Ein Tag lang leben wie die Amish

  • Die Frage, ob ein Amish - Leben in Deutschland (Europa) möglich wäre, veranlaßte mich zu folgenden Gedanken:
    Was ist an meinem Leben notwendig (wichtig)?
    Was ist Ballast?
    Ist manchmal "Weniger mehr"?
    Befinde ich mich in einem Konsumstrudel?


    Es ist interresant, sich einen Tag lang vorzustellen, wie das Leben ohne bestimmte Dinge abläuft bzw. welche Dinge wirklich für einen wichtig sind.


    Wenn ich mir den heutigen Tag anschaue, wird mir einiges klar:


    Heute hat mich um 6.30 Uhr mein batteriebetriebener atomurgesteuerter Wecker geweckt (mechanischer Wecker täte es auch). Badezimmerbenützung mit Fließwasser, Klo, Dusche, elektrisches Licht mit 3 Kindern und Mann. (kaltes Wasser in Waschschüssel und Krug wäre gewöhnungsbedürftig aber möglich, Klo hinterm Haus auch.) Aber dann...
    Statt des Wasserkochers wäre der Holzherd anzuheizen und Teewasser aufzustellen (15 Min. Mehrzeitaufwand aber zu schaffen). Brot wird mit dem Messer anstatt mit der Brotschneidemaschine aufgeschnitten. Milch und Butter aus dem Eisschrank mit Eisblöcken wie früher (woher die Eisblöcke nehmen, es gibt keinen Eismann mehr) oder eigenes Stromagragat mit Leindotterölbetrieb für Kühlschrank und wichtige Geräte. Selbstgemachte Marmelade aus der Speis und Honig von den eigenen Bienen.
    Bis jetzt wäre alles möglich. Aber nun wäre Jakob unser ältester in die Schule zu bringen. Pferde und Zeug sind vorhanden, ein Wagen wäre auch aufzutreiben, aber aus den 20 Minuten Autofahrzeit würden mindestens 80 Minuten Fahrzeit mit dem Fuhrwerk (nicht angerechnet das ein- und ausschirren).
    Dann stand Spinat einkochen, Hollundersaft machen und Mittagessen zubereiten auf der Tagesordnung.
    Küche ohne Strom würde meiner Meinung mindestens dreimal solange dauern wie mit Strom. Man denke nur an die Warmwasserbereitung, elektrische Herdplatte, Stabmixer, Küchenmaschine, Geschirrspüler etc. Nicht zuletzt muß man sich vorstellen in einer Küche zu arbeiten in der von ca. 6.30 Uhr bis 12.00 Uhr der Holzherd zu heiten ist. Man kommt da auf Raumtemperaturen bis zu 38 Grad Celsius!! - Aber auch das wäre zum Aushalten wenn man einige Helferinnen hätte.
    Nach dem Mittagessen war der Weidezaun herzurichten. Nach drei Stunden Arbeit war die neue Weide für unsere Rinder fertig, da wir einen Elektrozaun verwenden. Stromfreie Zaunkonstruktionen wären ca. dreimal zeitaufwendiger, aber zu schaffen.
    Danach wurde der Stall ausgemalt - kein Stromverbrauch.
    Am Abend noch Abendessen und Kinderbaden (zuerst noch Wasserwärmen am Holzofen und in die Badewanne tragen).
    Dann stand Elternabend im Kindergarten am Programm - mit der Pferdekutsche hinfahren wäre möglich, aber wer bleibt bei den Pferden, wenn ich im Kindergarten drinnen bin? Parkplätze für Pferdefuhrwerke gibt es nicht, geschweige denn Anhängevorrichtungenfür die Pferde.


    Alles in Allem glaube ich, daß ich auf viel verzichten könnte und das es vor allem den zwischenmenschlichen Beziehungen nicht schlecht täte (v. a. Fernseher). Allerdings bräuchten wir dann auf unserem Betrieb auch mehr Arbeiskräfte die dann den Mehraufwand an Zeit wieder wettmachten. Was ich mit nicht vorstellen könnte - ein Leben ohne Auto und ohne Waschmaschine.


    Was ich toll fände, wäre die Unabhängigkeit von Stromgesellschaften, Autowerkstätten, etc.
    Interessant wäre es zu wissen, ob die Amish Steuern, Krankenkassenbeiträge, etc. zahlen müssen die für "normale" Leute gesetzlich vorgeschrieben sind.
    Oder ist das in Amerika nicht so wie in Europa?


    Mich würde interessieren wie es anderen bei solchen Gedanken über ihren Tagesablauf geht? Gibt es für jemanden etwas wichtigeres als Auto und Waschmaschine?

  • Hallo Astrid,


    faszinierent, was du fragst. Es ist aber wichtig zu verstehen, daß die Amische selbst gewisse Kompromisse gemacht haben; sie leben eigentlich nicht wie vor 300 Jahren. Unter anderen darf es bei den Amischen Kühlschrank und Ofen (beides mit Gas statt Strom angeschaltet), fliessendes Wasser, usw. geben. (Es ist unglaublich, was man ohne Strom schaffen kann, wenn man schlau ist.) Trotzdem bist du auf einem sehr wichtigen Punkt gekommen: ein amisches Lebensstil ist viel ruhiger und läuft viel langsamer als bei unserem heutigen Leben. Es wäre zum Beispiel schwierig, als amische Frau eine Arbeit außerhalb des Hauses durchzuführen. Auch wäre es schwierig, es in einer Stadt statt auf dem Land zu versuchen.


    Gruß
    RFisher

  • Hallo RFisher,
    schon wieder ich (Clarobell),
    sicher ist es auf dem Lande in einigen Punkten leichte . Dafür gibt es aber andere Schwierigkeiten.
    Z. B. muß meine große Tochter in eine etwa 40 Km entfernte Schule. Mit welchem Gepann sol ich das machen. Dazu noch über einen Autobahn. Es fällt mir sehr auf dass hier in Deutschland es meisten "Stadtmenschen" sind die sich darüber gedanken machen auf was sie alles verzichten könnten und wie schön das Leben auf dem Lande ist. Nur versuchen wollen es die wenigste.
    Gruß
    Clarobell

  • Hallo,


    Quote

    Ein Tag lang leben wie die Amish

    .. heisst eigendlich nichts anderes als, ein Taglang zu versuchen, ein aufrichtriges, (ur)christliches Leben zu führen. Alles andere steht im Hintergrund.


    Gruss der Minister

    Liebe gibt es nicht ohne Gerechtigkeit, und die nicht ohne Hass auf Ungerechtigkeit, nicht ohne offenen Widerstand. Wahre Liebe kann es nur unter Gleichberechtigten geben, nicht von oben nach unten und nicht von unten nach oben .

  • Hallo Minister,


    ich glaube, dass ich verstehe, was Du meinst - und beim heutigen amischen Leben in Amerika geht es auch immer um den Versuch, das heutige Leben mit einem gewissen traditionellen Verständnis von einem frommen Leben zu vereinbaren. Aber wenn man von den Amischen spricht, geht es eigentlich nicht nur um was man selbst für richtig hält, sondern um was die Gemeinde und der Gemeindeeltern zusammen für richtig halten. Man muss zum Teil sein eigenen Verständnis des Lehrens Christi zur Seite legen und das leben, was die Überwiegende Meinung der ganzen Gemeinschaft entspricht.


    Am schwierigsten ist es, so von der heutigen Welt abgetrennt zu leben. Das heisst, Astrid brauchte eigentlich die Kinder nicht 40 kilometer auf der Autobahn in die Schule zu fahren, weill die Kinder eine einfachere Ausbilding - vielleicht sogar zuhause - bekommen würde. Oder müsste diese einfache Ausbildungsweise in Deutschland verändert werden?


    Gruss
    RFisher

  • Quote

    Original von clarobell
    Hallo RFisher,
    schon wieder ich (Clarobell),
    ... Es fällt mir sehr auf dass hier in Deutschland es meisten "Stadtmenschen" sind die sich darüber gedanken machen auf was sie alles verzichten könnten und wie schön das Leben auf dem Lande ist. Nur versuchen wollen es die wenigste.
    Gruß
    Clarobell


    Nun versuchen würden es bestimmt einige, mich eingeschlossen. Nur was für Perspektiven hat man? Ich meine es ist die Angst die einen doch zurückhält. Die Angst unter der Brücke zu schlafen, die Angst betteln zu müssen, die Angst zu verhungern.
    Was soll ich also tun? Alles aufgeben um dann festzustellen das ich nicht willkommen bin? Wo soll ich hin? Wer würde mir die Möglichkeit geben auf seinem Hofe zu helfen? Wer mir für die Arbeit die ich leiste Unterschlupf, Wasser und Brot reichen?
    Ich bin wirklich nicht abgeneigt wenn ich die Möglichkeit hätte. Aber die Angst nicht akzeptiert zu werden dafür aber alles aufgegeben zu haben hindert mich es überhaupt in Angriff zu nehmen.

    Edited once, last by Noodles ().

  • Hallo


    Ich denke das mit dem Strom kann man lernen.


    Mein Mann und ich wir waren schon viele male im Ausland.


    In der Heimat meines Mannes.


    Da hat es seit dem Krieg keinen Regelmässigen Stromablauf.


    Im Sommer hat es etwas mehr und im Winter weniger Strom.


    Da kann es passieren,dass man z.B gerade TV schauen will sich hinsetzt und zack der Strom ist weg.(ist mir öfters passiert)


    Oder das Duschen(man kann dort nur in der Dusche duschen wenn es Strom hat.Oder man kocht Wasser auf (Da kein Strom da ist mit einem Holzbetriebenen Ofen)mischt es mit kaltem Wasser und duscht dann mit einer Kelle.


    Es hat auch keine Zentralheizung sondern ein Holzofen im Wohnzimmer.
    Die anderen Zimmer sind kalt(Also warm anziehen und sich dick einmummen)


    Und doch genisse ich jede Stunde die ich dort verbringen kann.


    Man spürt erst dann wie es ist das Konsumüberfüllte Leben das man vorher geführt hat.


    Man genisst die einfachheit,man nimmt das Leben so wie es ist.


    Man ist wieder Mensch



    So genug geschrieben ich bin gespannt auf die anderen Beiträge



    Liebe Grüsse



    Sonnenblume

    Ein Freund ist vor dem man laut denken kann

  • ich denke, im alltagsleben fällt es einem viel schwerer, aufrichtig zu leben, weil es einfach zu viele zwänge gibt. aber im urlaub bin ich gerne mal zwei wochen lang mit weniger komfort zufrieden. in unserem haus in schweden gibt es nur eine steckdose, kein telefon, mit viel glück manchmal warmes wasser zum duschen, manchmal muss man sichs aber auch aus dem see holen, wenn die pumpe aufgibt. zu essen haben wir selber gefangenen fisch, beeren, pilze, kartoffeln aus dem dorf-keller, und zu trinken gibts meistens nur wasser. aber was brauche ich mehr? ich merke nur, dass ich nach diesen zwei wochen wesentlich ausgeglichener und zufriedener mit meinem leben bin.

  • wer nicht gleich in deutschland oder sonstwo amish leben will, könnte es ja mal mit einem einsatz (z. b. mission) in einem südlichen, z. b. afrikanischen land versuchen. allerdings nur dann, wenn tatsächlich so wie die leute dort gelebt wird, was leider die meisten missionen und "hilfswerke" nicht versuchen. meine paar jahre in ostafrika waren zwar diesbezüglich auch nicht immer vorbildlich (koordinations-job), aber viele unserer mitarbeitenden, selbst europäer und nordamerikaner, haben sich redlich bemüht, ein einfaches leben zu führen, wie es für 3/4 der menschheit alltag ist.


    übrigens habe ich etwas ähnliches wie naela, zwar nur für kurze zeit, in norwegen erlebt: kein strom, folglich kein kühlschrank, kein fliessendes wasser, sondern aus dem see geholt, feuer im kamin usw. - aber zugegeben eine trotzdem sehr schöne hütte.


    Quote

    Originally posted by Astrid
    Was ich mit nicht vorstellen könnte - ein Leben ohne Auto und ohne Waschmaschine.


    interessant ... auch wenn das auto durchaus seine berechtigung haben kann (gut, die lässt sich fast immer irgendwie finden), so denke ich doch, dass gerade das auto uns oft mehr als "heilige kuh" ist :( jedenfalls ohne kinder usw. und in der stadt ist es in vielen westlichen ländern kein sooo umwerfender verzicht, kein auto zu haben.

  • Das habe ich mir schon öfter vorgestellt, wie erholsam es wäre einmal das Tempo rausnehmen zu können mit der ganzen Familie ausgiebig Gott danken,loben und in seinem Wort forschen. Nicht abgelenkt von Dingen die wir scheinbar für wichtig halten. Mein Mann würde Abends nicht an den Computer gehen und unsere Oma nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen. Manchmal habe ich das Gefühl ich gehöre einfach nicht hierher. Es ist furchtbar laut in Frankfurt/Main wo gibts hier wirklich stille Ecken. Manchmal denke ich , dass ich Gott nicht hören kann weil es hier so laut ist. Unsere Tochter ist jetzt 16 Monate alt ob ihr auch schon zu laut ist??? Sie entwickelt sich prächtig ist neugierig und flink.
    Ich würde ihr und hoffentlich noch folgenden Geschwistern ein stilleres tieferes, Leben mit der Möglichkeit freie Natur und wirkliche Gemeinschaft zu erleben wünschen. Doch zuerst müßte mein Mann sich vorstellen können ein Leben ohne PC, Handy,Digitalcamera etc. führen zu können. Denn ich will nur mit ihm gemeinsam so einen Schritt gehen.
    Bisher kann er sich nicht einen einzigen Tag ohne das alles vorstellen.
    Komische Welt. :rolleyes:

  • Hallo


    Ja ja die Männer :rolleyes:was würden Männer ohne Handy machen,ohne Teletext im TV 8o
    Auch mich ziehts immer mehr in die Natur :]
    jetzt müsste nur noch mein Mann mitziehen dann wäre es Optimal
    *Daumen Drück*


    Lg


    Sonnenblume

    Ein Freund ist vor dem man laut denken kann

  • Einen Tag wie die Amisch leben - nur moeglich wenn man einer amischen Gemeinde angehoert, denn die hat z.B. eine Schule, die zu Fuss oder mit Pferd erreicht werden kann. Bis jetzt habe ich noch keine Amisch auf Fahrrad gesehen, muss sie mal fragen, ob das ihre Ordnung verbietet.
    Gucken sie mal rein in
    http://aae.wisc.edu/vons/amish.htm
    wo ich meine Eindruecke festhalte.

  • Hallo,


    Ich lebe dort mit meiner farbigen Frau und meiner Tochter in einem südafrikanischen Dorf. Im Moment bin ich aber in Europa spenden zu sammeln für kleinere Gemüseprojekte und einem Waisenheim.
    Tagesablauf: In der Früh aufstehen und Holz hacken für das Lagerfeuer für Wärme und heissen Tee. Zum Essen gibt es Tombolo, eine Art Brotersatz und Tee. Nach dem Frühstück Wasser holen und in einer alten Konservendose am Feuer erhitzen und dann ab in die Blechwanne zum Waschen.Danach kehren die Frauen vor dem Haus um den überschüssigen Sand wegzubekommen. Wir lassen dann die Hühner frei für die Futtersuche im Dorf. Danach ab auf das Feld um Erdnüsse zu pflücken und ein paar Maiskolben zu holen für das Mittagessen. Die Frauen beginnen mit dem Waschen der Kleidung auf einem Waschbrett in der Blechwanne. Warmwasser kommt vom Lagerfeuer. Wir gehen zu einer entlegenen Farm, kaufen dort 15kg Orangen mit dem Geld, welches wir durch Steineglauben am Feld verdient haben. Die Orangen werden zuhause abgepackt und dann im Dorf verkauft. Wir schlachten in der Zwischenzeit ein Huhn und nehmen es aus. Beim Huhn wird alles verwendet, wirklich alles. Wir braten das Huhn in einer Pfanne am Lagerfeuer und legen die Maiskolben in das Feuer. Am Nachmittag streifen wir durch die Felder um alte Maiskolben zu holen, welche bei der Ernte liegengeblieben sind. Diese Maiskolben werden zuhause auf einem Stein gemahlen und als Hühnerfutter verwertet. Am Nachmittag ist Siesta. Am Abend wird wieder Lagerfeuer gemacht um Licht zu haben und sich vor der nächsten kalten Nacht aufzuwärmen.


    mfg.


    JoJo

  • Es klingt grotesk, lb. Astrid, von wg. keine Zeit zu haben für elementares.
    In den letzten hundert Jahren war man, zeitweise zugegeben, gezwungen
    so zu leben. Davon abgesehen lebt die "Wohlstandsgesellschaft" in einer
    Zeit immer weniger Zeit zu haben, trotz der vielen, hier und dort erwähnten
    Erleichterungen (Haushaltshelfer, Auto). Frag mal heute jemanden nach der Zeit, so wirst Du meistens zuerst doff angeguckt...
    TomaWundram@web.de

  • Der Friedhof ist voll von Menschen, die keine Zeit hatten. :(


    Warum haben die Leute keine Zeit?
    Die Zeit ist doch das einzige, was gerecht verteilt ist. Jeder Mensch hat täglich 24 Stunden Zeit und kann damit machen, was er will. Wenn das Geld so verteilt würde, wie die Zeit, erhielte jeder Mensch am Tag 24 Geldscheine. Sicher gäbe es dann Leute, die nach 3 Stunden sagen, sie hätten kein Geld, während andere ihr Geld sinnvoll investiert hätten.


    Ich habe schon Leute erlebt, die Zeit tot geschlagen haben und hinterher behaupteten, sie hätten keine (gehabt).


    Danke :D daß Ihr Euch die Zeit genommen habt, meinen Beitrag zu lesen.

  • Hallo,
    grau ist alle Theorie. In einem anderen Forum wird sich ausgiebigst darüber ausgelassen, ob Amishes Leben wirtschaftlich sein kann in Deutschland. Auf was verzichtet werden kann, auf was nicht. Was im Notfall anstelle genommen werden kann. Tatsache ist, daß Deutschland durchbürokratisiert ist. Und Tatsache ist auch, daß entgegen aller Versprechen diese Bürokratie nicht verringert wird, sondern nur eine kleine Verschiebung ergibt.
    Ich bin überzeugt davon, daß ein naturverbundenes, gottgefälliges Leben wie die Amish People es in den USA führen, in Deutschland zumindest zur Zeit nicht möglich sein kann.
    Allein beim Hausbau schlägt die deutsche Bürokratie bereits zu. Angefangen bei der Abwasserleitung bis zur Stromversorgung.
    Es muß sich eine größere Gemeinde finden, die sich selber versorgen muß. Hier in Deutschland findet sich einfach nicht genügend Land dafür. Und sehr optimistisch bin ich auch nicht, daß sich in Deutschland viele Frauen finden, die auf jegliche Verhütung,da es die Pille gibt, zu verzichten. Zudem müßten sie ihren Job ( so sie in Zeiten der Arbeitslosigkeit einen haben) aufgeben.
    Wer läßt sich überhaupt noch auf eine Beziehung für das ganze Leben ein? Ein Großteil der Ehen wird bereits nach wenigen Jahren geschieden, weil in die Beziehung nichts investiert wird, man ist nicht bereit sich zu ändern, der Partner möge das tun.
    Wie soll das mit der Schule klappen? Schon andere kleinere Glaubensgemeinschaften sind an der deutschen Schulpflicht gescheitert. Eigene Schulen dürfen nicht aufgemacht werden. Zusätzlich vielleicht, aber nicht anstelle?
    Und mit dem Thema Schule muß man sich ja zwangläufig ohne Geburtenkontrolle beschäftigen. Die Schule ist sowieso ein Thema für sich. Jahrelang läßt man die Kinder behütet aufwachsen, erwischt mit Glück einen Platz in einem christlichen Kindergarten damit die christliche Erziehung gefestigt wird. Das erste Schuljahr schon kann alle Zuversicht, alles Ur - Vertrauen zunichte machen. Eltern werden bevormundet und gegängelt, was im Sinne des Lehrplanes für die Zukunft der Schüler wichtig sei. Wenn ich allein an den Aufklärungsunterricht in der vierten Klasse denke, gegen den wir uns trotz aller Bemühungen nicht zur Wehr setzen konnten, wird mir übel.
    Und wo wird das Saatgut( möglichst nicht gen - manipuliert, was von keinem Hersteller mehr garantiert werden kann) bezogen und überhaupt, wovon? Wer stellt sich als Erntehelfer zur Verfügung? Wenn kein Kredit aufgenommen werden darf, wer stellt das Grundkapital für solch ein risikobehaftetes Unternehmen zur Verfügung, das kaum bombastische Gewinne erwarten wird, materielle zumindest, schon Bio - Höfe scheitern an mangelnder Dauerkundschaft.
    Glaubensführer lassen sich eher finden als Gläubige, die bereit sind von liebgewordenem Luxus zu trennen, und dies nicht nur für einen zweiwöchigen Urlaub.
    Und , einmal eine ganz profane Frage : Werden Kindergeld, Lastenzuschuß oder Subventionen abgelehnt?
    Wir haben Kinder und für unsere Kinder den Kopf nicht in den Sand gesteckt, aber wir laufen immer wieder gegen Wände. Wir sind allein durch die Zahl unserer Kinder schon ANDERS, was immer das heißen mag. Daheim bei uns ist die Welt in Ordnung und bestimmte Regeln sind bei uns keine mehr, sondern sie werden als Selbstverständlichkeiten akzeptiert von den Kindern. Das beginnt bei Waffen / Kriegsspielzeug das uns nicht ins Haus oder aufs Grundstück kommt und endet beim abendlichen Tofu.
    Kaum kommt jedoch der Einfluß von Außen, beginnen die Sorgen. Wasserpistolen und Computerspiele mit grauenvollem Inhalt aus der Schule, jeden Tag wieder, immer neu. Es fällt schwer hier nicht mürbe zu werden. Nochzu, da die Eltern der anderen Kinder kaum Verständnis zeigen.
    Daß ich so auf dem Thema Kinder herumreite, hat eine ganz einfache Ursache: Kinder sind die Erben userer Gesellschaft. Was wir ihnen an Rüstzeug für das Leben mitgeben, kann nicht allein materieller Natur sein.
    Ich wiederhole nochmal : Ein Leben wie die Amish People ist meines Erachtens in Deutschland nicht möglich, und setze hinzu :unter Anderem wegen des Einflußes von Außen.
    Grüße Lydia

    Edited 3 times, last by Lydia_W ().

  • Ich kann mir schon vorstellen, daß ein leben wie Amish in Deutschland
    möglich ist.
    Dazu bedarf es aber sicher viele Vorbereitungen und ein durchdachtes
    Handeln.
    Ein Ausstieg aus Stromversorgung etc. ist nur schrittweise möglich.
    Der Umgang mit Pferden muss erlernt werden und vor allem muss
    man schuldenfrei sein, sowie ein eigenes Grundstück besitzen, das
    gewährleistet, daß man in der Lage ist, sich und seine Familie selbst
    zu versorgen.

  • Mich verwundert es, daß hier ständig vom Strom usw gesprochen wird. Und wo bleibt der Mensch? Wir leben seit über 25 Jahren in einem typisch deutschen Kaff und haben keine Chance, Kontakte zu bekommen, auch nicht über die sog Hl.kath.Kirche. Ich will damit sagen, man könnte hier sehr wohl amisch leben, aber es käme einer Einzelhaft verdammt nahe. Bevor jemand also irgend ein Experiment startet: auch als Amischer kann man geistig gesund nur im Rudel leben.

  • Mir faellt auf dass es wichtiger zu sein scheint ein Leben wie im 18. Jahrhundert zu fuehren als eine tiefe Beziehung zu Gott aufzubauen. Man kann doch trotz des Fortschrittes ein religioeses und diszipliniertes Leben fuehren. Wir sollten es eben nicht als selbstverstaendlich sehen Stom und fliessend Wasser zu haben sondern als ein Geschenk und dementsprechend dafuer dankbar sein anstatt mit aller Macht zu versuchen davon weg zu kommen. Was den Fernseher betrifft muss man ihn ja nicht einschalten, man kann ein Buch lesen, oder sich sein Kind schnappen und spazieren gehen. Wenn wir den vielen Versuchungen denen wir taeglich ausgesetzt sind wiederstehen koennen beweisst das doch unseren wirklichen Glauben.


    Liebe Gruesse

  • Liebe/r martie,


    du hast Recht. In vielerlei Hinsicht wird immer wieder betont in diesem Forum als quasi Urlauber einen Tag, eine Woche oder so weiter ein amisches Leben zu führen, besonders im Bezug auf technologieloses Leben.
    Nur, damit ist man nicht gleichzustellen mit einem Gläubigen, denn in der Bibel steht nichts drinnen, dass ein Fernseher schlecht ist.
    Letztlich muss ein Gläubiger immer entscheiden, wo er sich der Sünde hingibt und wo nicht, in diesem Sinne hat er letztlich einen freien Willen(so Pelagius gegen Augustinis im 4. Jhdt.). Für eine Sünde entscheiden wir uns oftmals doch beabsichtigt, nicht, weil wir nicht anders können. Im letzten Moment ist uns etwas egal, weil wir Nutzen oder Vergnügen daraus ziehen. Aber wir entscheiden noch immer, nicht fremdgesteuert, und damit verantwortlich!
    Ein Gläubiger braucht zudem immer die Versuchung der Sünde, sie wird bis an Ende der Tage da sein, damit er den "schmalen Weg" nehmen kann. Nur, wenn der Weg nur schmal wäre, dann müsste man niemals entscheiden und wieweit könnte man dann überhaupt sagen, dass sich bewusst gegen oder für die Sünde entschieden wurde?
    So ist es auch mit den technischen Apparaturen. Nicht sie sind sündig an sich, sondern sie bieten wie fast alles Möglichkeiten der Sünde teilhaftig zu werden oder nicht.
    Man kann bewusst in der Fernsehzeitschrift ankreuzen und bewusst fernsehen, abschalten, wenn etwas kommt, was z.B. für die Kinder schädlichen Einfluss hat. Das Angebot ist da, der Nutzer entscheidet. Den Fernseher abzuschalten befreit einem aber nicht von den Versuchung durch die Außenwelt, denn auch in einer Bücherei kann man in Ecken gehen und sich Sachen aus den Regalen holen, die fragwürdige Inhalte haben, im Internet kann man auch bewusst fündig werden oder wegklicken, man kann sich seine Gesellschaft suchen und auch schlechten Umgang meiden.
    Man muss also weiterhin immer entscheiden und kann nicht aus dieser Welt entfliehen, nicht durch ein computerloses Leben, nicht durch ein Leben, welche harte körperliche Arbeit bedarf usw.
    Der Gedanke, ein amischähnliches Leben zu führen, beinhaltet oft leider diese Tendenz, damit all das Böse hinter sich lassen zu können. Mann kann aber nicht aus dieser Welt fliehen, man nimmt vielleicht selbst als Person viel zu viel mit in eine andere Lebensführung, was unharmonisch wirkt.
    Z.B.wird ein Zanksüchtiger nicht unbedingt friedlich, wenn er dies oder jenes nicht mehr hat, dies ist eine innere Sache und Streit mit anderen Leuten zu bekommen, ist überall möglich. Z.B. wird ein im Glauben Zweifelnder nicht dadurch gläubiger, dass er sich bewusst Informationen nicht hingibt und sie nicht betrachtet, dies ist ein Trugschluss. Der Glaube muss sich Fragen stellen usw. ..
    Auch unser Heiland hat sich ja bewusst gegen die Sünde entscheiden müssen, denn der Teufel bot ihm alles an, damit er ihn anbete. Jesus floh nicht aus der Welt, er war in der Welt, aber kein Teil von ihr. Darum geht es! Weltfluchten haben eher den Charakter, sich das Heil mit Werken verdienen zu wollen, dies scheitert aber zumeist. Ohne Fernseher ist man nicht sogleich ein Christ und mit Fernseher ist nicht sogleich ein Nichtchrist, dies kommt Werkedenken nahe. Beim Fernsehen aber bewusst zu entscheiden und seine Informationsfülle(allein die sehr guten Dokus, die mit Bildern Inhalte so gut herüberbringen, wie will man dies schlecht heißen?) zu nutzen, sich dann aber gegen das Triviale und Unnützliche zu entscheiden, sich gegen das moralisch Verwerfliche, z.B. Talkshows mit Themen wie "Ich gehe fremd, na und!" oder sonstiges, die eher darauf zielen Triebsgefühle zu fördern, alte Morallehren wie Treue als unzeitgemäßt usw. zu charakterisieren, zu entscheiden, das kennzeichnet dann einen Gläubigen von einem Gläubigen. Im Jakobusbrief steht, dass der Glaube sich aus den Werken beweist. nicht Werke absichtlichen Tuns und sich an irgendwelche Regeln zu halten, sondern Glaube, der Früchte bringt, Früchte wie z.B. sich in bestimmten Lagen bewusst für die Gottesseite zu entscheiden und gegen das zwischenmenschlich Zerstörende.