Mennonites TV Tipp 10.4.13

  • Mittwoch, 10. April 2013 um 22.25 Uhr in 3sat




    Die Mennoniten - Alleine im Paradies?


    Bolivianische Mennoniten leben radikal schlicht


    Bolivien ist der letzte Rückzugsort einer besonders strengen und rückwärtsgewandten religiösen Gruppe der Mennoniten.



    Die Anhänger dieser Glaubensgemeinschaft leben ähnlich wie die "Amish
    People" in den USA in radikaler Schlichtheit: Elektrizität, Handys,
    Autos und andere technische Annehmlichkeiten lehnen sie strikt ab. Sie
    leben allein nach den strengen Regeln, die ihnen ihre Glaubensführer
    vorgeben.




    Doch es ist eine nur scheinbare Idylle: Nicht alle Mennoniten sind mit
    diesem Lebensstil einverstanden, vor allem die Jugend rebelliert. Für
    die Dokumentation "Die Mennoniten - Alleine im Paradies" hatte ein
    Filmteam zum ersten Mal Zugang zu der Gruppe und dokumentiert eine Welt,
    die so radikal anders ist als unsere.




    Mennoniten sind Täufer - wie Amische oder Hutterer
    Die Mennoniten, ebenso die Amische und Hutterer, gehören zur Gruppe der
    Täufer, die auch Wiedertäufer oder Anabaptisten genannt werden. Sie sind
    Anhänger einer radikalen christlichen Bewegung, die nach der
    Reformation in verschiedenen Teilen Europas entstanden ist. Wichtigstes
    Merkmal ihres Glaubens ist die Betonung der Bekenntnistaufe, die ein
    persönliches Bekenntnis voraussetzt, und von daher die Ablehnung der
    Kindstaufe. Zudem forderten sie neben Glaubensfreiheit auch die Trennung
    von Staat und Kirche sowie Gütergemeinschaft. Die Anhänger des "linken
    Flügels" der Reformation wurden im 16. Jahrhundert von den katholischen
    wie den evangelischen Landesherren verfolgt.




    Die Vorfahren der Mennoniten mussten wegen ihres Glaubens vor mehr 300
    Jahren aus Holland fliehen. Der Name dieser protestantischen Gruppe geht
    auf Menno Simons (1492-1559) zurück, einst katholischer Priester, dann
    Führer der Anabaptisten in den Niederlanden. Eine Gruppe siedelte ab
    1683 nach Pennsylvania in Amerika über. Andere Mennoniten wanderten über
    Norddeutschland nach Preußen und nach Rußland aus. Von dort ging es in
    die USA und später auch nach Kanada.


    Heute leben Mennoniten auch in Mexiko und südlichen Ländern
    Lateinamerikas. Ihr Glaube und die strenge Bibelauslegung untersagen
    Waffen, Wehrdienst und staatliche Einmischung. Die Kinder sollen nur von
    der Familie oder in privaten praxis- und bibelorientierten Schulen der
    Mennoniten erzogen werden.


    http://www.3sat.de/page/?source=/specials/168221/index.html

    ... mit Pferden arbeiten .....

  • Keturah und Co würden sich in der im Film vorgestellten Kolonie Manitoba vom Geistigen her bestimmt zuhause und sauwohl fühlen.


    Für mich ist es tiefstes Mitelalter. Da ist nichts täuferisch-mennonitisches zu erkennen.

  • Das war interessant, aber gleichzeitig furchtbar. Was in diesen Kolonien betrieben wird ist ja schlimmer als in einem Nordkoreanischen Gefangenenlager! Das passiert, wenn die Leute territorial schon zu abgeschottet sind und gar nie mit anderen Menschen als den Ihrigen in Kontakt kommen. Das ist bei den Amischen zum Glück anders, weil sie zwar geballt in einigen Gebieten vorkommen, aber immer neben "Englischen" Nachbarn wohnen.


    Was die Straffälligen über die Frauen gesagt haben ist wirklich unter allem. So was ist absolut nicht mit der Schrift vereinbar. Aber das kommt davon, wenn man nicht richtig lesen und die vorgeschriebene Fremdsprache nicht kann und auch nicht lernen darf. Dann gibts auch so komische "Erklärungen" zu reden Tieren (Bileam-Geschichte?) und fliegenden Briefen, die das Radio sein sollten. äääh...?? Die "Schule", bei der Bibelverse heruntergeleiert werden in einer fremden Sprache und sonst nix gelernt wird ist ja wirklich die Höhe! Die Amsichen haben vielleicht keinen Sexualunterricht und keine Evolutionstheroie, aber sonst - so schein mir - werden die Kinder einigermassen ordentlich unterrichtet.


    Dass die Kolonie-Jugendlichen derart rebellieren ist ja logisch. Anders als bei den Amischen, wo das Rumspringe Freiheiten bietet und die Amischen sich danach (mehr oder weniger) freiwillig entweder für das Glaubensleben in der Gemeinschaft oder für das Leben draussen entscheiden, haben diese Bolivianischen Kolonisten ja gar keine Wahl. Schlimm, so was!

  • Der Film zeigt leider nicht auf wie es zu diesen Auswüchsen kommen konnte. Man muß hier tief in die Geschichte zurückgehen, eine Geschichte geprägt von Verfolgung. Von Norddeutschland, Rußland, Kanada nach Bolivien.


    Einiges was in dem Film an Angstmacherei zu hören ist, hörte ich in ähnlicher Form schon von Katholiken im bayerischen-österreichischen Raum. Gerade bei älteren Leuten und auf dem Lande ist solcher Aberglaube noch stark verbreitet. Da brodelt das Fegefeuer.


    Die meisten Täuferische-Mennoniten leben diesseitsorientiert, ganz anders die jenseitsorientierten der Kolonie Manitoba. Ich kenne Mennoniten die in Bolivien und anderen südamerikanischen Ländern Entwicklungshilfe leisten. Und es ist schlimm, was die zu erzählen wissen.
    Aber wenn man hört wie es in manchen deutschen Alten- und Pflegeheimen zu und her geht, geht es denen in der Kolonie Manitoba geradezu gut.


    Es ist nicht ein stehen geblieben sein. An dem die Menschen dort leiden. Es ist ein Bibelverständnis das so gar nichts mit der Lehre Jesu zu tun hat, welchem die Leute dort fronen.

  • Ich hab's leider verpaßt, daber wenn ich das hier so lese, dann muß ich wohl garnicht "leider" sagen ;)

  • Wie traurig. Die Menschen dort tun mir leid.
    Da haben es die Amischen besser...sie können wenigstens frei wählen. (Auch wenn es sicherlich ein bißchen Gruppendruck aus der Familie und Gemeinde gibt.)

  • Vielen Dank für den Link. Ich bin sehr bedrückt von dem Gesehenen. Die Menschen dort machen einen sehr befangenen und unglücklichen Eindruck. Mit Christentum hat das wohl kaum was zu tun. Irendwie werden die Menschen bewusst oder auch unwissend irre geleitet und gebunden gehalten. Herr erbarme dich,kann ich da nur beten. Aber es gibt ja Aufbrüche und damit auch Hoffnung. Ich wünsche Johan das er sich zur Freiheit entschließt und mit Frau und Kindern einen Neuanfang wagt. Einfach wird es sicherlich nicht, in jeder Hinsicht.

  • Da kann ich mich nur Mich anschließen. Es ist furchtbar. Und mit Christsein hat das nix mehr zu tun. Sehr schade. Aber Hoffnung gibt es immer. Und so Gott will...


    Danke für den lInk.


    Gruß Sandra

  • Vielen dank für den Link, werde ihn bei Gelegenheit anschauen. Bin gerade aus Zeitgründen nur wenig im Internet.


    Gruß Ingo

  • So, nun habe ich den Film auch endlich gesehen. Es ist schon traurig, was man da zu sehen bekommt. Aber es gibt einige Lichtblicke. Mögen noch viele dieser Amischen zu dieser neueren Ordnung und zu den Missionaren finden und Hilfe und Rat bekommen. Es ist schlimm, wie einzelne Bischöfe und Älteste Leute so knechten und unterwerfen können.


    Der Link bei 3Sat Mediathek geht nicht mehr, aber auf Youtube kann man es noch schauen.

  • Hallo! - Vielen Dank für Deinen TV-Tipp; natürlich musste ich mir diesen Film gleich ansehen...


    Ich kann mich nur der vorherrschenden Meinung anschließen, dass diese Menschen durch die Kleinhaltung und Unwissenheit in ständiger Angst leben. Ich finde es traurig, dass vor allem die jungen unter ihnen keine Chance haben, selbstbestimmt zu leben und wenigstens sanfte Veränderungen vorzunehmen... Und ohne wenigstens ein wenig lesen und schreiben zu können, sind sie praktisch Gefangene ihrer Dörfer, denn außerhalb dieser Vorschriften und ohne das Wohlwollen der Gleichgesinnten könnten sie praktisch nicht existieren. - Das finde ich entsetzlich!

  • Ich habe den Film auch gesehen und war betroffen ! Vor allem steht diese Gemeinde in vielen Punkten (für mich) völlig im Widerspruch zu dem, wofür die Täufer einstehen oder einstehen sollten (und wofür viele im Laufe der Geschichte ihr Leben lassen mussten): Die freie und selbstständige Entscheidung zum Glauben!


    Auf der anderen Seite fand ich den Film streckenweise auch arg pauschalisierend. Schließlich lehne ich als Mennonit mitnichten sämtliche moderne Technik ab. Hier hätte der Film etwas differenzierter sein sollen und zum Beispiel darauf hinweisen sollen, dass es sich bei der Gemeinde wahrscheinlich um eine besonders strenge Gemeinde von Altkoloniern handelt.