dazu aus heutiger Optik zu sagen? Oder umgekehrt: Welches sind seitens von Mehrheiten möglichst hilfreiche Wege, um mit bestehenden oder sich bildenden Minderheiten respektvoll umzugehen, so daß das Wohl aller im Auge behalten wird? Ferner stellt sich die grundsätzliche Frage nach Gegenwartsbezug und Stellenwert von Erinnern und Erzählen, von Vergeben und Vergessen im Kontext spannungsvoller und schmerzhafter Ereignisse, wie es Deportation und Exodus von 1710 und 1711 sind. Hier gilt es, die Impulse aufzugreifen, welche in den letzten Jahren u. a. durch bilaterale kirchliche Dialoge formuliert worden sind, z. B. beim katholisch-mennonitischen und lutherisch-mennonitischen Dialog auf Weltebene, beim reformiert-mennonitischen auf schweizerischer Ebene.


    Amnesty Plakat