Lohnt es sich noch Dinge selbst herzustellen?

  • Hallo,


    Diese Frage stelle ich mir ernsthaft.


    Natürlich schmeckt ein selnstgebackener Kuchen besser wie gekaufter


    Nur wenn ich dann sehe was ich ausgeben muß für Tortenzutaten kann ich locker die doppelte Menge an gefrorenen kaufen


    Mit Garten sehe ich das bedingt anders
    Kommt immer darauf an was an Überschuss da ist


    Da ich nicht nahen kann, kann ich da nicht mit reden


    Natbar

  • "Lohnend", liebe Natbar, sind selbst hergestellte Dinge nur sehr selten. Nahezu alle Dinge des täglichen Bedarfs kann man günstiger kaufen (wie: Obst und Gemüse, Fleisch, Eier, Milchprodukte, Kleidung, Möbel, Seife). Allein das Pflügen meines Gartens kostet mehr als ich durch eigenes Gemüse einsparen würde.


    Seitdem Zeitschriften wie LandLust das Leben auf dem Lande als lustvolle Lifestyle-Option anbieten, scheinen überzeugte Selbstversorger an Boden zu verlieren. Vor ein paar Jahren gab es noch mehrere Mitglieder hier im Forum, die sich für Resthöfe in strukturschwachen Gegenden (Eifel, Uckermark) interessierten.


    Auch die Old Order Leute kaufen vieles bei Walmart oder Aldi, was sie bis vor wenigen Jahren mühsam selbst erzeugen mussten. Den täuferischen Traditionalisten geht es weniger um Selbstversorgung, auch wenn sie dem noch näher kommen als die allermeisten von uns. Wie ihre bewunderten Vorfahren wollen sie von der Arbeit ihrer eigenen Hände (1. Kor 4, 12) leben. Und diese Arbeitserfahrung, die als Nebeneffekt immer auch Selbsterfahrung bewirkt, in den Familien und Gemeinden weiter zu geben, ist ihnen lieb und auch teuer.

    3 Mal editiert, zuletzt von gisela ()

  • Gisela bringt es wieder einmal auf den Punkt. Du kannst einen Kaninchenstall im Baumarkt kaufen. Du kannst ihn aber auch an einem Samstag zusammen mit den Kindern bauen. Alles nötige Baumaterial gemeinsam mit ihm besorgen (was in sich wahrscheinlich schon teurer ist als die Anschaffung eines Fertigmodelles), zusammen sägen, miteinander hämmern, zimmern etc. Wenn man die gemeinsame Zeit, das Lachen, die Gespräche, das Eltern-Kind-Erlebnis, das Lernen etc. einberechnet, wird's ein anderes Ergebnis. Aber materiell gesehen es sich wirklich nur selten, Produkte vollständig selber zu machen.
    In der Bäuerinnen Schule haben wir mal ausgerechnet, ob es sich lohnt, Zopf zu backen und zu verkaufen. Wir sind dann zum Schluss gekommen, dass man diese per Hand hergestellten paar Exemplare, die dann entstehen würden, ziemlich teurer verkaufen müsste, als im Handel üblich. Der immaterielle Wert ist halt ein anderer.
    Bei einigen Produkten lohnt es sich vielleicht aber schon. Kuchen ist bei uns in der Schweiz in einer Bäckerei extrem teuer. Da lohnt es sich, einen selber zu backen, denke ich. Oder genähte Sachen, wenn Stoffresten sowieso vorhanden sind. Ich mache auch z.B. den Adventskranz selber, mit Ring aus Zeitung, Deko-Dingen, die es einfach so im Wald gibt und Tannzweigen von meiner Schwester. Fertigprodukte bei Nahrungsmitteln können auch teuer sein. Bei unserem Laden gibt es z.B. bereits geschnittene Ananas, die mindestens vier Mal so viel kostet wie eine einzelne Ananas. Das lohnt sich natürlich nicht, finde ich. Oder ein paar wenige Kräuter für ein Heidengeld, die auch bei mir im Garten wuchern. Brot ist wahrscheinlich auch ein kleinwenig günstiger, wenn man Grosspackungen Mehl etc. kaufen kann. Aber die grossen Sparpunkte sind es nicht.
    Ein Aspekt vielleicht noch: wenn man es selber machen muss, überlegt man sich vielleicht noch einmal, ob man es wirklich braucht. Wenn nicht - so spart man am allermeisten :-)

  • Ergänzung: wenn man den Kaninchenstall aus Restholz baut, das sowieso herumliegt, die Werkzeuge vorhanden sind etc. - dann ist er selbstverständlich billiger.

  • Naja wenn man das Geld hat für so ein Projekt einzukaufen, kann man das so sehen.


    Das man untereinander ist, erreiche ich auch anders.


    Ja, den Eindruck habe ich auch das sich finanziell es kaum noch lohnt etwas selbst her zu stellen.


    Natbar

  • Tun Dir, liebe Natbar, nicht die jungen Leute leid, die eine Jacke wegwerfen, weil ein Knopf fehlt, die keine Pellkartoffeln kochen können oder die noch nie einen Ofen angeheizt haben?


    Es ist ein zivilisatorischen Fortschritt, dass hierzulande die Grundbedürfnisse auch von sozial Schwachen bestritten werden können. Aussuchen und kaufen ist preiswert, und jeder kann sich daran beteiligen. Doch von der Lebensweise der Täufer dürfen wir uns fragen lassen, ob das wirklich schon alles gewesen ist.

  • Hallo zurück,


    Hhm wollen wir jetzt ernsthaft eine wirtschaftliche Diskussion anfangen, das oft wegwerfen billiger ist wie Geräte reparieren zu lassen und neu zu kaufen....


    Zu Pellkartoffeln. Ich fand dieses Beispiel etwas befremdlich. Selbst die es nicht könnten, haben es meist gelernt.
    Und Jacken weg schmeissen weil ein Knopf fehlt, kenne ich auch nicht.


    Und neinir tut es nicht leid, das sie kein Ofen beteuern können.
    So schön wie die Wärme ist, wäre ich gesundheitlich gar nicht in der Lage dazu,
    Holz zu hacken es hoch zu tragen ect.



    Manchmal kann Fortschritt gut sein.

  • Also ich kenne diverse Mütter, die noch nie eine Hose geflickt haben. Kaum ein Loch - weg damit. Schliesslich arbeiten sie den ganzen Tag im Büro und haben deshalb keine Zeit für sowas. Aber dafür Geld für Neues. Ich hatte schon Anfragen, wie man einen Blätz auf die Hose näht, weil die betreffenden Damen das nicht fertig brachten. Different Lifestyles eben.

  • Ich frage mich: muß man das können? Vor allem wenn neues oft billiger ist?


    Ich kannte mal ei.e Mutter, vorher selbständig dann Hausfrau die ging dann im Angebot Mädchenkleider kaufen, weil es ich nicht lohnte nach ihrer Aussage das zu nähen.


    Davon abgesehen finde ich arbeiten ist gleich wert wie zuhause zu bleiben.


    Nicht jeder findet das Frauenbild Kinder, Kirche, Küche ideal.


    Und wenn die Kinder groß sind hat man oft den beruflichen Anschluß verpasst.
    Hoffen wir dann das der Ehemann dann derart Karriere gemacht hat, das er nicht früher wegen dem Alter ausgestellt wird- sonst hat man wohl echt ein Problem.


    Natbar

  • Hallo Natbar,
    also ob es sich "lohnt" sachen selbst zu machen ist tatsächlich oft fraglich. Allerdings geht es mir oft auch um das "Wissen" das verloren geht.


    Bedingt durch eine längere Arbeitslosigkeit bei meinem Mann und mir war ich gezwungen vieles her zu richten... Daraus entstand die generelle Neugierde wie kann ich mir am einfachsten und kostengünstigsten selber etwas brauchbares herstellen. Das musste nicht immer ein High End produkt sein, aber eben gut verwendbar. Dies bezieht sich inzwischen nicht nur auf Rezepte (Eistee, Marmelade, Hausmittel), Basteleien (wie Seife, Kerzen, Öllichter), etwas nähen, spinnen, weben, stricken, garteln, einwecken, schreinern... es ist generell die Angst davor mir hilflos vor zu kommen obwohl ich die meisten Materialien vor Augen habe.
    Deshalb ist es auch meist so, wenn ich eine neue Sache gut gelernt habe, mir die Abläufe ein zu prägen und dann das Thema ab zu schließen. Dies insbesondere, weil die Zutaten für bessere Qualität auch teuerer sind als ein vergleichbares Produkt im Supermarkt.
    Aber! Gerade dadurch achte ich z. B. auch auf die Inhaltsstoffe und kann beurteilen ob der Artikel etwas taugt oder preislich angemessen ist. Das hilft mir weiter.


    Außerdem verschafft es mir Freiheit. Dadurch, daß ich Marmelade einkochen kann, wenn ich will aber auch die Wahl habe mal eine zu Kaufen entstehen keine Zwänge.
    Wir essen, seit ich wieder arbeite, oft gekauften Supermarktkuchen. Trotzdem genieße ich den Geschmack eines selbst gemachten Marmorkuchens am Sonntag durchaus.
    Ich denke die Wertschätzung für das Selbstgemachte sollte motivieren, wer das für sich nicht braucht, kann es sich - ohne sich selbst verurteilen zu müssen - auch gerne leicht machen. Schließlich ist ja auch das Geld das man ausgibt hart verdient worden und jeder Mensch braucht etwas Ruhe.

  • Auch ich koche noch Birnen, Pflaumen, Bohnen ein, auch das Apfelmus wird in die Gläser eingekocht!
    Aus alter Bettwäsche nähe ich Taschentücher, aus alt mach neu, so habe ich es gelernt!

  • Das viele Sachen billiger zu kaufen sind, als sie selbst herzustellen hat auch seinen Preis. So ein Fertigkanninchenstall ist sicher in einem Land produziert wo die Arbeiter mit Hungerlöhnen nach Hause gehen oder womöglich durch Kinderarbeit. Man sollte mal nicht nur an seinen eigenen Vorteil denken sondern auch Verantwortung für den Rest der Welt übernehmen. Aber man kann ja von seinem gesparten Geld bei der Nächsten Naturkatastrophe etwS spenden um sein Gewissen zu beruhigen.
    Ich backe und koche schon immer selbst und koche auch viel ein. Als wir neulich mal bedingt durch äußere Umstände uns 2 Wochen so ernährt haben, wie es heute oft üblich ist mit Fertigprodukten habe ich gemerkt, das ich wesentlich mehr Geld ausgegeben habe - fast das Doppelte.
    Selbermachen lohnt sich auf jeden Fall auch mit Nähen von Kleinigkeiten. Besonders, wenn man kein Massenprodukt von der Stange haben will.

  • Sicherlich hat das seinen Preis. Nur wer wirklich Ware nur von fair gehandelt kaufe, hat nach meiner Meinung keine reale chance hier zu überleben.
    Und ob wo bin drauf steht drin ist, müsste man auch differenzieren.


    Natürlich finde ich Kinderarbeit nicht gut und ich finde es auch nicht gut, wenn solche Länder keine Aufträge mehr haben.


    Wo fängt man an und wo hört man auf?

  • Wegwerfr oder selbst herstellen oder flicken??? Wir sollten uns auch Gedanken über die Abfalle und den Kehricht machen welcher auch Kosten verursacht und die Umwelt belastet

  • Ich finde, dass es immer mehr Menschen werden, die Dinge selber machen. Selber machen, Upcycling, .... wird immer bekannter.


    Wir machen auch vieles selber. Jede Woche werden Kuchen und Brötchen gebacken. Wir kochen täglich frisch. Hosen näht Oma um wenn sie zu lang sind. (Das muss ich noch lernen ;) )

    Gott gebe mir die Gelassenheit,
    Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
    den Mut, Dinge zu ändern,die ich ändern kann,
    und die Weißheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

  • Es geht nicht darum nur fair zu gehandelte Ware zu kaufen. Es gibt auch viele Dinge die hier im Land hergestellt werden, doch sind die nicht gerade billig. Wenn ich für eine Kinderjeans zum Beispiel 25 Euro zahle und nicht 7 € wie beim Discounter, dann hält sie insgesamt länger und man kann sie dann beim 2. Kind auch mal flicken, statt gleich wegzuwerfen und 'ne neue zu kaufen. Man entwickelt dabei auch ein ganz anderes Verhältnis zu seinem Besitz. Diese allgemeine Einstellung immer alles wegzuwerfen und dann schnell billig was Neues zu kaufen treibt unsere Gesellschaft und die Erde in den Ruin.
    Wollen wir unseren Kindern und Enkeln denn nicht eine lebenswerte Erde hinterlassen. Oder nur einen riesen Haufen Müll auf einer wüsten Erde.

  • hhhm Jeans für 25 Euro hier zu Lande hergestellt glaube ich nicht, bei den löhnen hier.


    Ich denke mal Jeans für 25 und discounter gleicher hersteller


    Und zum Erdenmüll Strom Radioaktivität ect....Ich glaube der Müll lässt sich nicht mehr regenieren

  • Okay, nach dem Motto das Schiff sinkt, weil es ein kleines Leck hat. Schütten wir also noch reichlich Wasser rein, denn es ist eh schon egal.

  • Ich denke,selbermachen lohnt sich schon,gerade bei Lebensmittelveredlung.Es schmeckt besser,man weiss was drin ist(was ist E123)und so ein Brot zu backen oder einen Braten vorzubereiten ist eine Schöne Arbeit.Die Amerikaner haben festgestellt,das Leute,die ihr Essen selber zubereiten,seltener an Übergewicht und Diabetis litten,als die ,die nur selbst auftauen.Man sollte aber auf die Rohstoffe zurückkommen.Fertigkost enthält alle möglichen Sachen die in Masse krank machen.Und auch die Kalorien werden durch Zucker und Fett hochgedrückt.Schmeckt meist halbwegs,aber ungesund.Ein Freund hat sich jetzt selber ein Allzweckmesser geschmiedet und ist glücklich damit.Und so ein toller Wollpullover von Freundin ist auch besser obwohl teurer ,Da steckkt zeit und Liebe drin.Wenn ein selber was gelingt,stärkt das den Selbstwert und hoffentlih dankt man Gott auch für die Gaben,die er einen schenkt.Mein Glaubensbruder schenkt mir oft selbstgemachte Marmelade. Kommt Schwartau nicht ran.Mich ärgert es,das in Deutschland so viel gutes Obst umkommt.Ich denke,da die Amischfrauen so viel konservieren,kochen und Entsaften das es auch teil ihes Lebensstiels ist.Da bleibt keine Zeit für Internet und TV: :rolleyes: