Amische Hochzeit

  • Ich habe Neuigkeiten: Wir sind im nächsten März zur Hochzeit der ältesten Enkelin meiner amischen Gasteltern eingeladen (die Eltern waren auch auf unserer Hochzeit dieses Jahr). Ich war zwar schon 2 mal auf einer amischen Hochzeit, aber von dem drumherum hatte ich nicht viel mitbekommen, und ich war halt immer nur als Anhängsel meiner Gasteltern dabei.
    Diesmal helfen wir auch bei der Vorbereitung und hinterher beim Aufräumen. Es muß nämlich die gesamte Werkstatt leergeräumt und vorbereitet werden, und die ganze Familie und engsten Freunde werden eingespannt.


    Wer jetzt fragt wer "wir" ist....jaaaaaaa, mein Mann fährt mit. Ein Traum wird wahr und er sieht endlich persönlich wo ich so gern meine Zeit verbringe und lernt die Menschen kennen die ich so sehr liebe. Dafür mußte ich noch eine Woche NewYork mit ihm buchen, damit er einen Ausgleich hat ;)


    Ich werde also bald ganz genau berichten können wie eine amische Hochzeit von vorn bis hinten abläuft :)


    Die Frage ist was schenken wir? Die meisten schenken was für's neue Heim...und sei's nur Putzeimer und Besen. Tupperware wird auch gern geschenkt und Dinge für den täglichen Gebrauch in Haushalt und Stall. Ich hatte an eine Kuckucksuhr gedacht, bin mir aber nicht sicher, ob ich die heile rüberkriege.


    Und ein neues Kleid brauche ich natürlich auch. Sobald ich wußte, dass wir fliegen habe ich mir Schnittmuster und Stoff für ein dezentes langes Kleid gekauft.
    Am nächsten Tag habe ich meine Gastmutter angerufen und ihr gesagt, dass ich schon Stoff gekauft habe.
    Sie: Ja aber woher wußtest Du denn welche Farbe? Ich: Wieso? Sie: Na, weil die Braut und wir alle lila tragen.
    Dreimal dürft Ihr raten welche Farbe mein Kleid hat.... :thumbsup:
    Jetzt muß ich nur noch für Schatzi eine schwarze Weste besorgen. Mit einer schwarzen Hose und weißem Hemd ist er dann anständig genug "uffgedresst". (Ich habe ihm noch nicht gesagt, dass der Gottesdienst mit Trauung 3 Stunden dauert und schon morgens um 9 Uhr anfängt....das sag ich ihm erst drüben, sonst storniert er sein Ticket wieder :whistling: )


    Und nein....ich habe keinen Platz mehr im Koffer für Euch!!! :rolleyes:

    Edited once, last by Agranzow ().

  • diese Uhren gibt's auch mit verschiedenen Tieren. unsere beiden ältesten hatten diese in ihrem zimmer, jetzt hängt sie bei mir im nähraum. wenn im nächsten frühling zimmer rochiert werden und die beiden kleinsten ein gemeinsames erhalten, wird die tieruhr dann wohl dort hängen. die ist bei alt und jung beliebt.

  • wir sind alle gespannt, was du so alles erlebst!


    ich darf übrigens auch im nächsten frühling (april/mai) in die USA zu den amischen reisen!!!! jetzt habe ich lange gewartet, bis dieser traum in erfüllung geht. und doch ging es schneller als erwartet. die jahre lang gesparten "wägeli-zweifränkler" reichen und mein mann übernimmt tatsächlich zwei wochen lang den hütedienst (mit hilfe seiner mutter) und den haushalt! ich freue mich ja soooooo!!!!!!!!! obwohl ich gar nicht reformiert bin, darf ich mit der reformierten kirche des Kantons Zürich mit, die haben dort Beziehungen geknüpft und haben eine recht familiäre reise dort hin geplant. ich informiere euch dann auch gerne über meine eindrücke.

  • Und Dir, liebe Nadine, wünsche ich ebenfalls eine gute Reise! Ich freue mich, dass die Ökumene Dir diese Möglichkeit eröffnet; und Ihr werdet ein weites konfessionelles Spektrum erleben (Old Order, New Order, Amish-Mennonites, Alt-Mennoniten und v.a.m.).


    Auf Deine Eindrücke warte ich gespannt. Wie mag die Täuferwelt 2013 in Lancaster Co., PA und Holmes Co., OH aussehen? Anfang Mai werdet Ihr ganz in der Nähe von Jean und David, den Altmennoniten logieren. Wenn Ihr noch bis zum Sonnabend geblieben wärt, hättet Ihr sie auf dem Wochenmarkt treffen können.

  • Liebe Anne,


    das wird ja mal ein tolles Erlebnis - WOW!!!
    Ich bin schon sehr gespannt, was Du uns hinterher berichten wirst.
    Eine Kuckucksuhr find ich auch sehr passend, wenn Du die kaufst, dann wird sie ja sicherlich auch schon gut verpackt sein. Ich würde sie aber im Handgepäck vestauen (muss H. halt sein Handgepäck etwas reduzieren ;) )
    Allerdings solltest Du beachten (hatte mir tatsächlich mal eine Patientin erzählt, die auch eine Kuckucksuhr in die USA mitgenommen hatte), dass die Zapfen vom Pendel sehr einer Handgranate ähneln und es zu kleineren oder größeren Missverständnissen kommen kann...
    Ansonsten wären Nürnberger Lebkuchen in einer Metalldose noch ganz nett (gibt es ja auch in allen Größen und Preisklassen), falls noch etwas Geld übrig ist...
    Viel Spaß + Erfolg beim nähen vom Kleid.


    Neidvolle Grüße,
    Nicole

  • Hallo Agranzow!
    Freue mich sehr das du so guten Kontakt hast und sogar zu einer Hochzeit eingeladen bist. Bin auch sehr gespannt auf deinen Bericht. Mein größter Wunsch wäre auch mit einer Amischfamilie eine Brieffreundschaft zu bekommen.
    Kannst du mir da vielleicht helfen? Am liebsten wäre mir ja ein Schmied oder zuwenstens ein technisch aufgeschlossener Amisch. Ich habe ja selbst viel mit Landtechnik zu tun, und meine Eltern stammen beide aus der Landwirtschaft. Vielleicht ergibt sich ja bei deinem Besuch etwas. Würde mich sehr freuen.
    Herzliche Grüße, Mich.

  • Hallo Nadine,
    wow! Das freut mich aber sehr für Dich? Wo genau hin führt Dich denn Eure Reiseroute?
    Vielleicht kann ich noch ein Abendessen bei einer amischen Familie für Euch arrangieren?


    Mich,
    ich will Dir nicht die Hoffnung rauben, aber 1. ist es recht unwahrscheinlich dass ich auf einen schreibwütigen Schmied treffe und 2. recht ungewöhnlich wenn ich als Frau bei den Männern auf Pen-Pal-Suche gehe und 3. ich dieses Mal nur eine Woche dort sein werde und die auch noch sehr beschäftigt :(
    Schick mir doch bitte eine persönliche Nachricht mit ein paar näheren Informationen zu Dir (wer Du bist, wie alt etc., was Du machst, warum Du einen amischen Brieffreund willst)...vielleicht fügt sich was womit ich überhaupt nicht rechne :)


    Lieben Gruß,
    Anne

  • danke fürs angebot, aber die reise ist schon durchorganisiert und wir haben schon mindesten ein privates essen.

  • Hallo Jakob,
    ich glaube mit diesem Wunsch bist Du nicht allein.
    Wenn Du dich fleißig durch das Forum liest, dann weißt Du, dass das nicht einfach wird und Du selbst einiges dazu tun mußt und auch noch ein Quentchen Glück dabei haben mußt, damit das wahr wird.
    Viel Erfolg!
    Anne

  • Hallole,wow find ich stark,wenn ich lese ein paar fahren zu den Amish people zu Besuch.Auch zu einer Hochzeit.Wird bestimmt total interessant und aufregend.Darf ich fragen,wo kann man den bei den Amish Urlaub machen und wieviel kostet es ?Ich hab hier im Forum schonmal etwas darüber gelesen,aber ob ichs nochmal finde??Hätte es gleich ausdrucken sollen.z.Zeit kommt über die Amish,Hutterer usw.voll viel im Fernseh.Auf RTL living haben jetzt auch Engländer die Amish besucht,wie schon im Vorjahr die Amish die Engländer,also die Springer,jungendlichen.Dann kommt Hutterer jetzt entweder in Passion od.Nat.Geographic usw.Ich schaue es mir immer so gerne an.Mir gefällt echt die Landschaft wo sie wohnen,wie und auch der Alltag.Ist echt toll.Könnte man z.B.auch als nicht Amishe in die Amish Gemeinde eintreten?Dort leben usw?Bei mir ists zwar schwierig aber interess.tut es mich doch.Viell.eines Tages,lach:))Freu mich über Antwort.Danke:) :D

  • Hallo!
    Wie schön, dass du zu so einem Fest eingeladen wurdest. Eine Kuckucksuhr als Geschenk finde ich sehr originell und das Paar würde sich sicher auch freuen. Aber ich hätte auch Sorgen wegen dem Transport. Vllt. findest du ja einen Hersteller, der sie mit der Post direkt an die Gasteleten verschickt. Wenn es ein Hersteller ist, der Erfahrung mit Auslandversand hat, dann weiß er normal auch wie er sie verpacken muss, damit sie heil ankommt. Bezüglich Tupperware können wir den Amis glaub ich nix mehr vormachen. Die haben die neueren Produkte dort. Ob da wohl was findest, was die Braut noch nicht hat.
    Also ich wäre für die Uhr!
    Liebe Grüße und viel Spaß für deine Reise!

  • Also mit der Kuckucksuhr ist es nix geworden. Die, die bezahlbar sind, sind alle potthäßlich.
    Ich habe dann mal in der Familie nachgefragt, was das junge Paar denn noch gebrauchen könnte und bekam Handtücher als Antwort. Ich werde also mal wieder eine schöne Handtuchtorte verschenken.


    Ihr wißt nicht was eine Handtuchtorte ist?
    Man kauft einen Stapel Handtücher in verschiedenen Größen und legt und rollt diese so zusammen, dass man daraus Tortenstapel machen kann. 3 "Böden" reichen üblicherweise. Die Böden fixiert man nach dem Zusammenrollen mit Schleifenband (oder extralangen Stecknadeln), dann setzt man sie aufeinander, rollt Waschlappen oder Gästehandtücher zu kleinen Rosetten steckt Kerzen hindurch und steckt diese wiederum auf den unteren Boden. Dann noch Klarsichtfolie darum und fertig ist das Prachtstück.
    Am besten sehen natürlich weiße Handtücher aus, die Farbe ist aber bei einer amischen Familie recht unpraktisch.
    Da die Lieblingsfarbe der Braut Lila ist, wird sie nun Lila und man sieht auch die Hinterlassenschaften von zukünftigen kleinen dreckigen Mündern nicht so extrem ;)


    Praktisch ist, dass man dieses Geschenk hervorragend im Rohzustand im Koffer transportieren kann und erst dort in die Präsentierform bringt. Ich mache dann ein Foto :)

  • Handtücher, liebe Anne, sind eine großartige Idee! Auf Dein Foto bin ich sehr gespannt.


    Erinnerst Du Dich noch an die molligsten, fluffigsten Frotteewaren der Welt - Made in USA -? Da konnte sogar die für unsere Breiten hervorragende Fa. V..... einpacken. Inzwischen befinden sich wohl alle Frottee-Webereien der Welt in Asien.


    Für amische "second sinks", in der die Bauern und Handwerker ihre Hände waschen können, bevor sie in die Küche kommen, wären solche Gruben-Frottee-Handtücher auch sinnvoll, aber die sind in den USA wohl unbekannt. Gruß von G.

  • Hallo zusammen,


    an die von Gisela beschriebenen Gruben-Frottee-Handtücher kann ich mich noch gut erinnern (nur wußte ich nicht dass es "Grubenhandtücher" sind), die hangen bei uns immer in der Waschküche - jetzt weiß ich auch warum... :)


    @ Anne
    Eine Handtuch-Torte ist eine tolle Idee!!!
    Ich hab bis jetzt nur Windeltorten verschenkt ;) ,
    aber das ist auch eine schöne Idee um Handtücher stilvoll zu verschenken.
    Ich wünsche Dir viel Spaß!
    Wann geht es los???


    Liebe Grüße, Nicole

  • Nee, Grubenhandtücher kannte ich noch nicht ....aber vielleicht sollte ich mir die mal zulegen, damit ich meinem Mann nicht immer erklären muß, dass Handtücher nur dazu da sind Hände nach dem GRÜNDLICHEN Waschen mit viel Seife nur noch vom klaren Wasser zu befreien. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass mein Man KEIN Grubenarbeiter und auch kein Landwirt oder Mechaniker ist.


    Windeltorte...hahaha....die kannte ich auch noch nicht ;)
    Heute in zwei Wochen geht es los. Ich hoffe wir haben besseres Wetter als hier....

  • Liebe Freunde,
    hier nun mein Bericht. Leider habe ich nicht allzu viele Fotos und darauf müßt Ihr auch noch ein bißchen warten. Ich muß die vorhanden erst verkleinern und stelle sie dann ein. ich habe auch noch ein paar Kopien über den Ablauf/Predigt/Lieder auf English/Deutsch aber die muß ich erst noch einscannen. Also erst einmal nur das Schriftliche :)


    Vorbereitung am Tag vor der Hochzeit:
    Die komplette Werkstatt wurde leergeräumt und gesäubert. Alle Maschinen kamen in die Scheune.
    Unbewegliche Maschinen wurden mit weißen Tüchern verhängt.
    Dann kamen die Bench-Wagons mit den Bänken, Teppichen, Zubehör etc. und Bänke und Stühle wurden nach einem bestimmten Muster aufgestellt. In der Mitte wurde ein Gang freigelassen, links und rechts zwei Reihen Stühle (für die Ältesten Männer), dahinter Bänke.
    Links die Männer, rechts die Frauen, mittig die „Englischen“. Insgesamt mußten Sitzgelegenheiten für 425 Personen her.


    Die „Ushers“ (Platzanweiser) waren für den Sitzplan verantwortlich. Es wurde ausgiebig überlegt und diskutiert, wer wo sitzen sollte und ob es wohl angebracht wäre die älteren Tanten auf einer Bank und nicht auf Stühlen sitzen zu lassen. Platz für zwei Rollstühle mußte auch eingeplant werden und Raum zum Hinschieben. Der Sitzabstand wurde diskutiert und man maß aus, dass jeder zwei Fuß Sitzfläche auf einer Bank haben muß. Die Bänke standen elendiglich eng und ich merkte an, dass man sich da ja kaum noch zwischenknien könnte. Als Kommentar gab es nur: Geht halt nicht anders, aber irgendwie schaffen wir es immer :) Als alles stand schritt das Brautpaar den Gang ab, ob es auch nicht zu eng war.
    Bei einer Hochzeit sitzen Braut, Bräutigam und zwei „Trauzeugenpärchen“ mit in der Mitte auf den Plätzen die sonst den ältesten Männern zugedacht sind.


    Ein Teil des Mittagessen ist bei einer Hochzeit IMMER gleich:
    Roast, Kartoffelpürree, Creamed Celery!
    Hier gab es noch Obstsalat, Krausalat und Kekse und Kuchen zum Nachtisch.
    In der Küche wurde die Füllung für das „Roast“ zubereitet. Roast besteht aus kleinen Stückchen Huhn mit Brotstücken, Gemüse und Gewürzen. Zuerst mischt man die Füllung, also das Brot, Gemüse, Gewürze und Gravy. Bei der Masse an Zutaten hat sich die Küchencrew was zum Mixen einfallen lassen: Alles kam auf eine große, feste Plastikplane, dann griffen 4 Männer die Zipfel und schwenkten die Plane auf und nieder, vor und zurück, sodaß sich die Masse gut vermischt. Anschließend stopfte mandamit die 36 Hühner und packte sie in Bräter und verteilte sie an die Freiwilligen zum Braten.


    Der Rest der Füllung wird aufbewahrt und am nächsten Morgen mit dem Hühnerklein vermengt und wieder aufgewärmt. ->siehe Rezept


    Obst- und Krausalat: Unmengen von Obst und Kohl muß gewaschen und geschnibbelt werden. Alles wird dann in großen Containern in die Kühlkammer gestellt.


    Creamed Celery: Woher die Tradition Sellerie zur Hochzeit zu servieren stammt, weiß ich nicht. Allerdings erkennt man eine anstehende Hochzeit daran, dass in dem Jahr ungewöhnlich viel Sellerie im elterlichen Garten der Braut wächst. ->siehe Rezept


    Die Vorbereitung der Kartoffeln habe ich nicht mitbekommen. Es sah allerdings so aus, als wurden sie in Säcken (stellt Euch Kopfkissenbezüge vor) in riesigen Töpfen gekocht. Ich habe sie erst am Hochzeitstag zu Gesicht bekommen, als ich Kartoffelpüree für meinen Tisch holen ging.
    Gegen Mittag waren wir fertig und es gab Buffet im Test-Braut-Eck.
    Die Tische werden aus jeweils drei Bänken in einem speziellen Gestell aufgebaut und man baute testweise die Tischecke für das Brautpaar und die Trauzeugen auf, die nach dem Mittagessen natürlich wieder abgebaut wurde, weil man ja jeden Sitzplatz für die Hochzeit am nächsten Morgen brauchte.
    Die restlichen der 36 Hühner wurde in Brätern an die restlichen noch anwesenden Frauen verteilt, die diese zum Braten mit nach Hause nahmen. Meine Gastmutter (die Großmutter der Braut) hat auch einen mitgenommen und sich den Wecker auf 3 Uhr gestellt, um den Backofen anzuschmeissen.


    Hochzeitstag:
    Um 6 Uhr war das Huhn gar und wir konnten es lauwarm um 7 Uhr zur Hochzeit mitnehmen.
    Dort wurde es sofort von der Küchencrew in Empfang genommen. Im Hintergrund läuft eine Organisation ab, wie Ihr sie Euch nicht vorstellen könnt. Es gibt die Roast-Gruppe, die Kartoffelpüree-Gruppe, die Sellerie-Gruppe, die Kaffee-Gruppe. Da wir zu dieser Zeit noch keine feste Aufgabe hatten,
    haben wir die Verteilung des Krautsalats auf kleine Schälchen übernommen und legten hier und da Hand an wo man halt gebraucht wurde.
    Das Brautpaar und die Trauzeugen übten nochmal ihren Gang.


    Um 9 ging der Gottesdienst los. Die Prediger verließen mit dem Brautpaar den Raum und die Gemeinde
    sang bis zu ihrer Rückkehr ca. 20 Minuten später. Dann folgte die Predigt->siehe Esther’s Kopie.
    Wie immer bei einem Gottesdienst schliefen die Leute reihenweise ein. Nach dem ersten Teil ist es erlaubt aufzustehen, um auf Toilette zu gehen. Diesmal gingen die jungen Leute jedoch in Gruppen und kamen teilweise erst nach 30 Minuten zurück. Es war also ganz deutlich, dass sie versuchten draußen Zeit totzuschlagen, weil es so langweilig war. (Und ich schwöre ich habe auch Zigarettengeruch wahrgenommen ;) )Die Erklärung meines Gastvaters dafür war folgende: Die Predigt auf einer Hochzeit läuft immer nach einem ganz bestimmten Muster ab, und da die Leute ja schon einige Hochzeiten in dieser Saison hinter sich hatten, kennen sie den Text und die Geschichten in und auswendig und sind entsprechend gelangweilt. Ich muß dazu sagen, dass die Prediger diesmal aber auch entsetzlich monoton und leise gesprochen haben und ich auch Mühe hatte die Augen offen zu halten, weil ich so gut wie nichts verstanden habe. (aber ich hatte ja Esther’s Übersetzung ;)


    Als nach zwei Stunden das Brautpaar ja gesagt hatte, verließen diejenigen, die eine feste Aufgabe hatten, den Gottesdienst, der noch ca. eine Stunde weiterging. Wir konnten auch endlich raus, da unsere Aufgabe es war, den „englischen“ Tisch herzurichten und zu bedienen. Der englische Tisch stand im Vorraum, und wir konnten deshalb schon mal mit Tischdecken anfangen. Jeder bekam dann eine Aufgabe, wieviele Schüsseln von welchem Essen er/sie aus der Küche ranschaffen mußten, wer füllt wieder auf, wer spült das Besteck für die nächste Gruppe. Als der Gottesdienst vorbei war, gingen die Trenntüren auf und alles stürmte raus aus dem Raum und in den Raum, um die restlichen Tische aufzubauen und zu decken. Aber jeder wußte ja genau was zu tun ist. Als die erste Schicht saß und das Essen auf dem Tisch stand, wurde es innerhalb von Sekunden still für das stille Gebet und danach wurde mit Appetit gegessen. Wir liefen zwischendurch immer wieder in die Küche, um die Schüsseln aufzufüllen. Die Kartoffelpüreeproduktion war wirklich sehenswert. Ich wünschte ich hätte davon Fotos machen können. RIESIGE Töpfe in denen die Köche mit akkubetriebenen Bohrmaschinen mit ensprechenden Quirlaufsätzen Massen an Kartoffeln, heißer Milch und flüssiger Butter zu Püree verarbeiteten.
    Nachdem alle ihren Hunger gestillt hatten und auch noch die letzen Löcher mit Kuchen und Kaffee gestopft waren, gab es wieder ein stilles Dankesgebet und es wurde abgeräumt und für die Nächsten neu eingedeckt. Da wir Englischen nicht so viele waren, kamen nun wir Helfer dran. Wir deckten also für uns selbst und konnten ganz in Ruhe essen, weil ja nach uns niemand mehr kam. Die anderen aßen in 3 Schichten.

    Edited once, last by Agranzow ().