Lutherübersetzung mit vielen Fehlern???

  • Habe heute im bibelTV eine Sendung -leider nur den Schluß- gesehen, mit Ruth Lapide. Die Sendung heißt Die Bibel aus jüdischer Sicht.
    Da hat Frau Lapide gesagt, sie findet die Lutherübersetzung viel zu fehlerhaft. Luther selbst hätte mal gesagt, wenn er jünger wäre, würde er Hebräisch lernen. Denn nur so könnte man die Bibel richtig verstehen.


    Da nun die Amisch auch nach der Lutherübersetzung gehen, habe ich gedacht paßt es hier ins Forum.


    Stimmt es denn mit den VIELEN FEHLERN? Ist es nicht bei jeder Übersetzung so, daß man zwischen einigen Wörtern variieren kann in der Übersetzung? Ist es denn sofort ein Fehler? ?(

  • Also ich weiß, dass die Elberfelder Bibel die genauere Übersetztung ist.


    Von der Luthbibel weiß ich auch, dass sie nicht die beste Übersetzung ist, aber ich lese sie trotzdem gerne, weil ich nunmal viele Bibelverse in der Lutherversion gelernt habe.


    Sonst nehme ich auch die Elberfelder.Ich find's schon gut, wenn's genau ist.


    Von der Lutherbibel weiß ich jetzt aber nur eine Stelle, die einen falschen Sinn ergibt.


    Und zwar der Vers: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen,von denen mir Hilfe kommt.


    Und genau das war eben nicht gemeint. Denn auf den Höhen / Bergen hatten die Juden in ihren abtrünnigen Zeiten oft die Götzenaltäre aufgebaut. Und gerade von daher hätte ein wirklich gläubiger Jude eben keine Hilfe erwartet.


    Korrekt heißt es: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?


    Hm - jetzt muß ich glaub mal doch noch in einer Bibel nachgucken, ob das auch so stimmt. :D


    Ist nämlich schon lange her, dass ich mich mit solchen Fragen beschäftigt hab. Hatte das jetzt aber noch so im Kopf.

    Edited once, last by Ente59 ().

  • Quote

    Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen von welchen mir Hilfe kommt. Psalm 121.1


    Ja - stimmt - aber nur für die Lutherübersetzung von 1912.


    In der Revidierung von 1984 hat man das ausgebessert.


    Ich denke schon auch, dass eine hebräisch angelehnte Übersetzung sehr interessant wäre.


    Aber das Hebräische ist nicht immer so eine eindeutige Sprache. Da gäbe es sicher immer auch sehr viel zu diskutieren.


    Und - ganz ehrlich gesagt: Das Wesentliche verstehen wir so oder so ziemlich gut.


    Die Frage ist da doch oft ehr, ob wir es verstehen wollen. :whistling:

  • Ja stimmt. Der Psalm 121,1 ist in der 1912er Fassung so und auch in der "Neue Luther Bibel"-Ausgabe, die ich gerne nehme, ist es schon verbessert ( die ist von 2009), da sollten wohl mehrere "Übersetzungsfehler" ausgeglichen sein. Eine Elberfelder habe ich auch, aber ich komme immer wieder zur Lutherübers. zurück.


    Aber Ente, du hast schon recht:

    Und - ganz ehrlich gesagt: Das Wesentliche verstehen wir so oder so ziemlich gut.




    Die Frage ist da doch oft ehr, ob wir es verstehen wollen


    Ein Nadelör und ein Tau zu "verwechseln" ist ja schon was :rolleyes:

  • Die christliche Bibel ist ja nichts anderes als eine Sammlung unterschiedlicher Niederschriften von Erzählungen, Erfahrungsberichten und wenigen Briefen. Seit man diese in diesem Buch zusammengefaßt, und schon vorher, streitet man sich darüber was rein gehört und was nicht. Jede Bibelübersetzung von den Originalsprachen dieser Sammlung in eine andere Sprache, beinhaltet automatisch ein Stück Auslegung, weil man eben nicht eins zu eins übersetzen kann.


    Auch die Lutherbibel wird nach und nach revidiert und angepaßt. Bei den Amischen findet man übrigens oft auch die King-James-Bibel.


    Man muß letztlich die Bibel einer historisch-kritischen Exegese unterziehen und sie in einer hermeneutischen Gemeinschaft ausgelegt wissen. Es braucht eine regelrechte Distanz vom einzelnen Wort, Satz, Abschnitt, um sie nicht blind zu lesen.


    Ich lege jedem „die Bibel in gerechter Sprache“ nahe. Sie ist weder besser noch schlechter als eine Elbenfelder, Luther oder Zürcherbibel. Aber sie hilft ein neues Licht auf Festgefahrenes zu werfen und ist nicht so schrecklich römisch-katholisch (also nicht patriarchalisch).

  • Fasel, die Ausgabe "Die Bibel in gerechter Sprache" kenne ich nicht. Werde aber gleich mal stöbern gehen.
    Vielen Dank für Deine Antwort.


    PS: Habe gerade mal in Wikipedia nachgelesen und muß ehrlich sagen, daß mir diese Erklärungen nicht so zusagen um mir diese Ausführung zu kaufen. Aber trotzdem danke, kannte ich vorher nicht und habe nun wieder mal was gelernt.

  • Dann, liebe Sandra, könnte vielleicht auch die Volxbibel für Dich interessant sein.


    An der kannst Du sogar mitarbeiten und der deutschsprachen Leserschaft eine noch bessere Übersetzung als die vorhandenen zu Verfügung stellen. Bei diesem Projekt geht es weniger um die Genauigkeit im Vergleich zu den Urtexten, sondern mehr um die Verständlichkeit für heutige Leser.

    Edited 4 times, last by gisela ().

  • Die christliche Bibel ist ja nichts anderes als eine Sammlung unterschiedlicher Niederschriften von Erzählungen, Erfahrungsberichten und wenigen Briefen. Seit man diese in diesem Buch zusammengefaßt, und schon vorher, streitet man sich darüber was rein gehört und was nicht.



    Da die Bibel das absolute Wort Gottes ist, spielt es wohl schon eine große Rolle, wie genau sie übersetzt ist.


    Was Luther-,Zürcher- oder Elberfelderbibel jetzt mit der römisch-katholischen Kirche zu tun hat, erschließt sich mir grade nicht ganz. Die katholische Kirche hat ihre eigene Übersetzung - die Einheitsübersetzung.


    Die Volxbibel finde ich schrecklich.


    Da wird zum Beispiel nicht mehr gebetet, sondern es heißt: gelabert oder geschnorrt.


    Hm - diese Sprache finde ich unwürdig.

  • Ich lese am liebsten die Lutherbibel, habe aber auch die Einheitsübersetzung.
    Die Volxbibel finde ich persönlich auch schlimm. Da wird alles ins lächerliche gezogen und ist für mich nicht mehr ernst zu nehmen.

  • Es schadet nicht, den Text der Volxbibel und einer Luther (oder Co.) nebeneinanderzulegen um daran zu wachsen.


    Abendmahl kann man auch mit Cola und Chips begehen …
    Es geht beim „das Brot miteinander brechen“ um viel größeres, als das was heute zum Abendmahl verkümmert ist. Die Erzählungen über die erste Jerusalemer Gemeinde bringt dies deutlich zum Ausdruck. Es ist bei den Hutteren noch stärker ausgeprägt als bei den Amischen. Aber Typisch für den linke Flügel der Reformation.

  • Danke, lieber Fasel, auf den linken Flügel der Reformation (Heinold Fasts 1962 erschienenes Standardwerk mit diesem Titel ist so aktuell wie vor einem halben Jahrhundert) kann man nicht oft genug hinweisen. - Mit ihrem knusprigen, noch ofenwarmen Brot, der Gemüsesuppe und ihrem ausgiebigem Tischgesang vor dem Essen versetzten uns die Hutterer in eine andere Wirklichkeit, womöglich die der Jerusalemer Urgemeinde?!


    Es lohnt sich m.E. die Gottesdienste und Bibelkreise der eigenen Gemeinde und anderer Konfessionen zu besuchen, in denen die Bibel gelesen und ausgelegt wird. Denn nicht einmal die gedruckten Urtexte in den Originalsprachen (Biblia Hebraica und NT Graece) bieten eine eindeutige Textfassung, sondern stellen die Varianten der bislang bekannten Handschriften zur Verfügung. Wenn neue Handschriften entdeckt werden, so wie z.B. die Qumran-Rollen, dann werden auch sie aufgenommen. - Darüber hinaus kann durch die persönliche Begegnung mit Jesus Christus eine altbekannte Bibelstelle für jeden Menschen jederzeit in ein ganz neues Licht gerückt werden.

    Edited 3 times, last by gisela ().