Bibelstelle - zwei Bibeln, zwei Aussagen

  • Hallo Ihr Lieben,


    Es ist für mich allgemein etwas verwirrend, da in den verschiedenen Übersetzungen das Wort Gottes unterschiedlich ausgelegt wird. (auch wenn manche Sätze fast das Gleiche aussagen, gibt es bei näherer Betrachtung doch Unterschiede in der Auffassung und Auslegung.)

    Es gibt eine Aussage, durch welche ich auf meinem Weg zum Christsein so verunsichert wurde, dass ich es lange Zeit wieder aufgegeben habe:


    Worte aus der Einheitsübersetzung: Römerbrief 12,2: Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern WANDELT EUCH UND ERNEUERT EUER DENKEN...….

    Worte aus der Jesus Bibel: Römerbrief 12,2: Deshalb orientiert euch nicht am Verhalten und an den Gewohnheiten dieser Welt, sondern LASST EUCH VON GOTT DURCH VERÄNDERUNG EURER DENKWEISE in neue Menschen verwandeln....


    Also sollte jetzt ich mich vorrangig bemühen um mein Denken zu verändern (was mehr Mühe meinerseits erfordert), oder kann ich mich darauf verlassen, dass mich Gott verwandelt - in meinen Augen zwei völlig verschiedene Ansätze. :/

    Liebe Grüße Gabriele


  • Hmmm, wirklich eine schwierige Frage. Es hat mich früher immer fürchterlich aufgeregt, wenn Menschen nach dem Mund des anderen reden und man so nicht von der Stelle kam, gerade wenn man so keine Probleme lösen konnte. Denn das Alte bewert sich nicht mehr im Wandel der Zeit. Und neue Dinge passen nicht. Sich einfach anzupassen macht aber gerade die ältere Generation krank. Ich wurde Mutter und fand meinen Auftrag sehr wichtig meine Kinder zu lebens - und entscheidungsfähigen Menschen zu erziehen in einer Welt die sich ständig wandelt. Wenn ich meine Kinder dazu erzogen hätte nur beengt in gleichen Bahnen zu denken und nicht auszubrechen um die Dinge von all ihren Seiten zu betrachten um neue Wege zu finden, hätte ich mein Ziel nicht erreicht. Ich denke wenn Gott unsere Vater uns genau so betrachtet, als unsere Kinder, wird er erfreut sein wenn wir uns die Mühe machen in seinem Sinne neue Wege und Entscheidungen zu finden. Es ist ein Prozess der menschlichen Reifung und gehört zum Leben dazu.

    "Aber der Tod hilft den Menschen doch, dass ihre Seele nicht verlorengeht." (Lennart, 9 Jahre)

  • Ich verstehe deine Ansichten, auf den Alltag bezogen ist es für mich auch nachvollziehbar.

    Aber beim Wort Gottes bin ich mir nicht so sicher, ob es gut ist, selber nach Wegen zu suchen, wie man was auslegen könnte. Man biegt sich das Wort dann subjektiv zurecht. (was bei Übersetzungen so und so geschieht, wenn dabei auch mehrere Leute beteiligt sind).

    Ich habe einmal mit einem jüdischen Schriftgelehrten über die Übersetzung aus dem Hebräischen gesprochen - er hat Textstellen aus dem AT zitiert und die Möglichkeiten der Übersetzungen. (also ein Satz in Hebräisch ergibt mehrere Übersetzungsmöglichkeiten :/)

  • Klar, das wirst du oft finden, nicht nur in häbräisch. Gott ist ein guter Ratgeber, du bist genauso induviduell wir er dich geschaffen hat. Also lass auch Individualität in deinen Auslegungen zu. Wenn du Gott folgst wirst du deine Auslegung finden. Vertrau dir, denn er glaubt an dich.

    "Aber der Tod hilft den Menschen doch, dass ihre Seele nicht verlorengeht." (Lennart, 9 Jahre)

  • Also sollte jetzt ichmich vorrangig bemühen um mein Denken zu verändern (was mehr Mühe meinerseitserfordert), oder kann ich mich darauf verlassen, dass mich Gott verwandelt - inmeinen Augen zwei völlig verschiedene Ansätze.


    Wir sollen die Bibel nicht wortwörtlich nehmen, aber beim Wort! Es geht um den roten Faden, der sich durch die Bibel zieht. Dazu finde ich das Buch Schalom - das Projekt Gottes bereichernd.



    Weil Gott nicht allmächtig ist, mit anderen Worten ausgedrückt „Gott hat keine andere Hände als die unsrigen“, liegt es an uns Menschen zu handeln. Die Bibel spricht selten eine einzelne Person direkt an, wie auch in dem von Dir zitierten Text der an eine Gemeinde gerichtet ist. Der Einzelne ist immer ein Teil des Größeren, nur in Gemeinschaft, (am Ende als Weltgemeinschaft,) können wir etwas bewegen, und den von Gott verliehene Treuhänderauftrag für seine Schöpfung wahrnehmen. Stichwort drängende Probleme: Hunger, Verfolgung, Umweltschutz (Erderwärmung), etc.

    Dazu muss man Verstehen: Eine christliche Ortsgemeinde ist eine Ansammlung Menschen, die gemeinsam in der Nachfolge auf den Weg sind. Sie ist eine Lerngemeinschaft, eine Schule fürs Leben, in der jeder mit seinen Gaben dient, in der die Bibel hermeneutisch ausgelegt wird. Gemeinde ist der Ort in dem geübt wird, was Jesus uns vorgelebt hat. In der gelebten Gemeinde können wir das verheißene Paradies erkennen, da ist es fassbar — diesseits und heute.


    Transformation

  • Es ist manchmal etwas verwirrend den roten Faden zu erkennen, vor allem da die verschiedenen Ortsgemeinden auch verschiedene Auslegungen machen. Aber so ist das halt in einer - wie du so treffend formuliert hast - Lerngemeinschaft, einer Schule fürs Leben.


    Man sollte einfach den Blick auf das richten, was uns Jesus vorgelebt hat und diesem Vorbild nachfolgen.

  • Ja


    Tatsächlich haben Gemeinden unterschiedliche Schwerpunkte, eine in Eritrea hat andere Nöte als eine im Burgenland oder eine in China. Traue keiner Gemeinde in der die Stimmen von Frauen und Männern nicht gleichermaßen gehört und respektiert werden. Die Gemeinde Jesu zeichnet sich durch ein gewaltfreies Leben und Handeln aus. Unter Berufung auf die Botschaft Jesu Christi und als deutliches Zeugnis des Glaubens setzt sie sich unter der Herrschaft des Friedefürsten Jesus Christus für Frieden in allen Belangen des persönlichen, kirchlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Lebens ein.

  • Unser weiser Hauskreisleiter (ein evangel. Pastor im Ruhestand) hat einmal gesagt: wenn du etwas beim Bibellesen nicht verstehst, ist es wie beim Kottlett-Essen : Lass den Knochen liegen und iss nur das Fleisch. Eines Tages wirst du vielleicht den Rest auch verstehen.

    Mir geht es z.B. oft so, dass ich diesselbe Bibelstelle - wenn ich sie irgendwann einmal erneut lese - plötzlich wie neu "entdecke", sie erschließt sich mir ganz neu, sodass ich manchmal denke: Hat das letztes Jahr auch schon dort gestanden? ;-)

    Und das ist mir eine große Hilfe, wenn ich eine Bibelstelle einmal nicht verstehe, ich lass sie einfach liegen. Eines Tages werde ich sie vielleicht doch noch verstehen. Und bis dahin erfreue ich mich an dem, was ich verstehe.

    Vielleicht hilft es dir auch, verschiedene Kommentare und Auslegungen zu lesen.

  • Ja, da hast du recht - manchmal sieht man Bibelstellen, mit welchen man Schwierigkeiten hatte, einige Zeit später in einem anderen Licht. Ich versuche immer, verschiedene Auslegungen zu lesen und wirken zu lassen.

  • Hallo Gabriele!

    Ich habe den Bibelvers nachgeschlagen, den du eingangs erwähnt hast und in der Schlachter (auch die Züricher übersetzt ähnlich) steht bei Römer 12,2 :

    Und passt euch nicht diesen Weltlauf an, sondern lasst euch (in eurem Wesen) verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.


    So wie ich verstehe, sollen wir uns durchdringen lassen von der Botschaft Gottes und dadurch werden wir zwangsweise verwandelt (in unserem Denken, der Sichtweise auf die Dinge). Ich empfinde diesen Vers als eine Aufforderung, sich in der lauten und stürmischen Welt auf Gott zu konzentrieren und seine Lehre zu verinnerlichen. Denn nur so kann ich / können wir, seinem Willen folgen, aktiv werden, tun...


    (Die Schlachter- und die Züricher Bibel nutze ich mittlerweile sehr gern. Die Verfasser beider Übersetzungen versuchen, so nahe wie möglich an den hebräischen und griechischen Grundtexten zu bleiben und scheuen sich nicht in den aktuellen Revisionen tradierte (Fehl-)Übersetzungen abzuändern, wenn sie so näher an die ursprüngliche Botschaft kommen.)


    Schöne Grüße

  • Sich nicht diesen Weltlauf anpassen - das spricht so schön für den Lebensstil der Amish People.....aber da ja kaum jemand von uns so leben kann, bin ich auch deiner Auffassung: sich in der Welt auf Gott konzentrieren.

    Wobei ich sehr wohl versuche, soweit es mir möglich ist, mich von der (konsumorientierten, hektischen) Welt zurückzuziehen.


    Danke für den Tipp mit der Schlachter und Züricher Bibel.

  • Sich „nicht“ der Welt anpassen, bedeutet doch in erster Linie, dass sich unsere Vorstellung von Gerechtigkeit vollkommen von der „der Welt“ unterscheiden soll! Wenn unsere Gerechtigkeit nicht vollkommen anders und besser ist, als die der Schriftgelehrten und Pharisäern, werden wir nie verstehen was Gott für eine Macht in uns hat. „Könnt ihr nicht ins Himmelreich eingehen“, wörtlich übersetzt.


    Von dieser göttlichen Gerechtigkeit legten Amische nach dem Massaker an der Nickel Mines Schule, öffentliches Zeugnis ab. Es ist eine heilende Gerechtigkeit, eine die nicht bestraft. Aber diese Gerechtigkeit ist vollkommen unabhängig vom Lebensstil der Amischen.



    Mir fällt dazu immer der diametrale Unterschied zwischen Johannes dem Täufer und Jesus Christus auf. Johannes predigte die Welt, Jesus aber das diesseitige Himmelreich.

  • Beitrag von Georg a. W. ()

    Dieser Beitrag wurde von Waterloo aus folgendem Grund gelöscht: Spalterisch, haß- und angstpredigend, frauenfeindlich, patriarchalisch, identitärisch, schultkultisch oder rechtsradikal — oder alles zusammen. ().
  • Beitrag von LostInBabylon. ()

    Dieser Beitrag wurde von Waterloo aus folgendem Grund gelöscht: Spalterisch, haß- und angstpredigend, frauenfeindlich, patriarchalisch, identitärisch, schultkultisch oder rechtsradikal — oder alles zusammen. ().