Die Hutterer und die Amischen

  • Hallo Zusammen,


    ich frage mich, worin der Unterschied zwischen den Amischen und den Hutterer liegt.. Kann mir da jemand weiterhelfen?


    LG Tobias

  • Hallo Tobias,


    zu den Hauptunterschieden gehören: a. Hutterer leben in geschlossenen Kolonien, Amische in Streusiedlungen; b. Hutterer haben keinen Privatbesitz, Amische sind Eigentümer ihrer Grundstücke, Häuser und Werkstätten; c. Hutterer verwenden modernste Technologien für ihre landwirtschaftlichen Großbetriebe, Amische setzen auf Pferdekraft in bäuerlichen Familienbetrieben. Dazu gibt es erhebliche Unterschiede bei Sprache, Herkunft, Kleidung.


    Gemeinsam ist ihnen, dass beide Gruppen Kindertaufe, Eid und Wehrdienst ablehnen.

  • Lieber Tobi_93

    Die nachstehend verlinkte Filmdokumentation lässt ein Einblick in einen hutterischen Bruderhof zu. Du bist bestimmt in der Lage das was in der Dokumentation gesagt und gezeigt wird, im Lichte der Bibel zu prüfen. Das ist wichtig um das Positive wie Negative zu erkennen, um daraus zu lernen.


    Nicht mit dem Evangelium vereinbar ist die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern. Denn in Christus ist nicht Mann noch Frau, wir sind alle eins in Christus Jesus.



    Liebe Grüße

    Jasmina

  • Hallo Tobias,

    es gibt Fragen die darf man hier nicht stellen obwohl sie wie ich meine sehr wichtig sind.

    Einige Errungenschaften der Industrialisierung werden uns nicht jetzt aber in ein paar Generationen nicht mehr in dieser Konstellation leben lassen. Denke in unterschiedliche Richtungen und bilde deine eigene Meinung. Täufer war nie Mainstream.

    Gruß

    Georg

  • Und die Frau den Mann untertan sein soll?


    Es geht Tobi_93 offensichtlich um Epheser 5,21-33 — ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.


    Die Herausforderung besteht darin, zu verstehen, was der Verfasser von Epheser 5,21-33 in seiner Zeit sagen wollte, um dann die gewonnene Erkenntnis auf unsere heutige Lebenswelt anzuwenden.

    Paulus schreibt in einer Zeit in der der Mann der Frau als überlegen galt, die Männer sich dementsprechend benahmen. Sie sahen in Frauen geringwertigere Wesen, sprachen ihnen die Würde als Mensch ab. Das zieht sich im manchen Kreisen leider bis in unsere Zeit durch.


    Aus dem orthodoxen jüdischen Gebetsbuch Sidur beten heute noch manche jüdischen Männer: „Gott sei Dank bin ich nicht als Frau geboren.“


    „Die Frau ist ein Mißgriff der Natur ... körperlich und geistig minderwertiger ... eine Art verstümmelter, verfehlter, misslungener Mann ... die volle Verwirklichung der menschlichen Art ist nur der Mann.“ Thomas von Aquin.


    „Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“ Martin Luther.



    Solchen diskriminierenden Vorstellungen über die Frau tritt der Apostel Paulus entschieden entgegen. Paulus erklärt dies im Epheser, indem er den Wert der Frau mit dem Wert der Gemeinde, dem Leib Christi, gleichsetzt.

    Auch hier geht es um Gewaltfreiheit. Gottes Heil zeigt sich in der erneuerten Gemeinschaft, die sich durch Dienen statt Herrschen auszeichnet. Das Evangelium bringt das Ende aller Überlegenheitsvorstellungen, es will Gleichwertigkeit wiederherstellen. In Christi Leib gilt eine uneingeschränkte Gleichwürdigkeit aller Menschen. Uneingeschränkt ob wir von Männern oder Frauen (oder einem anderen Geschlecht) sprechen, uneingeschränkt vom sozialen Stand, von der ethnischen Herkunft oder der Generationenzugehörigkeit.




    (Im Epheserbrief wird zwar der Apostels Paulus als Autor genannt, aber er stammt möglicherweise nicht von ihm. Das sollte man auf dem Bildschirm haben, wenn wir uns mit ihm befassen.)

    Edited once, last by Fasel ().

  • Hallo Fasel,

    als ich deine Zitate und Textstellen gelesen habe, hat es mich geschüttelt.

    Das ist aus heutiger Sicht, männliche Arroganz und Hochmut in Perfektion ( oder eher Perversion?).

    Das ist in meinen Augen Menschen verachtend!


    Diese Gedanken haben für mich nichts mit der Gemeinschaft in Christi gemein

    In Epheser 5,25 lesen wir

    25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben,


    Die Frau soll sich im Epheser 5 dem Mann unterordnen. Ja, aber der Mann hat dieses große Geschenk mit Liebe, Achtung und Wertschätzung zu vergelten.


    Und lese ich in .

    31 »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen,...


    Hier steht der Mann hängt an seiner Frau, nicht Frau am Mann!


    Dieses Thema ist sehr emotional aufgeladen und berührt in empfindlicher Weise das Selbstverständnis unserer besseren Hälften (und natürlich auch allen unverheiratet Frauen).

    Daher möchte ich mich mit aller höchster Achtung, über dieses Thema äußern.

    Gruß

    Georg

  • Hallo Fasel,

    als ich deine Zitate und Textstellen gelesen habe, hat es mich geschüttelt.

    Das ist aus heutiger Sicht, männliche Arroganz und Hochmut in Perfektion ( oder eher Perversion?).

    Das ist in meinen Augen Menschen verachtend!


    Diese Gedanken haben für mich nichts mit der Gemeinschaft in Christi gemein


    Wieso aber verteidigst Du diese „Gedanken“ gleichzeitig in der Verweigerung dem, was das Wort uns sagt? Die Bibel beim Wort nehmen bedeutet eben nicht, sie scheuklappentragend wortwörtlich nehmen, sondern auf das zu hören, was aus Johannes 1,1-8 so schön hervorgeht.


    Wenn Du dich mit „aller höchster Achtung, über dieses Thema äußern“ willst, bleibt Dir nichts als zu respektieren, daß eine uneingeschränkte Gleichwürdigkeit aller Menschen Gottes Wille ist. Das zeichnet doch den Neuen Bund aus. Schon am Anfang der Bibel ist zu lesen: Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau (1. Mose 27).


    Eine Gemeinde, in der die Frau dem Mann untergeordnet ist, in der eine Frau Ämter und Dienste nicht ausüben darf nur weil sie eine Frau ist, unterscheidet sich nicht von „der Welt“, kann nie Licht des Evangeliums sein.


    Zu wem ist hier gesagt: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben*, um sie zu heiligen.“? Ganz gewiß nicht zu denen die schon in Christus sind und Frauen Gleichwürdig behandeln, denn diese tun es ja schon, sondern zu denen die es noch nicht begriffen haben. Grundsatz ist: „Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.“ (Epheser 5,1).


    *Mehr noch, als sein Leben zu geben wie Jesus Christi, kann man sich kaum unterordnen.

  • Diese Dokus über die Hutterer sind sehr interessant, und ihre Art zu leben finde ich beeindruckend. Aber wie findet ihr es, dass in der Schule die Evolution und z.B. Saurier tabu sind? Bei den Amisch wird das kaum anders sein. Die Frage, wie man angesichts des modernen Wissens über die Natur den Glauben an Gott und das Evangelium bewahrt, wie man also beides miteinander vereinbart – diese Frage stellt sich ja doch jedem, der ein bisschen nachdenkt. Oder ?

  • Aber wie findet ihr es, dass in der Schule die Evolution und z.B. Saurier tabu sind? ... Die Frage, wie man angesichts des modernen Wissens über die Natur den Glauben an Gottund das Evangelium bewahrt, wie man also beides miteinandervereinbart – diese Frage stellt sich ja doch jedem, der einbisschen nachdenkt.


    Nur Fundamentalisten sehen darin eine Diskrepanz, beziehungsweise eine zweite Lehren die bekämpft werden muss. Für aufgeklärte Christen ist die Wissenschaft ein Hilfe, die der Erklärung dient. Die Bibel sagt nichts oder kaum etwas über die Entstehung der Erde aus. Sie überliefert lediglich in traditioneller Überlieferungsart davon. So wie wenn kleine Enkelkinder ihre Großeltern Fragen wie denn die Erde entstand, und diese ihnen den bekannten Bericht kurz und verständlich erzählen ohne sich dabei in irgendwelche Details zu verlieren. Dies in Form eines Sechstagesberichts zu erzählen, ist wohl nicht ursprünglich. Die Wissenschaft kann uns wiederum dabei helfen, den Schöpfungsbericht in Entstehung und Aussage einzuordnen. Manche Themen die sich daraus erschließen sind (wieder) tagesaktuell, man denke nur an die Fridays for Future Bewegung — droht doch die Erde wieder wüst und Öde zu werden.
    War die Erde nicht schon existent, wüst und wirr, als der Geist Gottes laut Schöpfungsbericht über ihr schwebte? Hat der Mensch nicht versagt, Angesicht den Problemen vor denen wir heute stehen?

  • Nur Fundamentalisten sehen darin eine Diskrepanz, beziehungsweise eine zweite Lehre...

    Na – ganz so harmonisch wie du sehe ich das nicht. Die Naturwissenschaft erklärt die Welt ohne das Einwirken Gottes. Sie behauptet nicht, dass Gott nicht existiert, denn eine solche Behauptung lässt sich (aus methodischen Gründen) nicht beweisen. Aber die Naturwissenschaften setzten methodisch voraus, dass Gott in das, was sie zu erklären oder zu berechnen sich bemühen, nicht eingreift. Eine Erklärung, in der das Wirken Gottes vorkäme, wäre keine naturwissenschaftliche Erklärung, und etwas, in das Gott jederzeit eingreifen könnte, wäre für uns grundsätzlich nicht vorausberechenbar . Es gäbe dann keine Naturgesetze, sondern Gesetze Gottes, die von ihm selbst aber jederzeit übertreten oder aufgehoben werden könnten.


    Es gibt also durchaus ein grundsätzliches Problem, das allerdings in der abstrakten Form, wie ich es oben kurz dargestellt habe, den meisten Leuten nicht bewusst ist. Trotzdem denke ich, dass viele Menschen das Problem spüren, denn wir alle gehen mit Technik um, und wir wissen, dass diese Technik auf Naturgesetzen und Vorausberechnungen beruht. Da wird es immer schwerer, an das Walten eines allmächtigen Gottes zu glauben. Und das scheint mir der tiefere Grund der Säkularisierung zu sein, die wir in den westlichen Gesellschaften beobachten.


    Andererseits würde ich den Sechs-Tage-Schöpfungsbericht nicht als Poesie oder Kinderkram abtun. Wenn ich an Gott als den Schöpfer der Welt glauben will, dann will ich an diesen Bericht glauben – und zwar als an eine „absolute Wahrheit“ (was immer das genau sein mag).

  • Da wird es immer schwerer, an das Walten eines allmächtigen Gottes zu glauben.


    Es braucht keine großen Bibelkenntnisse um zu wissen, dass Gott nicht allmächtig, sondern ohnmächtig ist.


    Wir leben heute in einer Zeit nach dem Holocaust, die Frage ist nicht, wieso hat Gott diesen zugelassen, denn Gott hat ihn nicht zugelassen. Es sind wir Menschen, die es wider besseres Wissen zugelassen haben. Gott musste ohnmächtig zusehen. Aber sein Plan, seine Absicht ist immer noch dieselbe.


    Wir haben heute Atombomben, mit denen wir unvorstellbare Zerstörung anrichten können. Mit diesem Wissen, können wir nicht so tun, als ginge uns dies alles nichts an. Wir können nicht so tun als wüssten wir nicht, von der vom Menschen verursachten Umweltverschmutzung, dem Artensterben, dem Klimawandel, usw. Gott gab uns Menschen einen Auftrag, ein Treuhänderauftrag für die Erde, es liegt an uns Menschen, ob wir diesen wahrnehmen oder nicht. Um diesen wahrzunehmen, müssen wir je komplexer die Welt wird, umso enger miteinander zusammenarbeiten.


    Gott hat keine anderen Hände als die unsrigen!

  • das scheint mir der tiefere Grund der Säkularisierung zu sein, die wir in den westlichen Gesellschaften beobachten.


    Ich gehe davon aus, mit Säkularisierung ist hier der Bedeutungsverlust von Religion in der westlichen Welt gemeint.


    Ich finde es gut, dass die Zeit des „Christentums“ zuende ist, denn es bedeutet Hoffnung für das Evangelium. Die Kirche kann wieder Jesus ähnlicher werden.


    Es ist doch nur verständlich. Wenn Menschen sich von Kirchen distanzieren, wenn dort nicht mehr das Evangelium gelebt (gepredigt) wird. Wenn Kirchen nicht mehr verbindet um einen neuen Menschen zu schaffen, sondern sich von allem distanzieren, aus- und abgrenzen.


    Beyond - Postchristentum

  • Es braucht keine großen Bibelkenntnisse um zu wissen, dass Gott nicht allmächtig, sondern ohnmächtig ist....

    Aber warum sollte jemand zu einem ohnmächtigen Gott beten?

    Und wenn wir sagen: "Gott hat keine anderen Hände als die unsrigen" - setzen wir uns dann nicht (wieder einmal) selbst an die Stelle Gottes?


    Ich glaube nicht, dass die Amischen oder die Hutterer aus den Übeln in der Welt den Schluss ziehen, Gott sei ohnmächtig. Nein, sie werden sagen: Das ist eben die böse, sündige, gewalttätige Welt, der wir den Rücken gekehrt haben. Ich denke auch nicht, dass die Amischen oder die Hutterer mit ihrer Lebensweise die Welt verbessern wollen. Nein, sie wollen ohne Sünde durch das Jammertal hindurchkommen und hoffen auf das Himmelreich. Oder sehe ich das falsch?

  • Nein, sie werden sagen: Das ist eben die böse, sündige, gewalttätige Welt, der wir den Rücken gekehrt haben.

    Dann ist es das Zugeständnis, dass sie sich von denen abgewandt haben, denen sich Jesus anschaulich zugewandt hat. Mit anderen Worten, sie wandeln nicht im Lichte des Evangeliums.


    Und wenn wir sagen: "Gott hat keine anderen Hände als die unsrigen" - setzen wir uns dann nicht (wieder einmal) selbst an die Stelle Gottes?

    Das kommt darauf an, ob wir unseren Willen tun oder seinen. Wir (die Menschen) haben einen klar definierten Auftrag, — wir sollen ein Spiegelbild seiner Ehre sein, unser Auftrag ist es, für die ganze Schöpfung zu sorgen — , es liegt an uns diesen Auftrag anzunehmen, oder eben nicht.


    Nein, sie wollen ohne Sünde durch das Jammertal hindurchkommen und hoffen auf das Himmelreich. Oder sehe ich das falsch?

    Nein, aber es geht am Evangelium vorbei.




    Studiere die Geschichte der Amischen und Hutterer, und Du wirst sehen das (weshalb) sich Sachen eingeschlichen haben, die dem Evangelium ein Greuel sind. Denn sie haben sich als Gemeinschaft von den Folgen der Verfolgung, Flucht und auferlegten Einschränkungen (wie Missionsverbot, Kontaktsperre, usw.), bis heute noch nicht befreit. Mit anderen Worten, der Patient ist schwerkrank.