Dürre in den USA

  • Grüß Gott zusammen,


    Da ich seit Jahren schon keinen Fernseher mehr habe und die Informationen aus den übrigen Medien nur sehr spärlich sind, will ich hier mal bei euch nachfragen, ob jemand weiß, inwieweit die Amish von der Hitzewelle in den USA betroffen sind, ich kann mir vorstellen, das zumindest die Bauern darunter leiden. Da ich selbst aus der Landwirtschaft komme und mich noch an die Hitzewelle von 1976 noch gut erinnern kann, weiß ich annähernd, wie jemand zumute ist, wenn die Ernte auf den Feldern und Wiesen verdorrt und man so gut wie nichts machen kann. Und hier ging es noch glimpflich ab, weil im Spätsommer wieder der Regen zurückkam. Wir haben hier mit Hilfe der Feuerwehr Wasser aus den Maaren in Fässer gepumpt und auf die Kartoffelfelder verteilt, damit die wenigstens Wasser hatten. Beten wir, das bald wieder Regen fällt in den betroffenen Gebieten und die Farmer weiter ihre Betriebe bewirtschaften können !

  • Lieber Eifellander, am Montag, den 23. Juli 2012 schrieb Lovina Eicher, die amische Köchin:


    "Heute morgen hatten wir ergiebigen Regen, es sammelten sich fast 4mm/qm. Jeder kleine Tropfen hilft unserem Gras, dem Getreide und den Gärten. Unsere Wiesen und Heuweiden sehen jetzt viel grüner aus. Die Gärten sehen besser aus, und wegen des Regens brauchte der Garten heute nicht gesprengt zu werden. Das Regenwasser scheint das Gartenwachstum erheblich mehr anzukurbeln als wenn wir mit dem Sprenger wässern.


    Als Joseph aufwachte und hörte, dass es regnete, waren seine ersten Worte: 'Oh, ich bin so froh, dass wir heute den Garten nicht gießen müssen.' Wir haben nur einen Wassersprenger, deshalb müssen wir ihn in unseren beiden Gärten jeweils von einem Ende zum anderen tragen. Meist stellen sie einen Zeitwecker und bringen ihn dann zum nächsten Bereich. Joseph ist ganz aufgeregt, denn er wird morgen 10 Jahre alt. Die Aufregung bei diesem Geburtstag ist besonders groß, denn ab jetzt darf er im Gottesdienst bei den großen Jungen sitzen. In unserer Gemeinde müssen die Kinder, wenn sie 10 Jahre alt sind, während des Gottesdienstes nicht mehr bei ihren Eltern sitzen." (Übers. G.)


    Bei Jean und David, den Alt-Mennoniten im Bundesstaat New York, hat es dagegen noch nicht geregnet. Für den Mais auf ihren Feldern sieht es nicht gut aus, dafür wachsen Radieschen und Bohnen bestens. Grüße von Gisela

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  • Ein Arbeitskollege stöberte in den Internationalen Nachrichten und erzählte mir ,dass es im Bereich um New York geregnet hätte aber im mittleren Bereich Amerikas das meiste verdorrt ist ,der Rest der Ernte von Käfern gefressen und die Farmer schon das Vieh auf Minimum reduzieren.Also keine rosigen Aussichten.Wir würden gerne den übertriebenen Regen bei uns rüberschicken.Hoffen wir auf eine baldige Besserung der Wetterlage für unsere Freunde da drüben.


    Grüsse von Josef.

  • Gestern habe ich um 12:25 Uhr Eifellanders Frage nach den Dürreauswirkungen bei Richard in Pennsylvania gepostet, und keine 20 Minuten später (7:44 Uhr Ortszeit) antwortete Marilyn, Jeans Freundin in New York: "Right now they haven't been getting any rain and things aren't looking good for the corn. On the other hand radishes, beens, are growing very well."


    Jean und David haben zwar weder Fernsehen noch Internet, aber sie checken täglich die Kommentare von Richards Blog auf dem Laptop ihres Milchfahrers. So nutzen sie über drei Ecken die Vorteile des Internets, verschwenden selbst aber keine Lebenszeit beim fruchtlosen Surfen.

  • Grüß Gott zusammen,


    ich habe mir im Zusammenhang mit dem landwirtschaftlichen Anbau von Getreide, einschließlich Mais, bei den Amish schon öfters die Fragen gestellt, wie das Getreide geerntet und gedroschen wird ? Wie wird das Unkraut bekämpft, obwohl es im wirklichen Sinne ja keine Unkräuter gibt ? Haben die Amish eigene Bäckereien oder Backofen ? Vielen Dank im Voraus für jede Antwort, obwohl es etwas neben dem Thema liegt. Hier in der Eifel geht gerade ein kräftiges Gewitter mit viel Regen runter. Hoffentlich entspannt sich die Lage in den USA auch bald !
    Gruß Eifellander

  • Lieber Eifellander, wenn noch Getreide angebaut wird, dann hauptsächlich Mais. Im mittleren Westen auch noch Hafer. Beides wird mit modernen pferdegezogenen Maschinen bearbeitet. Dafür starte ich in der Linkliste einen neuen Thread.


    Der Verkauf von Backwaren ab Haus und auf Wochenmärkten ist ein verbreitetes Nebengewerbe, das überwiegend in Frauenhand liegt. Die modernsten Gastronomieöfen werden mit Gas geheizt. Ansonsten kaufen sie ihr Brot gerne im Supermarkt. Brotmahlzeiten wie bei uns kennt man in den USA nicht, dort werden sowohl Frühstück als auch Abendessen als warme Mahlzeiten gereicht. - Bei Jean und David hat es inzwischen auch ein wenig geregnet. Grüße von Gisela

    Edited 6 times, last by gisela ().

  • Auf dieser von der US-Regierung erstellten Karte der betroffenen Regionen bekommt man einen deutlichen Eindruck vom Ausmaß der Dürre.


    Amische Siedlungsgebiete in Indiana, Illinois, Iowa, Kentucky, Tennessee, im Süden Michigans und Wicsonsins sowie in anderen Bundesstaaten sind betroffen. Die beiden größten Siedlungsgbiete in Pennsylvania und Ohio jedoch nicht.

  • Grüß Gott zusammen,


    Danke für die Karte Gisela, das sind ja ca.2/3 von den USA, die betroffen sind, das ist ganz schön happig. Wenn es bis jetzt noch nicht geregnet hat, ist es für die diesjährige Ernte eh zu spät. Aber vor allem die Viehfarmen brauchen Regen, sonst wächst auch kein Futter, und Futter zukaufen, das wird sehr schnell sehr teuer. Wasser wird weltweit immer mehr zu einem knappen Gut, was der Mensch durch sein törichtes Verhalten selbst zum größten Teil verursacht hat. Nach meiner Meinung helfen da nur weltweite, internationale Aufforstungsprogramme, denn desto weniger Wald auf der Erde, desto weniger regnet es. Außerdem müssen die Viehbestände drastisch reduziert werden. weil weniger Futter nachwächst als verbraucht wird, Stichwort Überweidung. Weltweit gehen täglich hunderte Hektar für die Bewirtschaftung verloren, weil die Flächen veröden. Wir müssen unsern Fleischkonsum zumindest einschränken, am besten einstellen, dann wäre vieles besser auf der Welt !
    " So lange es Schlachthöfe gibt, wird es Schlachtfelder geben ! " schrieb schon der russische Dichter Leo Tolstoi.

  • Ja, lieber Eifellander, ein flächendeckender Vegetarismus in den westlichen Industrienationen könnte die Börsen-Spekulationen auf Getreidepreise beeinflussen: Dein Wort in Gottes Ohr!


    Hier findest Du eine Karte mit den amischen Siedlungsgebieten. Der Großviehbestand der meisten amischen Farmen ist sowohl nach nordamerikanischen als auch nach deutschen Maßstäben niedrig. Fleischmast spielt kaum noch eine Rolle, und vor allem Lancaster-Amish-Milchviehhalter benötigen eigenes und/oder zugekauftes Kraftfutter. Doch auch in Pennsylvania erwirtschaften inzwischen die Mehrzahl der Old-Order-Familien ihre Haupteinnahmen durch Handwerk, Handel oder Dienstleistungen, und diese benötigen nicht mehr als Pferdeweiden für relativ genügsame Kutschpferde.

  • Grüß Gott zusammen,


    Herzlichen Dank auch für diese aufschlußreiche Karte, liebe Gisela, die Amish sind demnach ziemlich weit verstreut, mit Schwerpunkt in den nördlichen Regionen der USA. Die Vermutung liegt nahe, das die ersten Siedler von der Ostküste kommend, sich möglichst bald niedergelassen haben. Die später kamen, mußten weitere Wege und Strapazen auf sich nehmen. Der Bruder meiner Urgroßmutter ist auch mit Familie nach Aurora ( Illinois ) ausgewandert. Wäre mal sehr interessant dorthin zu reisen und eventuell Kontakt aufzunehmen. Ich habe bei google einige mit dem Namen ausfindig gemacht. Dies waren allerdings Katholiken, die ganze Eifel war zu der Zeit fast ausschließlich katholisch. Ich selbst bin vor acht Jahren aus der Kirche ausgetreten, weil ich mit vielen Teilen der katholischen Glaubens und seiner Ausübung nicht einverstanden bin.
    Hoffentlich kommen bald immer mehr Menschen auf den Dreh, das es keinen Sinn macht, Tiere in Gefangenschaft zu halten, schon gar nicht zum Verzehr. Außerdem ist Milch für Erwachsene auch nicht unbedingt gesund und empfehlenswert, aber das nur nebenher.
    Ich persönlich glaube daran, das wir für all unser Leid und unsere Probleme jeglicher Art selbst die Ursache gesetzt haben und daher auch die Auswirkungen erfahren müssen, und wenn es wie jetzt in Nordamerika eine Dürre ist. Eine Prüfung oder gar Strafe Gottes oder das viel zitierte Schicksal schließe ich hier aus. Es ist mir klar, das dieser Glaube eher östlicher Prägung ist, aber für mich ist es einfach logisch und sinnvoll, denn so können wir auch für unsere guten Taten das entsprechende ernten.

  • Lieber Eifellander, Aurora liegt nahe bei Chicago und damit näher an amischen Siedlungsgebieten in Indiana, Michigan und Wisconsin als denen von Illinois. Vor Aurora aus könntest Du eine Rundreise starten; der Indian Summer mit der herrlichen Laubfärbung Ende September/Anfang Oktober ist eine sehr schöne Reisesaison. Wenn Du Dich für die amische Siedlungsgeschichte interessierst, dann ist "A History of the Amish" von Stephen Nolt sehr zu empfehlen.


    Seit Karl dem Großen haben hierzulande ca. 40 Generationen der Kirche die Treue gehalten; Du hast Dich aus guten Gründen von dieser Überlieferungstradition getrennt. - Und wer weiß, möglicherweise praktizieren Deine Verwandten in Illinois inzwischen ebenfalls einen "Glauben eher östlicher Prägung"!? Auch wenn von denen wohl niemand mehr deutsch spricht, dann freuen sich die Senioren bestimmt über Fotos ihrer Urgroßeltern. Eine Mail-Anfrage kannst Du jederzeit losschicken. Grüße von Gisela

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  • Grüß Gott zusammen,


    ich habe heute in der Zeitung gelesen, das ca. 40 % des Mais, der in den USA angebaut wird, zur Produktion von Bioethanol, also zu Treibstoff für Autos und andere Fahrzeuge genutzt wird. Diese Zahl hat mich aufgrund der vielen Millionen hungernden Menschen weltweit ziemlich schockiert. Das die Amish per Kutsche fahren, entlastet die Energie bilanz etwas, ist in dem Rahmen aber sicher fast nur wie der Tropfen auf den heißen Stein. Eine solche Arroganz und Egoismus hätte ich von den Amerikanern nicht erwartet. Aber in Deutschland und im übrigen Europa werden die Nöte der armen Länder auch größtenteils ignoriert, hier ist es nicht viel besser. Wenigstens wird jetzt durch die Dürren weltweit, nicht nur in den USA, einmal eine Diskussion diesbezüglich in der Öffentlichkeit in Gang gebracht, Politik und Wirtschaft geraten in Erklärungsnöte. Hier muß ein Umdenken und vor allem ein Umhandeln geschehen !

  • Lieber Eifellander, dann bleiben immerhin noch 60 % für Futtermais sowie Cornflakes, Popcorn und Dosenmais! Meine Zeitung hatte gestern ein Diagramm des Weltgetreideverbrauchs für 2010: danach gingen 6,4 % in die Bioethanolproduktion, 33,9 % wurden Futtermittel und 46,9 % Nahrungsmittel. Deshalb erklärte die Agentur für Erneuerbare Energien, dass sowohl Teller als auch Trog und Tank mit Energie vom Acker bedient werden können. Die gute Nachricht des heutigen Tages: Nach der Commerzbank und der DekaBank steigen auch die LBBW und die LBB aus Spekulationsgeschäften mit Agrarrohstoffen aus, die für starken Preisanstiege verantwortlich sind.


    Wenn Du von Aurora, IL aus die Auswirkungen von Monokulturen und Dürre sowie die amischen Antworten darauf mit eigenen Augen sehen möchtest, dann empfehle ich Dir folgende Route: 2 Tage im Norden Indianas, 2 Tage im Osten Indianas, 2 Tage im Süden Indianas, 2 Tage im Osten von Illinois. Dabei durchquerst Du fünf der 10 größten Siedlungsgebiete, die jeweils 3-4 Autostunden voneinander entfernt liegen. Die Landschaften in Indiana sind lieblich und hügelig, während man in Illinois schon die Prärie spüren kann. An Unterkünften mangelt es nicht, überall gibt es nette Bed & Breakfasts oder unkomplizierte, angenehme Motels. Grüße von Gisela

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  • Grüß Gott zusammen,


    Liebe Gisela, herzlichen Dank für deinen Reiseplan, es wäre wirklich mal an der Zeit, mir Land und Leute in diesem Flecken Erde anzuschauen. Ich weiß aus Erfahrung, das ich mir erst dann zumindest einen Teil eines Urteils erlauben kann. Um einen wirklichen Einblick zu erhalten, muß man meines Erachtens schon länger dort leben. Es war noch überall anders, als ich mir es vorgestellt hatte, wenn ich erstmal dort war. Zum Beispiel New York, eine Stadt, die man nicht beschreiben kann, du mußt sie erlebt haben, eine ungemein bereichernde Erfahrung.
    Deshalb kann und will ich mir kein Urteil über das Leben der Amish erlauben, aber ihre Handlungs- und Glaubensweise ist in vielen Dingen beispielhaft und ich mache mir oft Gedanken darüber, wie ich mein eigenes Leben dementsprechend verändern kann. Gott führt uns einige Male in unserem Leben an eine Weggabelung, wo wir entscheiden müssen, und an einer solchen bin ich nun. Egal wie, ich muß und werde mich entscheiden.
    Es ist viel in Veränderung auf der Welt, jeder sollte seins dazu beitragen, das es gelingt.

  • Na, an Dir, lieber Eifellander, scheint ein Prediger vor dem Herrn verloren gegangen zu sein. - Wenn Du erst einmal im Amish Country bist und es Dir gefällt, dann kannst Du mit Deinem Touristenvisum bis zu einem halben Jahr bleiben. Doch es schadet nicht, wenn Du Dich vor einem längeren Aufenthalt ein wenig umschaust und umhörst. Wenn Du Deinen New-York-Trip nur von hier aus geplant hättest, dann wäre Dir manches entgangen, was man vor Ort und nur dort erleben kann.


    Wir haben die beschriebene Route im Oktober 2008 entworfen, für eine junge Frau mit leichter Lernschwäche, die unbedingt die Amischen besuchen wollte. Es war wundervoll; malerische Laubfarben bei sommerlichen Temperaturen. Schon auf dem Weg zum Gottesdienst wurde sie von der Ehefrau eines der Prediger gefragt: "Wie olt bisch?", antwortete und wurde verstanden. Die ersten drei Stunden der Ordnungs-Gmee absolvierte sie in vorbildlicher Haltung. Viele Besonderheiten hat sie klar erfasst und am Ende der Reise freute sie sich wie ein Kind über ein gefundenes Hufeisen und einen selbst gefundenen Pferdeapfel; Souvenirs, die man für Geld nicht kaufen könnte.

    Edited 2 times, last by gisela ().

  • Leider weiß ich noch viel zu wenig über die ethisch-moralische Haltung der Amish u.a. zu zum Beispiel Agrarpolitik, Börsenspekulationen, Vegetariertum. Also den Themen, die sich im Rahmend es Threads entwickelt haben.


    Mein Eindruck ist, dass die Amish sich diesbezüglich immer wieder um "Gelassenheit" bemühen.
    Ja, dass "Gelassenheit" ein, wenn nicht gar DAS, Orientierungsparamenter für Handeln, Tun und Denken ist.


    Handeln mit Bedacht und unter der Maßgabe, dass Gott der Herr der ist, der letztlich entscheidet, was richtig ist. Kein "sollte", kein "müsste", keine lauten, heftigen, wortschwallreiche Diskussionen zur Weltrettung...


    Sondern die Prämisse: Ich fange bei mir und meiner Familie an.


    Und, sein wir ehrlich:
    An unseren Schwächen zu arbeiten,
    uns vollkommen selbstlos in die (Welt-)Gemeinschaft einzubringen,
    den Nächsten und Allernächsten, den Schwachen & den Mächtigen zu dienen
    das sind schon ganz schön herausfordernde persönliche Baustellen.


    (Und damit sind wir dann sogar in recht geschwisterlichen Gedanken mit den fernöstlichen Lehren, deren wahrhaftige Gurus genau das verkünden: Gehe hin, arbeite, versorge Deine Familie,tue das Rechte.)



    Von den Mormonen in Utah weiß ich, dass sie Trockenfeldbau betreiben.
    Wäre das nicht ein Ansatz, sich gegen die Auswirkung von Dürreperioden zu wappnen?