Geschäfte und Übernachtungsmöglichkeiten bei den Amischen

  • Hallo Liebe Amisch-Freunde,


    ich fahre ende August in die USA. Und ich fahre auch in das Amisch-Gebiet.


    Frage: Gibt es Amische Geschäfte (die nicht zwingend nur für Touristen sind)? Wenn ja, welche?


    Außerdem wollen ein Kumpel und ich bei den Amischen übernachten. Bieten die Amischen Übernachtungen an (Motel oder ähnliches?)?


    Vielen Dank und eine gute Woche :)

  • Hallo Tobias,


    in welchen Bundesstaaten werden Ihr denn unterwegs sein? In den Amish Countries von Pennsylvania, Ohio und Indiana gibt es nicht nur Sägereien oder Kutschenshops, sondern jede Menge amischer Einzelhandelsgeschäfte: Möbel, Lebensmittel, Haushaltswaren, Eisenwaren, Stoffe, Schreibwaren, Matratzen usw.


    Ein oder zwei amische Familien bieten Bed&Breakfast an, doch Ihr könnt nicht online reservieren. Ihr müsstet ihnen auf den AB sprechen und hoffen, dass sie zurück rufen.

  • Hallo Gisela,


    wir sind in Pennsylvania, Ohio, Indiana, Illinois unterwegs. Bed and Breakfast klingt toll. Müssen wir da einfach vorbeifahren, oder wie kommen wir an die Telefonnummern? (:


    Geschäfte klingt großartig! Vielen Dank für deine tollen Informationen. SO freue ich mich immer mehr auf die Reise

  • Es hat sich was getan, denn in Lancaster Co., PA gibt es inzwischen sogar vier Übernachtungsmöglichkeiten, die online bequem buchbar sind.

    Überall kann man bei amischen Familien als zahlender Gast essen. Das muss man vorher reservieren und gibt dann bei der Begrüßung die zuvor verabredete Summe in einem Umschlag ab.

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  • Ja, meine Mailbox ist leider voll, und ich kann sie nicht leeren. Dafür habe ich Dir unter Nr. 4 hier im Thread (s.o.) einen Link zu vier amischen Übernachtungsadressen eingefügt.

  • Wie kommst Du denn darauf, Tobi?
    [IMG:https://i.pinimg.com/236x/7e/18/12/7e1812e6b4dee9598c92de6040cbcd44--amish-country-telephone.jpg]Benutzen dürfen sie sehr vieles. Strom, Telefon und Internet haben zwar im Wohnbereich der Familien nichts zu suchen. Doch die meisten Gemeinden erlauben diese Dinge für den Beruf, und die sind dann in der Werkstatt oder im Stall untergebracht.


    Außerdem gibt es regelrechte Hightech-Hütten an den Grundstücksgrenzen, die von mehreren Familien geteilt werden.


    Donald Kraybill hat diese scheinbaren Widersprüche in seinem Buch "The Riddle of Amish Technology" ziemlich gut erklärt. Wer Bücher lesen kann, ist oft im Vorteil.

  • Hallo Gisela,


    vielen Dank für deine Auskunft. Ich wollte dich damit nicht angreifen, falls es so rüberkam.


    Ich freue mich immer wieder über deine Aufklärung und lasse mir auch gerne Literaturtipps geben (:

  • Lieber Tobi,


    welche Sachbücher über die Amischen kennst Du denn schon? Oder woher stammt Deine Annahme, dass die Amischen das Internet nicht nutzen würden?


    Alle Bücher von Donald Kraybill finde ich empfehlenswert. The Riddle of Amish Technologyist zwar schon fast zwei bzw. drei Jahrzehnte alt, doch den grundsätzlich wählerischen Umgang der Old Order Leute mit technischen Neuerungen erklärt es nach wie vor.

    2 Mal editiert, zuletzt von gisela ()

  • Was für wunderschöne Unterkünfte. Mir sind wirklich die Tränen gekommen, wenn ich das so sehe, weiß ich was mir fehlt. Hier in Deutschland ist nicht nur das Wetter kalt, nein, es sind vor allem die Menschen! Keine Liebe und keine Herzlichkeit mehr. Kein Zusammenhalt, kein Miteinander eher das Gegenteil. Es macht mich krank, warum muss ich hier leben. Was hat Gott sich dabei nur gedacht.

    Ja, ich weiß, jetzt wird wieder gesagt, dass es nicht überall so ist und das auch bei den Amisch nur mit Wasser gekocht wird. Gut, aber Deutschland ist wirklich ein eher unfreundlichen Land. Ich lebe hier schon lange genug und habe in den verschiedensten Regionen gelebt. War teilweise auch schön, aber das Land hat sich verschlechtert und das kann nicht nur an der schlechten Politik und dem Klimawechsel liegen.

    Grüße von einer Träumerin.

  • at hvo:

    Klar kann man es sich nicht aussuchen, wo man geboren wird. Aber Du kannst es doch beeinflussen, WIE Du lebst. Wir haben ein Schlafzimmer und auf unserem Sommerwohnsitz (ein alter Hof) Küche und ebenfalls Schlafzimmer im Amish-Stil gebaut. Eine Wohltat für die Seele.


    Naja, ein bissel haben wir auch bei den Shakern abgeguckt.

  • Hallo Gisela,


    ich schreibe gerade an einer Hausarbeit über die Amish und habe mir verschiedene Bücher aus der Bibliothek besorgt.

    Die Autoren sind Kraybill, Nolt und Meyers. Leider sind die Bücher tatsächlich nicht die neuesten, und mich würde interessieren, ob es in den letzten fünf Jahren gerade in Bezug auf die Nutzung von technischen Geräten Veränderungen gab. Kannst du mir dazu etwas sagen oder wer könnte mir da weiterhelfen?

  • Lieber Vinmore


    Es hat sicher Veränderungen im Bezug auf technische Errungenschaften gegeben. Die Amischen sind nicht einfach generell allem Neuen oder Technischem abgeneigt. Sie entscheiden einfach in einem längeren Prozess, ob diese neuen Dinge für die Gemeinschaft gut oder nicht gut sind. Meistens sind sie aber zuerst einmal eher kritisch. Es gibt allerdings durchaus einige Überraschungen dabei. Die meisten Amischen, die im Geschäftsleben stehen, haben Computer, Handys etc., das volle Programm. Ansonsten wären Ihre Geschäfte kaum konkurrenzfähig. Allerdings ist das dann auf das Geschäftsleben beschränkt. Manchmal gibt es auch komplizierte Zwischenlösungen oder Eigenbau-Erfindungen oder sie weichen auf Menschen aus, die diese Technologie besitzen, um z.B. eine E-Mail zu schreiben. Ich denke aber, in den letzten Jahren hat sich die zunehmende Technologisierung auch bei den Amischen mehr und mehr eingeschlichen. Und Amisch ist nicht gleich Amisch. Ich kann mir vorstellen, dass einige Gruppen vieles neuerdings zulassen und andere Gruppen nichts.


    Wie es in der Landwirtschaft aussieht, da kann ich dir keine Auskunft erteilen, da ich nur mit weiblichen Amischen Kontakte pflege. Ich war auch schon einige Jahre nicht mehr in den USA und kann deshalb nicht von eigenen Erfahrungen bezüglich Veränderungen berichten.


    Es ist übrigens interessant, wie viele Amische im Facebook zu finden sind. Und wie oft auch 10fach Mütter Beiträge verfassen :-)

  • Liebe realnanuk,


    vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort. Ich habe auch immer wieder gelesen, dass es im Geschäftsleben durchaus üblich ist, die zur Verfügung stehende Technik zu nutzen und diese nur sehr konsequent im engeren häuslichen Bereich vermeidet.

    Da du mit Müttern in Kontakt stehst: akzeptieren das deren Kinder bereitwillig und gelassen oder kennst du Eltern, deren Kinder ab einem bestimmten Alter gerade in diesem Punkt rebellieren, weil sie vielleicht gerne mit Freunden auf dem elektronischen Weg kommunizieren möchten? Wie streng wird das gehandhabt?

    Ich bin selber nicht bei facebook, staune jetzt aber schon ...

  • ... es gelingt mir noch nicht, eine wirklich spannende und fokussierende Frage zu formulieren, mit der ich mich intensiver beschäftigen könnte. Die gesamte Lebensweise der Amishe ist so verschieden von meiner Erlebniswelt mit 40 Stunden verkopftem Unterrricht und sitzen, sitzen, sitzen..., wiederum aber nicht komplett fremd für mich, da meine Vorfahren mütterlicherseits seit vielen Generationen Landwirtschaft betrieben und es mich jedes Wochenende wieder ins Dorf zieht. Heute gibt es dort keinen einzigen echten Bauern mehr, aber die Menschen sind noch immer sehr bodenständig, pflegen ihre Gärten, bauen Gemüse an, halten die Häuser und Grundstücke in Schwung und schlagen das Holz für den Winter selbst. Ich komme dort immer wieder zur Ruhe und mag dieses einfache Leben sehr. Meine Oma kocht und backt und kümmert sich um die Enkelschar, alle sind hilfsbereit und spontan, wenn irgendwo eine Hand gebraucht wird. Zusammen arbeiten, zusammmen essen und auch feiern. Ich bin froh, dass ich seine so eine Großfamilie habe. Nur der Glaube spielt gar keine Rolle (mehr)...

    Die Amishe hingegen beziehen doch genau daraus ihre Kraft und stellen das wohl der Gemeinschaft in den Vordergrund. Wo hier immer von der individuellen Entfaltung der Persönlichkeit die Rede ist. Was dabei herauskommt, sieht man ja. Letzte Woche stand in der Zeitung, dass jeder vierte Jugendliche zwischen 19 und 25 psychische Probleme hat und ärztlichen Rat sucht. Leistungsdruck, Angstzustände, Panik ... auch mir graut vor dem Abi.

    Was könnte ich also untersuchen... , das ist jetzt leider nicht nur eine rhetorische Frage;)